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28. Juni 2002 | Allgemeines

Zeitung und Internet müssen noch stärker verknüpft werden

Realitätsprinzip beherrscht „Zeitung Online 2002“-Kongress in Berlin – moderate Chancen für mobiles Internet und Bezahl-Inhalte

Das Internet wird nicht mehr verschwinden, und die gedruckte Zeitung in absehbarer Zeit auch nicht. Beide Medien können sich ideal ergänzen, auch wenn die Erlösaussichten in absehbarer Zeit überschaubar bleiben und Online-Engagements nur durch die Erschließung mehrerer Erlösquellen erfolgreich sein können.

Rund 150 Teilnehmer – deutlich mehr als noch vor einem Jahr – diskutierten beim Kongress „Zeitung Online 2002“ von IFRA und BDZV am 4./5. Juni über die Chancen bezahlter Inhalte, neue Entwicklungen auf Online Anzeigenmärkten, neue Vertriebswege für die gedruckte Zeitung und die Chancen mobiler Inhalte. BDZV-Vizepräsident Dr. Richard Rebmann, Verleger des „Schwarzwälder Boten“, brachte zum Abschluss des Kongresses die wichtigsten Optionen auf den Punkt: Die enge Verzahnung von Zeitung und Onlineauftritt sei notwendig. Konvergenz bedeute, dass Inhalte für jedes Medium gesondert aufbereitet werden müssten. Im Anzeigenbereich gelte es, verstärkt Kombinationsangebote zu schaffen.

 

„Das Internet ist wie ein dreieinhalbjähriges Kind. Es rennt herum, ist voller Energie, kann nicht sagen, was es will, und vermittelt einem nur das Gefühl, dass es ganz bestimmt irgendwann einmal etwas wundervolles sein wird.“ Für den weltbekannten Zeitungsdesigner Mario Garcia, der mittlerweile Verlage auch bei der Gestaltung ihrer Internet-Auftritte berät, stehen Print-Online-Synergien außer Frage. In seinem Einführungsvortrag vermittelte er einen Eindruck von der „Ehe zwischen einem älteren Herrn (Zeitung) und einer jungen attraktiven Frau (dem WWW)“, die sich trotz aller Anfangsschwierigkeiten zu einer dauerhaften und tragfähigen Verbindung entwickeln werde. Ausschlaggebend sei, die sehr unterschiedlichen Stärken des jeweiligen Mediums zu nutzen, etwa bei aktuellen Geschehnissen: „Zeitungen analysieren. Websites berichten unmittelbar.“

 

Für Garcia steckt die Verschränkung und gegenseitige Bewerbung von Zeitungen und Websites noch in den Kinderschuhen – hier hätten die Zeitungen noch großes Potenzial. Zu ähnlichen Schlüssen kam Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach, der erste vorläufige Ergebnisse einer Repräsentativbefragung zur Nutzung von Zeitungsangeboten im Internet vorstellte. Im Durchschnitt erhielten die Online-Zeitungen gute, aber nicht sehr gute Noten von den Nutzern. Die Bewerbung der Angebote in der Zeitung sei vielversprechend, weil die meisten Nutzer aus ihrer Zeitung von dem jeweiligen Online-Angebot erführen.

 

Playboy Cyberclub: monatlich 1.000 zahlende Neukunden

 

Die Zahlungsbereitschaft der User für Zeitungsinhalte schätzte Schulz als eher gering ein und traf sich mit dieser Auffassung mit der Mehrheit der Teilnehmer auf dem Podium zum Thema „Cash for Content“, das von Michael Geffken („Wirtschaftswoche“) moderiert wurde. „Es hat noch keinen Monat gegeben, in dem wir unter 1.000 Neukunden für den Playboy Cyberclub gewinnen konnten“, berichtete Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow-Focus AG, nicht ohne Stolz. 7.000 Abonnenten konnten seit dem Start gewonnen werden. Je nach Laufzeit kostet der Zutritt zu dem Premiumbereich zwischen 3 und 5,5 Euro im Monat. Tomorrow-Focus will in 2 bis 3 Jahren 50.000 bis 80.000 Abonnenten der Playboy-Website gewinnen.

