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22. Juli 1998 | Allgemeines

"Wurfprämie" ist menschenverachtend

Presserat spricht eine öffentliche Rüge und zwei Mißbilligungen aus

Der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserats hat anläßlich seiner Sitzung am 14. Juli 1998 in Bonn eine öffentliche Rüge gegen eine Regionalzeitung ausgesprochen.

Die Zeitung hatte sich in einem Kommentar unter der Überschrift "Tabu-Zaun um Ausländer und teure Kinderpläne" unter anderem mit dem Vorschlag des Bonner Instituts für Sozialökonomie beschäftigt, wonach der Staat für die geleistete Erziehungsarbeit pro Kind eine Summe von 2.000 Mark an die Eltern zahlen solle. Dieser Vorschlag wurde von der Zeitung mit dem Satz "vor allem die türkischen Großfamilien würden sich über diese Wurfprämie der Extraklasse freuen" kommentiert. Nach Ansicht des Beschwerdeausschusses stellt "die Gleichsetzung des Gebärens von Kindern mit dem Werfen von Tieren einen eklatanten Verstoß gegen die Menschenwürde" dar (Ziffer 1 Pressekodex). Weiterhin erkannte das Gremium in dem Hinweis auf türkische Großfamilien eine pauschale Diskriminierung aller türkischen Familien und damit einen Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex'.

Mißbilligt wurde ferner die Veröffentlichung einer - von einem regionalen Unternehmen - geschalteten ganzseitigen Anzeige, die wie eine redaktionelle Seite gestaltet war. Mit ihrer Vorgehensweise habe die Zeitung gegen den in Ziffer 7 des Pressekodex' definierten Trennungsgrundsatz verstoßen. Ebenfalls mißbilligt wurde ein Beitrag über den Sohn einer Terroristin, der sich um ein politisches Mandat beworben hatte. Kritisiert wurde der in der Überschrift plakativ verwendete Begriff "Terroristen-Sohn". In dieser Formulierung erkannte das Selbstkontrollorgan der gedruckten Presse "einen Verstoß gegen die Menschenwürde" (Ziffer 1 Pressekodex). Wie der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, Peter J. Velte, weiter mitteilte, seien insgesamt 28 Beschwerden behandelt worden. Zusätzlich zu der öffentlichen Rüge und den beiden Mißbilligungen ergingen vier Hinweise.

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