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01. Februar 2010 | Allgemeines

„Wir sind das lokale YouTube“

BDZV/ZV-Fachtag diskutiert über Chancen und Grenzen von Web-TV

"Niemand möchte wacklige mit einer Handykamera aufgenommene Bewegtbilder von einer Pressekonferenz des Landrats auf der Website einer Qualitätszeitung sehen. Aber auch niemand erwartet, dass die deutschen Regionalzeitungen mit ihrem Web-TV-Angebot ARD, ZDF und RTL Konkurrenz machen“, so die Einschätzung von Crossmediaspezialist Christian Jakubetz beim BDZV/ZV-Fachtag „Bewegtbild – Zeitungen gehen auf Sendung!“ am 28. Januar 2010 in Berlin.

BewegtbildEine Meinung, der sich auch die 50 Teilnehmer des Kongresses anschlossen. Doch noch ein Ergebnis wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich: Bewegtbildangebote werden für die Zeitungen immer wichtiger. „Mittlerweile bieten 498 Zeitungstitel in Deutschland Web-TV an, und immer mehr davon ist selbst produziert“, erklärte BDZV Multimediareferent Holger Kansky.

Gefragt nach den Intentionen, ein solch oftmals kostspieliges Feature einzubauen, nannten die befragten Zeitungen unterschiedliche Motive: Reichweitenvergrößerung, Ausdehnung der Zeitungsmarke zu einer Multimediamarke oder Vorbereitungen für den Einstieg in das lokale/regionale Fernsehprogramm via Kabel, so wie die Macher von OS1.tv. „Noch ist in Niedersachsen kein privates lokales Fernsehen erlaubt. Doch schon 2011 könnte sich die Gesetzeslage dazu ändern“, erläuterte Paul Wehberg, Geschäftsführer von OS1.tv. Dann wolle man bereits mit gut eineinhalb Jahren Vorlaufzeit und Erfahrung in den Markt starten. Dazu haben Anfang 2009 die „Neue Osnabrücker Zeitung“, die Stadtwerke Osnabrück und das Telekommunikationsunternehmen osnatel den Web-TV-Sender OS1.tv gegründet. Gezeigt werden Nachrichten aus der Region, selbst produzierte Magazinformate und Sportberichte. Darüber hinaus verfügt der Sender über ein eigenes Jugendformat: „stayblue TV“, das zusammen mit dem sozialen Netzwerk „os-community“ umgesetzt wird. Wie Claudia Puzik, Programmleiterin von OS1.tv, ausführte, generiere der Sender durch derartige Verknüpfungen zwischen 30 und 70 Prozent seiner Reichweite.

 

Tausenderkontaktpreis bei Web-TV dreimal so hoch im klassischen Fernsehen

jakubetzAuf ein umfangreiches Video on Demand-Angebot setzt auch der Badische Verlag („Badische Zeitung“, Freiburg) mit seinem Tochterunternehmen fudder.de. Das Besondere an dem 2007 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichneten Web 2.0-Portal ist jedoch sein Live-Streaming-Angebot. „Angefangen hat alles mit einer großen Kissenschlacht von 1.500 Studenten in Freiburg, die wir live ins Netz übertragen haben“, erinnerte sich fudder.de-Chefredakteur Markus Hofmann. In der Folgezeit liefen dann Eishockeyspiele, ein durch Schüler geführtes Interview mit Franz Müntefering und Konzerte als Live-Stream. „Natürlich sind auch uns von Zeit zu Zeit die Leitungen zusammengebrochen, doch meist haben wir den Stream zum Laufen bekommen“, erläuterte Hofmann auf Rückfrage besorgter und interessierter Kollegen. Nicht nur deshalb zieht der studierte Volkswirtschaftler ein positives Zwischenfazit über fudder.de. Immerhin erreiche man mit einigen Streams und Video-Angeboten 10.000 Views (Betrachtungen) und dies bei maximal 500 bis 1.000 Euro, die rein für die Live-Streaming-Technologie zu Buche schlagen.

