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14. Januar 2011 | Digitales

Zeitungen starten Digitalausgaben für das iPad

Verlage mit unterschiedlichen Tablet-Strategien unterwegs

Zeitungsverlage sehen in Tablet-PCs wie dem iPad große Potenziale für das Vertriebs- und Anzeigengeschäft. In den Zeitungshäusern wird intensiv an Inhalten, Designs und Vermarktungsmodellen gearbeitet. Über 20 Verlage haben bereits Zeitungs-Apps gestartet; andere Häuser bereiten den Start ihrer iPad-App vor. Dabei unterscheiden sich die Strategien zum Teil erheblich. Entwickelt werden nachrichtengetriebene, aus dem gedruckten Titel gespeiste Apps bis hin zu Hybrid-Modellen, die sich aus Print, Online und speziell für das Gerät produzierten Inhalten rekrutieren. Auch die Preisgestaltung ist unterschiedlich: Es wird zwischen Einführungsangeboten, Preisen nahe am Printprodukt und Gratismodellen geschwankt.

artikel Voll-24975-orgGleich zum iPad-Marktstart im April 2010 war die „Welt“-Gruppe mit eigenen Angeboten dabei. Die Axel Springer AG fährt dabei eine Doppelstrategie: Es gibt eine kostenlose iKiosk-App mit den Inhalten, etwa der Zeitungen „Welt", „Welt Kompakt" oder „Wams", die in ihrer Gestaltung der pdf-Ausgabe gleichen. Nach Ablauf des 30-Tage-Probe-Abos stehen verschiedene Abo-Modelle zur Auswahl, die sich an den Printpreisen orientieren. Zusätzlich gibt es multimediale HD-Apps (für High Definition) der Zeitungstitel „Die Welt“, „Berliner Morgenpost“, und „Bild“. Optisch lehnt sich die Welt-App eng an die Print-Ausgabe an. Auch offline kann sie genutzt werden. Sie wird viermal täglich aktualisiert. Etwa hundert Artikel sollen pro Tag enthalten sein. Die Inhalte aus der App sind im Moment auch auf dem Online-Portal kostenlos zu lesen. Mit der Rubrik Welt-Reporter soll es auch exklusive Inhalte für die App geben. Auch die Bild-App gleicht auf den ersten Blick der Printversion. Gegenüber der gedruckten Ausgabe unterscheidet sie sich jedoch dadurch, dass sie programmiert wurde wie ein Computerspiel. Für überraschende Animationen und Effekte setzen die Entwickler auf Gaming-Technologien: So muss der Leser, um einen Bericht über die Wüste lesen zu können, zunächst virtuellen Sand wegwischen. In punkto Aktualität entspricht die Tablet-„Bild“ einem Online-Medium: Sämtliche Inhalte von Bild.de werden in die App integriert und für die iPad-Optik neu aufbereitet. Mit dem Start der Bild-App ist die mobile Website für iPad-Nutzer im Standardbrowser nicht mehr erreichbar. So sollen möglichst viele Abonnenten für die Bezahl-Variante gewonnen werden. Auch beim Pricing geht man neue Wege: Eine Einzelausgabe kostet 79 Cent und damit mehr als die Print-Ausgabe, die 60 Cent kostet.

Im Oktober 2010 startete die neue App der „taz“. Sie ermöglicht den Kauf der aktuellen „taz“-Ausgabe schon am Vorabend des Erscheinens. Bisher war der Bezug des E-Papers nur in Form eines digitalen Monatsabos (für zehn Euro monatlich) möglich, mit der sogenannten „iTaz“ kann die Zeitung auch als Einzelexemplar gekauft werden. Zum Preis von 79 Cent enthält die iTaz alle Seiten aus der taz inklusive aller Regionalausgaben und am Wochenende außerdem inklusive der „sonntaz“. Die zusammen mit der Berliner Plattform textunes entwickelte elektronische Ausgabe kann der Nutzer speichern und auch auf andere Lesegeräte übertragen.

