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25. September 2013 | Allgemeines

Zeitungen sind näher am Publikum

Theodor-Wolff-Preis-Verleihung: Sechs Journalisten in München geehrt / Lebenswerk für Alfred Grosser

„Noch nie haben so viele Menschen Zeitung gelesen wie heute, gedruckt, online und mobil. Das heißt: das Publikum will Zeitung, unsere Gesellschaft braucht die Zeitung.“ Das erklärte der Verleger des Bonner „General-Anzeigers“, Hermann Neusser, anlässlich der Verleihung des vom BDZV ausgelobten Jour-nalistenpreises der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis (TWP) am 4. September 2013 in München.

„Noch nie haben so viele Menschen Zeitung gelesen wie heute, gedruckt, online und mo­bil. Das heißt: das Publikum will Zeitung, un­sere Gesellschaft braucht die Zeitung.“ Das erklärte der Verleger des Bonner „General-Anzeigers“, Hermann Neusser, anlässlich der Verleihung des vom BDZV ausgelobten Jour­nalistenpreises der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis (TWP) am 4. September 2013 in München.

Neusser, der auch Vorsitzender des TWP-Ku­ratoriums ist, mahnte daher „mehr Gelassenheit“ bei der Berichterstattung über die eigene Bran­che an. Ihn irritiere, dass sich Zeitungen und Zeitschriften in den zurückliegenden Wochen und Monaten geradezu darin überboten hätten, Jour­nalismus „niederzuschreiben“.

Der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding (Stuttgart), Dr. Richard Reb­mann, hatte sich zuvor bei seiner Begrüßung der gut 200 Gäste im Atrium der „Süddeutschen Zei­tung“ dazu bekannt, dass zum Schreiben großar­tiger Artikel „Zeit, eine gewisse Muße und Freiheit im Redaktionsalltag“ nötig seien. Solche förderli­chen Bedingungen müssten die Zeitungen auch in einem wirtschaftlich schwieriger gewordenen Umfeld schaffen. Zugleich verwies Rebmann auf die exzellenten Leistungswerte: Tageszeitungen seien das Medium mit dem größten Vertrauen. Sie erreichten täglich rund 50 Millionen Leser und Nutzer. Verlage und Redaktionen verbesserten kontinuierlich Inhalt und Erscheinungsbild der Zeitungen - Print, online und mobil. „Unsere Re­daktionen sind näher an ihrem Publikum als je zuvor“, lobte Rebmann. Umso weniger könne er es verstehen, wenn die eigene Branche schlecht über sich selbst berichte.

Der frühere Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, erklärte in seiner Laudatio auf den Preisträger für das Lebenswerk, Alfred Grosser, dass dieser bewundert werde für seinen Einsatz für die Menschenrechte und sein Ringen im Kampf gegen Unrecht. Grosser widme sich vor allem der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und habe schon sehr früh behauptet, dass es keine Kollektivschuld gebe. Kurz: „Alfred Grosser schwimmt schon sein Leben lang gegen den Strom. Woher haben Sie eigentlich so viel Mut?“, fragte Primor und verwies auf Georges Clemenceau, der 1919 sagte: Ach, wie viel schwieriger ist es, Frieden zu schließen als Krieg zu führen?“

In seiner Replik schlug Alfred Grosser den Bogen von den deutsch-französischen und deutsch-israelischen Beziehungen nach Europa. Der nach wie vor als Kolumnist für mehrere Zei­tungen tätige Wissenschaftler und Autor meinte, dass „die deutschen Tageszeitungen in der Pro­vinz besser sind als die französischen; aber sie übersehen, wie sehr die Bundesrepublik seit 1950 von Europa profitiert hat“. Ähnlich seien sich beide Länder hingegen in ihrer „leider oft schockierenden Begeisterung für das Regie­theater“.

Neben dem Preisträger für das Lebenswerk standen fünf weitere Journalisten im Mittelpunkt der Festveranstaltung: Die mit je 6.000 Euro do­tierten Auszeichnungen in der Sparte „Lokaljour­nalismus“ gingen an Jan Haarmeyer für seinen Artikel „Im Namen des Volkes, auf Kosten des Kindes“ („Hamburger Abendblatt“), der sehr diffe­renziert und bewegend über Pflegeeltern berich­tet, die nach Jahren aufgrund von Behördenver­sagen das geliebte Kind wieder verlieren, sowie an Kai Müller für seinen Beitrag „Es war ein schöner Tag“ („Der Tagesspiegel“, Berlin), in dem der Autor schildert, wie eine Messerstecherei aus dem Nichts entsteht und in der Rückschau keiner der Beteiligten wirklich erklären kann, warum ein Jugendlicher tot am Boden liegt.

Jochen Arntz und Andrea Jeska bekamen den ebenfalls mit 6.000 Euro dotierten Journalis­tenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Repor­tage/Essay/Analyse“. Jochen Arntz (Süddeutsche Zeitung“, München) portraitiert in seinem Artikel die Ehefrau von Altkanzler Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter. Andrea Jeska erzählt in ihrem Bei­trag „Der Mann, der die Wüste aufhielt“ („Die Zeit“, Hamburg) von einem Bauern in der Sahel-Zone, der über Jahrzehnte durch das Pflanzen von Bäumen ausgedörrtes Land wieder fruchtbar machte. Ausgezeichnet und mit 6.000 honoriert wurde in dieser Kategorie auch der Essay „Auf den Herd gekommen“ von Robin Alexander („Welt am Sonntag“, Berlin). Der Autor geht darin analytisch der Frage nach, wie der Begriff der „Herdprämie“ entstand, wie er politisch aufgela­den und polemisch eingesetzt wurde.

Aus den Texten der Preisträger lasen im Atrium der „Süddeutschen Zeitung“ die Schauspieler Matthias Brandt (Berlin) und Sibylle Canonica (München). Für den musikalischen Rahmen sorgte die Munich Brass Connection, das Bläser-Ensemble der Münchner Philharmoniker.

Der Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis, an dem sich diesmal 396 Journalisten beteiligt hatten, erinnert an den langjährigen Chefredakteur des legendären „Be­rliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868 – 1943). Wolff musste 1933 vor den Nazis ins französi­sche Exil fliehen, wurde dort verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im Jüdi­schen Krankenhaus in Berlin.

Alle Beiträge nachlesen

Die Beiträge der TWP-Sieger und der Nomi­nierten sowie die Bilder von der Preisverleihung finden sich unter www.theodor-wolff-preis.de. Aktuelle Informationen rund um den Journalis­tenpreis der Deutschen Zeitungen gibt es darüber hinaus das ganze Jahr auf Facebook: www.facebook.com/TheodorWolffPreis.

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