 

SaalDoch müssen auch 1.000 Euro erst einmal wieder erwirtschaftet werden. Von daher stand beim BDZV/ZV-Fachtag die Frage der Refinanzierbarkeit derartiger Angebote im Mittelpunkt. Georg Hesse, Geschäftsführer der Online Marketing Service GmbH (OMS), wusste dazu nicht nur ermutigende Aspekte anzuführen. „Das Positive zuerst, derzeit erzielen wir im Web-TV einen Tausenderkontaktpreis (TKP), der dreimal so hoch ist wie der im klassischen TV“, so Hesse. Doch könne dieser hohe TKP von 25 Euro und mehr nur dann in Rendite umgesetzt werden, wenn die Reichweite der Bewegtbild-Angebote weiter steige. „Ein Verlag der 100.000 Views auf seine Bewegtbild-Angebote generiert, verdient durch Werbung daran derzeit 936,50 Euro“, so Hesse. Von daher appellierte der Vermarktungsexperte an die Verlage, weiter alle Mittel und Wege auszunutzen, die Reichweite der Verlagswebsites auszubauen.

 

Fünf Millionen über 60-Jährige sind online

 

Teilnehmer IDass es für eine derartige Reichweitenexpansion noch immer viel Potenzial gibt, konnte Beate Frees, Leiterin Online-Forschung beim ZDF, bestätigen. Derzeit seien 67 Prozent (43,5 Millionen) der Deutschen regelmäßig im Internet unterwegs, doch nur zehn Prozent der Online-Zeit würde für das Ansehen von Videos genutzt. Wenn Bewegtbilder angeschaut werden, dann zumeist auf Videoportalen. Von daher rät die Expertin dazu, auch dort die eigenen Angebote einzustellen, so wie es bereits einige deutsche Zeitungsverlage machen (Vergleich BDZV-Analyse Social Media). Durch diese Kanäle könnten die Zeitungen zusätzliche Usergruppen erreichen und damit ihre Reichweiten weiter steigern. Darüber hinaus empfahl Frees, nicht nur an die „klassische Internetgeneration“ der unter 30-Jährigen zu denken. Von den 14- bis 19-Jährigen seien bereits 98 Prozent regelmäßige Internetnutzer und das Potenzial entsprechend fast ausgeschöpft. Bei den über 60-Jährigen bestehe hingegen noch sehr viel Potenzial, obwohl auch in dieser Altersschicht bereits fünf Millionen regelmäßig das Internet nutzen.

 

Volksfest.tv berichtet vom Bieranstich

 

PuzikNeue Usergruppen mit ihren Angeboten erreichen und dadurch die Reichweiten vergrößern, das wollen auch Uwe Ralf Heer (Chefredakteur „Heilbronner Stimme“) und Gunita Piterane von TVcelle.de. Heer hat mit seinem Team das Format „Volksfest.tv“ erfunden, das täglich auf stimme.tv vom Unterländer Volksfest in Heilbronn berichtete. Interviews mit Schaustellern, Diskussionsrunden im Festzelt oder der Bieranstich durch den Oberbürgermeister, Volksfest.tv fasste in Bewegtbildern den Tag auf dem Unterländer Volksfest zusammen und in der gedruckten Ausgabe der „Heilbronner Stimme“ wurden Hintergrundgeschichten und ausführliche Berichte abgedruckt. „Der Ansatz war eine vollständige crossmediale Verknüpfung, bei der sich die Printredaktion und das TV-Team regelmäßig die Bälle hin und her spielten“, so Heer. Selbsternanntes „lokales Youtube“ macht Gunita Piterane bei TVcelle.de. Die One-Woman-Firma ist der Lokalsender der 71.000 Einwohner zählenden Stadt Celle (Niedersachsen), auch wenn er nur über das Internet empfangen werden kann. „Ich will Medien für und von den Bürgern machen“, so Piterane. Um diesem Ansatz auch voll und ganz gerecht zu werden, beschäftigt die gebürtige Lettin eine Reihe von „Bürgermoderatoren“ und „Bürgerreportern“, die sie mit Beiträgen über Handballspiele, lokale Geschehnisse oder Neuigkeiten aus dem Raum Celle versorgen. „Bei mir kann jeder seine Beiträge hochladen. TVCelle ist ein offenes Portal“, so Piterane abschließend.

Ort: Berlin

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