Frankfurter Rundschau: Nachrichten in Magazin-Optik

Während die Apps von „Welt“ und „taz“ sich bei der Handhabung an die gedruckte Zeitung orientieren, nutzt die iPad-Ausgabe der „Frankfurter Rundschau“ (FR) verstärkt die opulente Optik des iPad: Viele Artikel beginnen mit großformatigen Farbfotos, die auch mit Videos illustriert werden. Ausschnitte aus Interviews können im Original gehört werden. Große Infografiken erscheinen interaktiv und sind mit ergänzenden Texten auf einer zweiten Informationsebene gespickt. Die FR-App kann sowohl im Hoch- als auch im Querformat gelesen werden. Der Verlag hat eigens für die App-Produktion das Team der Layouter um vier Personen erweitert. Journalistisch wird die „FR“-App als eigenständiges Produkt positioniert: „Wir kopieren nicht die Zeitungsseiten auf den Bildschirm. Und wir verlagern ebenfalls nicht unsere Webseite auf das iPad“, schreibt Michael Bayer, Leiter Multimedia-Redaktion, auf der „FR“-Website. Der Download der App ist kostenlos. Die tägliche iPad-Version, die sechsmal in der Woche erscheint, kostet 79 Cent. Auch im Abo soll die „FR“-Apps bald erhältlich sein.

„Die Zeit“ - Hybrid-Modell zwischen Online und Print

Das Angebot von „Zeit online plus“ bietet journalistisch das aktuelle Angebot von Zeit online sowie die gesamten Inhalte der gedruckten Wochenzeitung. Beim Start der App sieht der Nutzer die aktuellen Inhalte von Zeit online. Über den Menüpunkt „Die Zeit”, gelangt man zu den Inhalten der gedruckten Zeit. Die Zeitungsseiten gibt es nicht nur als Faksimilie, sondern als für das iPad optimierte Textversionen. Die Schriftgröße kann individuell eingestellt werden. Alle Artikel einer geladenen Ausgabe lassen sich auch offline lesen. Ziel des Verlags ist es nach eigenen Angaben, die App als Plattform für anspruchsvolle Leserdebatten auszubauen. Die in der App verfassten Kommentare erscheinen direkt unter den Artikeln in der Website. Zeit online plus wird für jeweils vier Wochen freigeschaltet. Im Preis von 4,99 Euro (nach einer Einführungsphase 8,99 Euro) sind vier Ausgaben der gedruckten Zeit enthalten, die bereits einen Tag vor Veröffentlichung digital auf dem iPad gelesen werden kann. Darüber hinaus wurde kürzlich eine für das iPad und Tablet-PCs optimierte Version der Website Zeit.de gestartet. Damit soll die Reichweite erhöht und Werbekunden neue, großflächige Werbeformate angeboten werden.

Regionalzeitungen mit unterschiedlichen Strategien

Als einer der ersten deutschen Regionalzeitungen hat die „Heilbronner Stimme“ im Juli 2010 eine App für das iPad auf den Markt gebracht. iStimme ist täglich ab fünf Uhr morgens abrufbar und präsentiert sich als Faksi­milie der Print-Ausgabe. In Kürze soll eine erweiterte Version mit integrierten Fotostrecken und Videos erscheinen. Dann werde es auch möglich sein, verschiedene Lokalausgaben auszuwählen. Mit dem "Oberhessische Presse", der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitungen“ (HAZ) und der ebenfalls in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ sind seit kurzem drei Zeitungen der Madsack-Mediengruppe mit ei­nem digitalen Ableger für das iPad im iStore zu finden. Bei den drei Apps handelt es sich um mobile Duplikate der E-Paper-Ausgaben der Zei­tungen, die bereits über die jeweiligen Websites bezogen werden können. Sowohl die „HAZ“-App als auch die App der „Neuen Presse“ ist im Einzelpreis für jeweils 79 Cent zu kaufen. Bei der Entwicklung einer multimedialen App verfolgt die "Oberhessische Presse" (OP) bei Madsack die Vorreiterrolle. Die OP stellt kein reines E-Paper bereit, sondern eine eigens aufbereitete iPad-Ausgabe mit aktuellen Beiträgen, Videos, Bilderserien und Audiobeiträgen. Die Ausgaben sind spätestens ab 22 Uhr im iTunes-Kiosk abrufbar. Die Einzelausgabe kostet 79 Cent. Zur Einführung bietet die OP ebenso wie die Bild ihren Abonnenten der Print-Ausgabe und Neukunden das multimediale Magazin im Paket mit einem iPad an.
Ein Gratismodell verfolgt dagegen die „Abendzeitung“ (AZ). Die Regionalausgabe für den Nürnberger Raum ist kostenlos erhältlich. Nach dem Start zeigt das Programm eine Art Zeitungsständer mit den letzten drei Ausgaben an.

