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27. September 2007 | Digitales

Zeitungen machen mobil gegen Suchmaschinen

ACAP-Software regelt Verwendung von Zeitungsinhalten

Die Zeitungsverlage rüsten technologisch gegen den Zugriff von Suchmaschinen auf ihre Webseiten auf. So bereitet der Weltverband der Zeitungen (WAN) den Start eines Systems vor, das Suchsoftware von Anbietern wie Google, Yahoo oder Microsoft automatisch Anweisungen zur Verwendung der Inhalte gibt (siehe „Informationen Multimedia“, Nr. 3/2006).

acap maxInhalteanbieter wie Zeitungsverlage oder Nachrichtenagenturen werfen Suchmaschinenanbietern seit geraumer Zeit vor, auf Nachrichtenseiten wie Google News widerrechtlich von fremden Inhalten zu profitieren. Erst im September 2006 hatten sich in Belgien 15 Zeitungen mit einer Urheberrechtsklage durchgesetzt, dass ihre Texteinstiege und Überschriften nicht mehr bei Google erscheinen dürfen. Google News stellt durch einen Computer-Algorithmus gesteuert eine Online-Nachrichten-Übersicht zusammen und präsentiert von den im Web gefundenen Artikeln die Überschriften und gelegentlich auch die Lead-Sätze. Anwender, die den gesamten Artikel lesen wollen, werden über einen Link zur Quelle im Web geführt. Google verzichtet bisher darauf, Anzeigen auf seinem News-Portal zu platzieren.

Das unter dem Namen ACAP (Automated Content Access Protocol) entwickelte System soll automatisch übermitteln, unter welchen Bedingungen die Inhalte genutzt werden dürfen – und zwar so, dass dies auch die Crawler der Suchmaschinenbetreiber verstehen. Mit technischen Mitteln soll verhindert werden, dass Crawler aktuelle Infos von Zeitungswebsites unautorisiert abschöpfen. Die Verlage wollen die Bedingungen selbst bestimmen können, unter denen Inhalte weitergegeben werden. Das geplante System könnte zum Beispiel Suchrobotern, die im Auftrag von Microsoft, Google oder Yahoo das Internet durchstöbern, mitteilen, dass sie zwar alle die Website eines bestimmten Zeitungsverlags indexieren dürfen, dass jedoch nur Yahoo die Nachrichten verwenden darf, da der Webkonzern im Vorfeld mit dem betroffenen Anbieter eine entsprechende Abmachung getroffen hat.

Die Initiative wurde auf der Frankfurter Buchmesse 2006 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und wird durch den Europäischen Zeitungsverlegerverband (ENPA), der europäischen Verlegerinitiative (EPC) und der internationalen Verlegerunion (IPA) unterstützt. Verleger erhoffen sich von der Einführung der Software, dass sie Klarheit über Urheberrechtsfragen schafft und womöglich den Verlagen eine zusätzliche Einnahmequelle beschert. Ende 2007 endet das einjährige Pilotprojekt, das die Praxistauglichkeit der Software prüft. Von deutscher Seite nimmt die Verlagsgruppe Holtzbrinck an der Testphase teil. Zum Abschluss der Pilotphase findet am 29. November in London eine Pressekonferenz statt.

„Wir begrüßen jede Initiative, die Suchmaschinen in die Lage versetzt, enger mit Inhalteanbietern zusammenzuarbeiten“, reagierte ein Google-Sprecher nach Bekanntwerden der ACAP-Pläne. Google argumentiert zudem, dass der Konzern Verlagen durch die Verlinkung der Nachrichten Tausende Leser zuführt. Große Nachrichten-Sites von Tageszeitungen beziehen zum Teil rund ein Drittel ihres Traffics durch Google-News-Verlinkungen.

Wohl wegen der anhaltenden Kritik hat Google Anfang September Verträge mit vier Nachrichtenagenturen vereinbart. Auf seiner Nachrichten-Seite Google News erscheinen seit Anfang September Original-Artikel von Nachrichtenagenturen. Dazu habe man Inhalte der Agenturen Associated Press (AP), Agence France-Presse (AFP), Canadian Press (CP) und der britischen Press Association (PA) lizensiert. Auch weiterhin müssen Nutzer von Google News auf Schlagzeilen klicken, um die vollständigen Meldungen zu lesen. Im Fall der vier Nachrichtenagenturen werden sie aber nun weitergeleitet auf Seiten, die von Google verwaltet werden. Da Google die Agenturmeldungen eingekauft hat, könne dort bald auch Werbung platziert werden, kündigte der Konzern an. Auf der Übersichtsseite von Google News wagt der Konzern dies nicht aus Angst vor Klagen von Medienunternehmen. Im Zuge der Umstellung werden Mehrfachverwendungen von Agenturmeldungen ausgefiltert. Die Konsequenz: Der Nutzer wird auf Google News keine Doppelungen von gleichen oder leicht veränderten Agenturmeldungen mehr finden. Zeitungswebsites werden dagegen weniger als bisher von der Traffic-Zuführung profitieren können.

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