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25. April 2003 | Allgemeines

Zeitungen müssen sich offensiver aufstellen!

Zwischen Wirtschaftskrise und Strukturwandel / Podiumsrunde in der Friedrich-Ebert-Stiftung

Zwar setzt die anhaltende Wirtschaftsflaute dem Anzeigengeschäft der Zeitungen weiter zu, und der Strukturwandel in der Medienkultur verlangt gerade den Zeitungsverlagen vieles ab. Doch BDZV-Präsident Helmut Heinen ließ keinen Zweifel: „Zeitungen haben eine große Zukunft“, sagte er bei der von Kommunikationswissenschaftler Peter Glotz moderierten Podiumsrunde in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 9. April 2003 in Berlin.

Allerdings müssten die Verlage, so Heinen, ihre Unternehmensstrukturen den veränderten Bedingungen anpassen und sich im Lesermarkt wie im Werbemarkt offensiver aufstellen. Wichtig sei die Konzentration auf die Kernkompetenzen der Zeitung. Das Outsourcing von redaktioneller Kernkompetenz sehe er „sehr kritisch“, statt dessen sollten die Redaktionen stärker auf Kooperation und Vernetzung setzen. „Es geht um noch mehr publizistische und journalistische Qualität zu geringeren Kosten“, so Heinen. Wichtigste Voraussetzung für den Erhalt einer vielfältigen und mittelständisch geprägten Zeitungskultur seien vernünftige politische Rahmenbedingungen. Heinen erinnerte an „das Panoptikum der letzten Jahre“: Die Debatten um Scheinselbstständigkeit und 630-Mark-Jobs, die Erweiterung der Mitbestimmung und die weiter anhaltenden Versuche von Seiten der EU, Werbeverbote durchzusetzen. Zu den Expansionen der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Internet sagte Heinen: „Diese unheilvolle Situation schreit nach Veränderung.“

 

Der Publizist und frühere DJV-Vorsitzende Hermann Meyn musste sich im Podium deutliche Kritik gefallen lassen für die eher unreflektierte Aussage, Zeitungsverleger müssten sich für den halbierten Mehrwertsteuersatz für Presseerzeugnisse bedanken.

 

Der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe WAZ, Essen, Bodo Hombach, hob die Bedeutung der Lokalpresse hervor: Sowohl publizistisch als auch werblich sei das Lokalterrain noch längst nicht ausgeschöpft. Keine Institution habe wie die Zeitung die Möglichkeit, lokale Kultur, das Leben der Menschen in den Städten, Stadtteilen und Gemeinden mitzugestalten und auch zu organisieren. Ebenso wie Meyn kritisierte Hombach, dass viele Verlage über ihre Verhältnisse gelebt und zuviel in Dinge jenseits des Zeitungsgeschäfts investiert hätten. Unmissverständlich sprach sich Hombach auch für eine Lockerung der Pressefusionskontrolle aus. Dieses „Sondergesetz“ sei anachronistisch und mittlerweile kontraproduktiv, weil es in vielen Fällen verhindere, dass publizistische Vielfalt durch verlagsökonomische Kooperation erhalten werden könnte.

 

Ob das Geschäftsmodell Qualitätszeitung gefährdet sei, fragte Moderator Peter Glotz den früheren Vorsitzenden der Geschäftsführung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Jochen Becker. Der Aufwand für wirkliche Qualitätszeitungen sei nur noch von ganz wenigen zu finanzieren, sagte Becker. Der Geschäftsführer der Handelsblatt GmbH in Düsseldorf, Thomas Brackvogel, appellierte an die Zeitungsverlage, noch mehr Engagement für die Lesergeneration von Morgen zu entwickeln. Angesichts der wachsenden Zahl von jungen Menschen, die überhaupt nicht mehr lesen und schreiben können, müssten die Verlage Kraft und Kreativität entwickeln, Jugendliche an das Medium heranzuführen und zu binden. Neben den Eltern und der Schule hätten gerade die Lokalzeitungen bei der Bewältigung dieses Problems eine wichtige Funktion. Dabei müssen auch die Popularität des Internets und die damit verbundenen Chancen genutzt werden, junge Menschen in die Zeitungswelt zu führen.

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