"Lesen, spielen, ausprobieren – der `Kölner Stadt-Anzeiger´ auf dem iPad lädt jeden Abend zur Prime Time zu einer Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein", heißt es auf der Webseite zur App. Zudem sei das Programm nicht einfach eine pdf-Version der gedruckten Zeitung, sondern enthalte modernen, multimedialen Journalismus. Damit sind Videos, Audios, Grafiken, Bildergalerien und ein Newsticker gemeint. Anders als bei der Version der „Frankfurter Rundschau“, die sich eher an eine Magazin-Optik anlehnt, ist der Ansatz des „Kölner Stadt-Anzeigers“ „näher an der Zeitung“. So präsentiert sich der Stadt-Anzeiger mit der gleichen Schriftenfamilie wie sein gedrucktes Pendant. Der Schwerpunkt liege dabei „auf lokalen Themen“, sagt Projektleiter Tobias Kaufmann. Bestimmte Themen wie etwa Sportereignisse können aber auch nach der Veröffentlichung aktualisiert werden. Die einzelnen Beiträge werden mit Bildern und Videos multimedial ergänzt. Einige Rubriken wie „Bilder des Tages“ oder eine Seite zum 1. FC Köln wurden eigens fürs iPad entwickelt. Eine insgesamt zehnköpfige Redaktion kümmert sich um die Erstellung der App. Wie bei der „Frankfurter Rundschau“ kostet jede Ausgabe des Stadtanzeigers 79 Cent. Ein Abonnement ist seit Dezember 2010 möglich und schlägt monatlich mit 17,90 Euro zu Buche.

Weitere Zeitungs-Apps in Planung

Die „Schwäbische Zeitung“ entwickelt derzeit gemeinsam mit dpa-infocom eine Zeitungs-App für das iPad. Das Layout-Konzept stammt von der Agentur KircherBurkhardt, die auch den gleichzeitig stattfindenden Print-Relaunch begleitet. Beide Projekte sind eng aneinander gekoppelt. Das Produkt ist eine Kombination aus hochwertiger Print-Optik gepaart mit einem Höchstmaß an Multimedialität. Jeden Tag soll eine „Best-of“-Abendausgabe produziert werden. Der Nutzer erhält in Abgrenzung zur Zeitung einmal am Tag einen wesentlichen Überblick. Die Auslieferung ist für den frühen Abend vorgesehen. Über den Tag soll es zunächst keine Updates geben. Das Produkt zeichnet sich durch eine starke lokale Komponente aus. So sind 21 Lokalausgaben geplant. Nutzer können sich die App auf die eigene Region zuschneiden und personalisieren. Die App wird mit geringem Zusatzaufwand an Personal (ein bis zwei Mitarbeiter) und mit dem vorhandenen Redaktionssystem realisiert. Der Start ist für Januar 2011 vorgesehen.

Eine Übersicht über die Mobilangebote der Zeitungen findet sich auf der BDZV-Website im Bereich Zeitung Online.

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