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24. Juni 2002 | Digitales

"Zeitungen analysieren - Websites berichten“ / Print-Online-Synergien durch Crosspromotion

Mario Garcia sieht wechselseitige Beeinflussung – Kaum Chancen für Bezahlinhalte – Trend zu Minimalismus im Design

Der weltbekannte Zeitungsdesigner Mario Garcia charakterisiert die Zeitung als einen angesehenen, zuverlässigen, lokal verwurzelten und ehrwürdigen älteren Herrn, das WWW als eine schicke, schnelle, weltgewandte und ehrgeizige junge Frau, die sich gegenseitig attraktiv finden. Sie haben Gemeinsamkeiten - beide verbreiten Informationen, stützen sich stark auf Text und gewinnen ein loyales Publikum – sind jedoch komplett unterschiedliche Medien, was nach Auffassung Garcias zumindest die Verlage zunächst schmerzlich lernen mussten. Die Erkenntnis der Unterschiede ermöglicht aus Sicht des Zeitungsdesigners jedoch die Vision einer „Konvergenz und organischen Koexistenz, bei der Print- und Online-Entwicklung nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden: Teilen Sie Ihre Stärken, um eine komplette zufrieden stellende Story zu erzählen.“

Wie unterschiedlich die Medien Print und Online sind, versuchte Garcia anhand von Beispielen zu erläutern: "Websites sind einem Buch viel ähnlicher als einer Zeitung: Ein Buch ist selektiv - wir entscheiden uns, es zu kaufen. Ein Buch ist in erster Linie zum Lesen da - Bilder will man getrennt vom Text betrachten. Und Bücher erfordern mehr Konzentration beim Lesen." Dies schlage sich bei den Inhalten nieder: "Zeitungen analysieren - Websites berichten." Garcia legt großen Wert auf eine "Renaissance der guten Schreibe".

Online-gerechte Erzählformen: Champagnerglas als Metapher

Speziell im Web müssten andere Erzählformen gefunden werden, um die Leser bei der Stange zu halten. Statt der in der Zeitung üblichen Schreibform der "umgekehrten Pyramide", die zunächst die fünf "W-Fragen" (wer, was, wann, wo, warum) beantwortet, plädiert Garcia für ein "Champagnerglas" als Denkmodell: "Das Glas ist eine Metapher für eine Geschichte. Wenn es leer ist, füllt man nach. Die Bläschen, die sich bilden, sind Schreibelemente. Wenn ein Bläschen platzt, wird Information frei gesetzt - der Leser bleibt interessiert." Wichtig sind für Garcia auch interaktive Elemente und ein besserer Einsatz von Grafik. Der heutige Leser sei ungeduldig und erwarte schnelle Orientierung.

Designtrend: "Weniger ist mehr" - in allen Medien

"Wir nähern uns einer Phase des Minimalismus. Weniger ist mehr - in allen Medien." Garcia erläuterte diese These anhand von eigenen Re-Design-Projekten bei Zeitungen und ihren Websites. Die Navigation sei enorm wichtig und habe in Zeiten wachsenden Internetkonsums noch an Bedeutung gewonnen. Gedruckte Zeitungen kämen diesem Bedürfnis durch stärkere Gliederung und Indexierung nach (zum Beispiel "Südkurier" und "Die Zeit": Schlüsselbegriffe in rot). Bei Online-Diensten sei die Orientierung wesentlich wichtiger als aufwändige Gestaltung. Beispiel: Das Wallstreet-Journal online komme bei seinem Nachrichtenüberblick "What's News" auf der Homepage komplett ohne Fotos aus. Garcia: "Die Leute klicken auf Text." Konsequenz: "Wir brauchen bessere Überschriftentexter."

Im Anzeigenbereich kündigen sich für Garcia in den nächsten Jahren sowohl für die gedruckte Zeitung als auch für die Internetauftritte starke Umwälzungen an: mehr gesponserte Sections, vor allem auch neue Anzeigenformate. Wenig Chancen sieht er dagegen für Bezahlinhalte bei Tageszeitungen: "Das ‚Wallstreet Journal' ist nur erfolgreich, weil es Informationen hat, die die Leute brauchen. Und dort gibt es täglich mindestens zwei sehr gut geschriebene Exklusivgeschichten."

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