Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

08. März 2007 | Allgemeines

Zeitungen entdecken Kinder als Zielgruppe

Ideen, Projekte, Produkte beim BDZV-Fachtag „Kinder und Zeitung“

Kinder können heute über mehr Medien verfügen als jede Generation vor ihnen. Wer sie für das Zeitunglesen gewinnen will, sollte früh anfangen – und das funktioniert auch schon im Kindergarten. Obendrein lassen sich hier und in der Grundschule die Eltern einbinden, denn noch ist das Interesse an dem, was die Kinder erlernen, groß. Wer Lehrer vorab informiert, was am nächsten Tag für Kinder in der Zeitung steht, hat gute Aussichten, dass das im Unterricht vorkommt – denn was könnte aktueller sein als die Tageszeitung? Und schließlich: Jedes Thema ist für Kinder geeignet, es gibt keine Tabus, solange gut und kindgerecht erklärt wird; Vorsicht ist jedoch bei Bildern geboten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERADas sind nur einige Ergebnisse des zweiten Fachtags „Kinder und Zeitung“, den der BDZV am 28. Februar 2007 gemeinsam mit der ZV Zei­tungs Verlag Service GmbH in Berlin veranstaltet hat. Kinder hätten für Zeitungen „ganz neue Rele­vanz gewonnen“, erklärte in seiner Begrüßung BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Die lang gehegte Überzeugung, dass Jugendliche erst ab 14 Jahren an die Zeitung herangeführt werden könnten, greife zu kurz. Wichtig sei aber auch die nachhaltige Konfrontation mit der Zei­tung. Vor rund 120 Verlegern, Chefredakteuren, Journalisten und Medienmanagern aus Deutsch­land und Österreich wies Wolff in diesem Zu­sammenhang auf das Medienprojekt „SCHmitZ“ (Schule mit Zeitung) hin, das der BDZV im Herbst 2006 gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz angestoßen hat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Jahr 2006 konnten bereits 57 Prozent der sechs bis sieben Jahre alten Kinder zumindest gelegentlich einen Computer nutzen, bei den Zehn- bis Elfjährigen waren es sogar 93 Prozent. Und 31 Prozent der Sechs- bis Sieben-Jährigen und 84 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen hatten auch bereits Interneterfahrung. Rund ein Drittel der Elf-Jährigen verfügte sogar über eine eigene E-Mail-Adresse. Die elektronische Aufrüstung im Kinderzimmer ist weit vorangeschritten, erläuterte Professor Hans-Jürgen Hippler, Geschäftsführer von BIK Marplan Intermedia und BIK Marplan Field Facilities (Offenbach). Gleichwohl seien die non-medialen Freizeitaktivitäten – wie Freunde treffen (96 Prozent), Hausaufgaben machen (95 Prozent) und draußen spielen (91 Prozent) – wichtiger als die Beschäftigung mit Medien in der Freizeit (Fernsehen 97 Prozent, Musik hören 73 Prozent, Computer 68 Prozent). Auch sei die Beschäftigung mit Büchern weiterhin beliebt, so gäben 86 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren an, zumindest gelegentlich zu lesen. Das erlernte „Surfverhalten“ aus dem Internet wird nach Hipplers Ansicht auch die nicht elektro­nisch gestützten Lesegewohnheiten der Kinder verändern. Eine Anpassung der Printmedien be­züglich Inhalt und Aufmachung sei deshalb not­wendig.

 

 

 

70 Prozent haben redaktionelle Angebote im Blatt

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAktuell haben 70 Prozent der deutschen Ta­geszeitungen – zum Teil täglich – redaktionelle Angebote für Kinder bis zwölf Jahre im Blatt. Das hat eine Umfrage des BDZV unter Chefredakteu­ren ergeben, die Kerstin Goldbeck, Medienrefe­rentin beim BDZV, beim Fachtag vorstellte. Ver­öffentlicht werden vor allem Kinderseiten (57 Pro­zent der Tageszeitungen), außerdem gibt es täg­liche Kindernachrichten in Extra-Spalten (zehn Prozent), Kinder-Beilagen (acht Prozent) und Online-Angebote (sechs Prozent). Ferner veran­staltet gut ein Drittel der befragten Zeitungen (34 Prozent) Projekte in Grundschulen und Kinder­gärten. Für Jugendliche ab 14 Jahre haben sogar 86 Prozent der Zeitungen redaktionelle Angebote; mit Leseförderungsmaßnahmen an weiterführen­den Schulen werden 66 Prozent aktiv. Gerade im Internet gibt es, meinte Goldbeck, für Verlage noch viel Potenzial, um Kinder und Jugendliche als Nutzer zu erreichen.