 

Für Bezahlinhalte inklusive Verkauf von mobilen Inhalten und Conten-Syndication hielt Schuh ebenso wie seine Kollegen von der Verlagsgruppe Handelsblatt, bild.t-online.de und „Neue Zürcher Zeitung“ einen Anteil von rund 20 Prozent für realistisch. Hans-Dieter Baumgart, Geschäftsführer der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf, wies darauf hin, dass die Interneterlöse der Verlage trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage gestiegen seien. Gerade bei Bezahlinhalten seien die Möglichkeiten noch nicht ausgetestet.

 

„Personal Shopper“: Neues Leben für Zeitungsanzeigen

 

Ein weiteres Online-Geschäftsfeld für Zeitungsverlage sind Anzeigenmärkte. Ein eigenes Bild konnten sich die Teilnehmer von „Personal Shopper“ machen, einem im November 2001 von Sfgate.com in San Francisco gestarteten Angebot, das Einzelhandelsanzeigen aus der Zeitung und aus Beilagen onlinegerecht suchbar macht. User können bis hin zur Modellnummer nach gewünschten Artikeln suchen, ihren Einkaufsradius festlegen und sich benachrichtigen lassen, wenn es Sonderangebote zu bestimmten Artikeln gibt. Paul Wolfe vom der Firma „Adexpedia“, die die Software entwickelt hat und „Personal Shopper“ für Sfgate betreibt, erläuterte Vorgehen und Geschäftsmodell.

 

Den neuesten Entwicklungen in den klassischen Rubrikenmärkten war eine eigene Diskussionsrunde gewidmet. Betont wurden hier der Wert der regionalen Märkte, die Notwendigkeit von Crossmedia-Angeboten und die Anreicherung von Print-Anzeigen um internetspezifische Elemente.

 

Der „Bildschirmzeitung“, also dem Vertrieb einer in Gestaltung und Inhalt der „gedruckten“ Zeitung so ähnlich wie möglichen Version, wurde in Berlin besondere Aufmerksamkeit zuteil. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz, die von Februar bis Mitte Mai 1.600 zahlende Abonnenten für ihr „e-paper“ gewinnen konnte. Philipp Walz, Herstellungsleiter beim Standard Verlag in Wien, der derzeit mit einem ähnlichen Produkt experimentiert, betont: „Fest steht, dass wir es hier mit einem Nischenprodukt zu tun haben. Sollten wir es in den nächsten Jahren schaffen, 2.500 bis 3.000 Abonnenten diesen Service verkaufen zu können, wären unsere Erwartungen erfüllt.“

 

Mobiles Internet: „Moderate Chancen im gesättigten Markt“

 

„Ein profitables Geschäft in bescheidenem Rahmen“ sagte der Unternehmensberater Peter Kirchner den Zeitungen für ein mögliches Engagement bei mobilen Internetdiensten voraus. Horst Niederheide von MDI Media Dynamics Ingenieur GmbH, stellte das noch bis Herbst vom Wirtschaftministerium geförderte „DOM“-Projekt vor. Hier sei eine Infrastruktur geschaffen worden, mit der Zeitungsverlage im Verbund oder alleine carrier-unabhängig „Location Based Services“ anbieten könnten. Susett Heise, Teamleiterin Content / i-mode, erläuterte die Geschäftspolitik bei E-Plus: Content-Partner bei E-Plus erhalten derzeit 86 Prozent der Umsätze, die durch den Verkauf ihrer Inhalte an i-mode-Kunden erzielte werden. Inhalte dürfen bis zu 2 Euro pro Monat kosten. Derzeit hat i-mode 27.000 Kunden in Deutschland.

 

Ein umfassende Darstellung zum Kongress „Zeitung online 2002“ erhalten die Mitgliedsverlage als nächste Ausgabe der „Informationen Multimedia“.

 

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