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02. Januar 2009 | Allgemeines

Wir erwarten keine Subventionen von der Regierung - aber wir erwarten gute Rahmenbedingungen!

BDZV-Präsident Helmut Heinen im Gespräch mit ddp

Helmut Heinen steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze des BDZV, der Spitzenorganisation der Zeitungsverlage in der Bundesrepublik Deutschland. Der BDZV-Präsident und Herausgeber der «Kölnischen/Bonner Rundschau» wurde im Mai für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. ddp-Korrespondentin Nathalie Waehlisch sprach mit Heinen über das Jahr 2008 und die Schwierigkeiten für die Branche.

ddp: 2006 und 2007 waren wirtschaftlich positive Jahre für die Zeitungsverleger und Ende des vergangenen Jahres hatten Sie noch optimistisch auf 2008 geblickt - wie lautet Ihre Bilanz?

Heinen: Bei den Auflagen beobachten wir seit Jahren leichte Verluste zwischen einem und zwei Prozent auf hohem Niveau - 2008 machte da keine Ausnahme, weder zum Guten noch zum Schlechten. Derzeit verkaufen wir 25,6 Millionen Zeitungen pro Erscheinungstag und erzielen eine Reichweite von 72,3 Prozent, hinzu kommen 40 Prozent Reichweite der Zeitungen im Internet. Damit stehen wir im europäischen Vergleich nach wie vor sehr gut da.

Genaueres zu den Umsätzen lässt sich erst nach der jährlichen Umsatzerhebung im kommenden Frühjahr sagen. 2007 erwirtschafteten die deutschen Zeitungen knapp 9,2 Milliarden Euro. Nach allem, was wir wissen, werden wir zufrieden sein, wenn wir für das zu Ende gehende Jahr 2008 einen ähnlichen Betrag erzielen. Das liegt insbesondere am Anzeigenmarkt. Nach einem guten ersten Halbjahr gab es hier, wie bei allen Medien bedingt durch die Finanzkrise und die wirtschaftliche Entwicklung, seit Ende September 2008 erhebliche Umfangseinbrüche, besonders im Stellenmarkt und bei den Finanzanzeigen. Aber auch die übrigen Rubrikanzeigenmärkte sind betroffen.

 

ddp: Wie sieht Ihre Prognose angesichts der allgemein schlechten Wirtschaftserwartungen für 2009 aus?

Heinen: Was den Werbemarkt betrifft, rechnen die Verlage mit Einbußen von mindestens acht Prozent. Ob sich die schwierige wirtschaftliche Situation und die Belastung der Haushalte auch stärker als bisher auf den Verkauf der Zeitung auswirken werden, kann ich nicht prognostizieren. Allerdings sind es ja gerade die Zeitungen, die den Lesern die wirtschaftlichen Zusammenhänge erklären und auch immer wieder sehr detailliert Ratschläge zum Umgang mit Geld, Fonds oder Aktien geben. Insofern kann man aus meiner Sicht als Leser sein Geld kaum sinnvoller investieren als in ein Zeitungsabonnement. Eins jedenfalls steht fest: Wir leben in schwierigen Zeiten. Gleichwohl erwarten wir Zeitungen keine Subventionen vom Staat - wir erwarten aber gute Rahmenbedingungen!

 

ddp: Manche Verlage haben zum Teil harte Sparmaßnahmen angekündigt oder schon umgesetzt. Wie wird sich diese Entwicklung Ihrer Ansicht nach fortsetzen?

Heinen: Unser wichtigstes Verkaufsargument ist die Qualität der redaktionellen Inhalte. Diese Qualität ist die Frucht der Arbeit unserer Journalisten. Es ist also ganz sicher nicht Ziel der Unternehmen, Mitarbeiter zu kündigen. Gleichwohl wird sich jeder Verlag - auch ganz unabhängig von der aktuellen Situation - in regelmäßigen Abständen fragen, ob Einsatz der Mittel und Ergebnis in einem vernünftigen Verhältnis stehen, wo sich Synergien schaffen lassen, oder ob beispielsweise auch Kooperationen bei Druck und Vertrieb mit anderen Verlagen sinnvoll wären. Leider legt uns das Kartellrecht, insbesondere auch bei wünschenswerten Kooperationen am Anzeigenmarkt, manche Steine in den Weg. Unsere Pressefusionskontrolle stammt aus einer anderen Zeit.

 

ddp: 2008 waren vor allem die Onlineaktivitäten von ARD und ZDF und das novellierte Datenschutzgesetz die «Aufregerthemen» für die Verleger. Welche medienpolitischen Herausforderungen sehen Sie für 2009?

Heinen: Es geht nicht um Aufgeregtheiten, sondern um Rahmenbedingungen. Diese sind von elementarer Bedeutung. Die Auslegung des 12. undfunkänderungsstaatsvertrags mit Blick auf die Onlineaktivitäten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird uns sicher auch im neuen Jahr begleiten, insbesondere was den sogenannten Drei-Stufen-Test angeht. Hier plädieren wir für den verbindlichen Einsatz unabhängiger externer Experten bei der Bewertung aller marktrelevanten Aktivitäten von ARD und ZDF im Internet.

Auch die Durchsetzung des Quellenschutzes für Journalisten wird ein wichtiges Thema auf der Agenda bleiben, wenn ich sehe, wie wenig Rücksicht geänderte und neue Gesetze auf dieses Grundelement der Pressefreiheit nehmen - denken Sie an die Auseinandersetzungen um das sogenannte BKA-Gesetz. Konfliktfeld bleiben die Versuche der Werberegulierung auf deutscher und europäischer Ebene mit allen absehbaren Folgen für die ökonomische Basis der Verlage. Werbeverbote sind Gift für unser Geschäft, ganz abgesehen von dem damit einhergehenden Eingriff in die Kommunikationsfreiheit.

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