 

 

 

Zeitung im Kindergarten

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERASeit dem ersten Fachtag „Kinder und Zeitung“ des BDZV 2006 hat das Projekt „Zeitung im Kin­dergarten“ bundesweit großes Interesse erregt und Nachahmer gefunden. Petra Haß, Leiterin Spezialverkauf bei der „Frankfurter Rundschau“, und Anke Pidun, Projektleiterin beim mct media consulting team (Dortmund), präsentierten mit „FRIKI“ eine spezifische Lösung für die überregi­onale „Frankfurter Rundschau“. Hier erhielten 500 Kin­der in 30 Kindertagesstätten drei Wochen lang unentgeltlich „ihre“ Zeitung in den Kindergarten. Täglich wurde ein Zeitungslied gesungen, Buch­staben wurden gesucht und über das Wetter ge­fachsimpelt. Bilder waren Anlass zum Geschich­ten erzählen. „Selbst Eltern waren manchmal erstaunt, wie interessiert ihre Kinder schon die Zeitung verfolgt haben, erinnerte sich Anke Pi­dun. In der Projektzeit berichtete die „FR“ nicht nur regelmäßig über die – von den Erzieherinnen sehr positiv aufgenommen – Aktivitäten im Kin­dergarten, sondern bot den Eltern der Kindergar­tenkinder, ein Vier-Wochen-Kurzabo an. Immer­hin 212 Haushalte mit Kindergartenkind nahmen das Angebot wahr; 19 „haltbare Abonnements“ blieben nach Angaben von Petra Haß bis heute erhalten. Wermutstropfen aus Sicht der Kinder­gärtnerinnen: Viele hätten auch nach Beendigung des Projekts gerne mit der Zeitung weiterge­macht, da die Beschäftigung mit den Inhalten den Tagesbeginn für Kinder wie Erzieher so gut strukturiert habe.

 

 

 

dpa-Kindernachrichten

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAZur Generalprobe wurde der von BDZV-Presse­referentin Anja Pasquay moderierte Fachtag für die Deutsche Presse-Agentur, denn Petra Ka­minsky, Leiterin dpa-Nachrichten für Kinder, stellte hier erstmals einem großen Publikum das neue Nach­richtenangebot für junge Leser und Nutzer vor. Ab dem 1. April wird sie gemeinsam mit drei Kol­legen täglich 25 Nachrichten für Kin­der anbieten, davon etwa 25 Prozent mit aktuel­lem Bezug, die übrigen Artikel sollen entweder das generelle Interesse von Kindern ansprechen oder Kinder zum Thema haben. Daneben gibt es Podcasts für den Internetauftritt der Kunden so­wie einmal pro Woche eine aufwendig animierte Grafik zum Klicken und Lernen.

Seit fast einem Jahr schon bringt der „Hellwe­ger Anzeiger“ in Unna seine „Kinder-Zeitung“ heraus, eine tägliche Seite mit Nachrichten für Acht- bis Zwölfjährige. Artikel werden aus der eigenen Redaktion, aber auch von der Logo-Kin­dernachrichten-Redaktion des ZDF zugeliefert. Die Farben spiegeln das Farbleitsystem des Mutterblatts wider (gelb für Lokales, grün für Sport). OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAObendrein ist es Volker Stennei, dem Verlagsleiter und Chefredakteur des „Hellweger Anzeigers“ gelungen, dafür zu sorgen, dass alle Grundschulen im Verbreitungsgebiet täglich die „Kinder-Zeitung“ am schwarzen Brett aushängen. So kann sich jedes Kind über die Nachrichten informieren. Lehrer erhalten auf Wunsch bereits am Abend vorher eine Mail mit den Themen des Folgetages. Zahlreiche Eltern, berichtete Stennei, hätten in der Vertriebsabteilung angegeben nun den „HA“ abonnieren zu wollen, weil der die „Kin­der-Zeitung“ enthalte. Eine Befragung der Hoch­schule Offenburg unter 63 Viertklässlern einer Grundschule in Unna ergab, dass 87 Prozent der Kinder die Kinderseite zumindest manchmal le­sen, nur 13 Prozent lasen sie nicht. Gefragt, ob und was die Kinder sonst noch in der Zeitung anschauen, war „Sport“ mit 39 Nennungen der große Favorit, aber auch Weltgeschehen (26) und „Aktuelles“ (14) wurden häufig genannt.

