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02. April 2004 | Allgemeines

„Zeitungen müssen allen alles bieten!“

BDZV-Präsident Helmut Heinen bei den Oberkasseler Gesprächen

Lokale und regionale Zeitungen müssen „allen alles“ bieten, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen am 30. März 2004 in Berlin. „Der Leser ist ein ganzheitliches Wesen“, er wolle in seiner Zeitung nicht nur über Lokales informiert werden, sondern auch über die „großen Geschehnisse“ in der Welt.

Anlässlich eines Interviews mit Dieter Jepsen-Föge, Chefredakteur des DeutschlandRadios, im Rahmen der so genannten Oberkasseler Gespräche des Verbands der Cigarettenindustrie (VDC) machte Heinen deutlich: Was am Vorabend in den Nachrichten gelaufen sei, müsse sich am nächsten Tag auch in der Zeitung wiederfinden: „Je größer ein Ereignis, desto größer ist am nächsten Tag das Bedürfnis, es in der Zeitung nachzulesen. Wir haben nur Chancen mit unserem Medium, wenn unsere Zeitungen möglichst viele Bedürfnisse erfüllen“, war sich der BDZV-Präsident sicher.

 

In diesem Zusammenhang brach der BDZV-Präsident auch eine Lanze für die Boulevardmedien. So erfülle die „Bild“-Zeitung eine enorm wichtige Funktion auch darin, dass sie Leute am Lesen halte, die sonst gar nicht lesen würden. „Es ist ein Fehler zu denken, Deutschland ginge es besser, wenn es keine Boulevardzeitungen mehr gäbe“, versicherte Heinen. Das in den vergangenen Jahren vielfach beklagte Abbröckeln der Zeitungsreichweiten am unteren Altersrand sei gar nicht so sehr ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern vielmehr ein politisches: „Können wir es uns leisen, dass künftig 30 Prozent überhaupt nicht mehr lesen und Nachrichten nur noch auf Zuruf oder, sagen wir, über Musiksender konsumieren?“ Hier gelte es, in Elternhäusern, Kindergärten, Schulen, aber auch in Politik und Medien entgegenzuarbeiten, warnte der BDZV-Präsident.

 

„Wir haben eine massive wirtschaftliche Krise“. Bei den Zeitungen seien die Anzeigenumsätze seit März 2001 jeden Monat schlechter ausgefallen als im Vormonat. Dies sei stark konjunkturell bedingt, erläuterte Heinen die aktuelle Situation und machte aber gleichzeitig deutlich, dass die Zeitungen auch „Boden gut gemacht“ hätten. So seien sie heute bei den Markenartiklern und insbesondere bei den großen Discountern, die jahrelang nicht oder wenig in der Zeitung inseriert hätten, „sehr gut vertreten“. Dies hänge auch mit der hohen Glaubwürdigkeit der Zeitungsanzeige zusammen. „Die Discounter haben mit uns ihre größten Erfolge.“

 

Ein „Zeitungssterben, versicherte Heinen, sei trotz der derzeit schwierigen Lage nicht zu befürchten. Die wenigen Objekte, die in der Vergangenheit – wie etwa die „Honnefer Volkszeitung“ oder „Die Woche“ - leider hätten eingestellt werden müssen, seien schon länger defizitär gewesen. Als bemerkenswert für die Branche charakterisierte der BDZV-Präsident, dass es „überall da, wo es eng wurde, Kapital aus der Branche gegeben hat“. Und zwar von Leuten, die es wissen mussten. Bis heute stünden hinter den Zeitungen Personen, also Verleger und Gesellschafterfamilien. Es gebe fast kein branchenfremdes Kapital, Zeitungen seien keine „Anhängsel eines Mischkonzerns, was ich für sehr gut halte“, erläuterte Heinen.

 

Befragt nach den möglichen Auswirkungen der geplanten Novelle zur Pressefusionskontrolle, machte Heinen noch einmal die Genese des fast 30 Jahre alten Gesetzes deutlich. 1976 hätten die Verlage weder auf der Kostenseite noch mit Blick auf die Konkurrenz in einem so massiven Wettbewerb gestanden, wie sie es heute tun. Seither seien beispielsweise privates Fernsehen, privater Hörfunk, hunderte Spartenzeitschriften und das Internet hinzugekommen. Damit habe sich die Position der Zeitungen völlig verändert. Vor diesem Hintergrund mache es Sinn, „in gewissen Aspekten zu größeren Einheiten zu kommen“, etwa bei Kooperationen im Vertriebsbereich oder bei der Vermarktung von Anzeigen. Vor diesem Hintergrund habe der BDZV auch die Überlegungen begrüßt, das bisher sehr rigide Pressefusionsrecht zu lockern. „Es war fast jeder Kollege dafür, in einen Liberalisierungsprozess einzutreten“, bestätigte der BDZV-Präsident. Dabei gehe es jedoch nicht um den Verkauf der Titel, sondern eben um die erleichterte Kooperation mit beispielsweise dem direkten Nachbarn, die nach dem derzeit geltenden Kartellrecht fast immer ausgeschlossen ist. „95 Prozent meiner Kollegen wollen nicht verkaufen, sondern selbst ihr Haus erfolgreich führen“, sagte Heinen.

 

Als einen Sonderfall bezeichnete der BDZV-Präsident den geplanten Verkauf der „Frankfurter Rundschau“ an die SPD-Medienholding DDVG. „Es ist uns allen sicher unwohl dabei, wenn eine politische Partei die Mehrheitsbeteiligung einer Zeitung übernimmt“, so Heinen. Er halte dies unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten für alles andere als begrüßenswert, gleichwohl hätten sich unter den geltenden Bedingungen Verlage schwer getan, bei der „FR“ einzusteigen. Obendrein stelle sich ganz grundsätzlich die Frage, wieso man es einer Partei verbieten solle, eine Zeitung zu betreiben. „Wenn es zu parteipolitisch geprägt wird, ist die Zeitung kein erfolgversprechendes Modell am Markt“, zeigte sich der BDZV-Präsident überzeugt. Dabei könnten sich die überregionalen Zeitungen noch am ehesten dafür entscheiden, politisch einer Richtung zuzuneigen und den Lesern die Wahl desjenigen Titels zu überlassen, der ihren Wünschen entspricht.

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