 

 

 

Braunschweig: Kinderpressekonferenz

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch die „Braunschweiger Zeitung“ bringt täg­lich Kindernachrichten – als Streifen auf der letz­ten Seite des Lokalteils. Samstags im Wochen­endmagazin gibt es eine ganze Kinderseite. Im­mer wieder werden die Inhalte auch selbst gene­riert, wie Projektredakteurin Denise von der Ahé berichtete. So veranstaltete die „Braunschweiger Zeitung“ beispielsweise eine Pressekonferenz für 30 Kinder zwischen sechs und elf Jahren und dem Oberbürgermeister der Stadt, der sich – ausweislich eines beim Fachtag gezeigten Films – von der Fragelust sichtlich überrumpelt fühlte. Eine Spezialität der „Braunschweiger Zeitung“ sind Panoramaseiten, auf denen beispielsweise 40 Kinder in Wort und Bild erzählen, was sie sich vom Jahr 2007 erhoffen, oder Enkel berichten, was sie an Oma und Opa schätzen. Die Zeitung hat ein eigenes Schulprojekt mit dem Titel „Schulz“ gestartet. Pädagogisch unterstützt wird es vom niedersächsischen Landesamt für Leh­rerbildung und Schulentwicklung; Schirmherr ist der niedersächsische Kultusminister. Ein biss­chen anstrengen müssen sich die teilnehmenden Kinder dafür auch: Klassen, die sich einen Re­dakteur der Zeitung zu Besuch wünschen, müs­sen sich mit einem Klassenfoto bewerben. Das Interesse ist groß, gut 8.000 Kinder im Verbrei­tungsgebiet werden im Frühjahr 2007 teilnehmen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAEtwas Besseres, als Zeitung in der Schule zu lesen, könnte ihnen auch gar nicht passieren, wenn man Pirjo-Riitta Puro zuhört, Leiterin des Zeitung-in-der-Schule-Programms beim Finni­schen Verlegerverband. Eine PISA-Folgestudie hat nämlich gezeigt, dass Kinder und Jugendli­che, die mehrmals pro Woche Zeitung lesen, in Sachen Lesefähigkeit, mathematischen und na­turwissenschaftlichen Kenntnissen und bei der Problemlösung ihren Altersgenossen, die nie oder fast nie Zeitung lesen, weit voraus sind. Fast ein Jahr beträgt der Unterschied in den Kenntnissen, bestätigte Puro („BDZV Intern“ be­richtete). Be­merkenswert ist auch ein Angebot des finnischen Verlegerverbands für Kinder im Internet: Sie kön­nen hier in einem virtuellen Ver­lag ein Diplom als Junior-Journalist erwerben. Dabei müssen die Kinder zunächst alle Stationen eines Verlags von der Anzeigenabteilung bis zur Redaktion besu­chen, sich über die Funktionen informieren und kleine Aufgaben lösen. Am Ende dürfen sie ihre eigene Zeitung im DIN-A4-Format gestalten. Op­tisch hat der Verlag die Anmutung eines Puppen­hauses, Bewohner und Mitarbeiter allerdings werden als kleine bunte Hunde mit sehr mensch­lichen Verhaltensweisen dargestellt.

 

 

 

Blogs sind Kindern – noch – fremd

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAnja Wischer, Redakteurin des „Südkuriers“ in Konstanz, berichtete unter anderem über den zur Kinder- und Jugendseite „Voll Krass!“ eingerich­teten Blog „Kalles Kuh“. Nach ihren Erfahrungen sind Kinder, zumindest bis heute nicht die gebo­renen Blogger. Sie antworten zwar, wenn in der Zeitung oder im Internet ausdrücklich Fragen gestellt und die Meinung der Kinder eingefordert werden. Die Antworten treffen allerdings auf allen denkbaren Wegen ein, ganz konventionell als Postkarte, als Fax oder E-Mail – jedoch nicht notwendigerweise im Blog selbst.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAEinen Blick über den Tellerrand erlaubten Claudia König-Suckel, Redakteurin der Kinder­sendung „kakadu“ beim Deutschlandradio Kultur, und Kirsten Bertrand, Chefredakteurin von „GEO­lino“, dem kleinen Bruder des Magazins „GEO“. König-Suckel berichtete, dass man bei Kindern heute nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, darauf vertrauen könne, dass sie einen Kanon bestimmter Kinderbücher gelesen oder parat hätten oder sich bei Sprichwörtern und Redewen­dungen auskennten.bergsteiger Bertrand hob in einer Foto­sequenz die Kreativität bei Kindern hervor: „GEO­lino“ hatte seine jungen Leser aufgefordert, sich mit ihrem Traumberuf im Foto darzustellen. Ein­zige Bedingung: Es musste im Liegen gesche­hen. Die weit über 400 daraufhin eingetroffenen Bilder seien so bemerkenswert gewesen, dass sie auch Eingang in das Mutterheft „GEO“ fan­den.

zurück