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22. November 1999 | Allgemeines

Werbung verführt nicht zum Alkohol

ZAW kritisiert unseriöse Methoden der Werbegegner

Nach dem Tabakwerbeverbot durch die Europäische Union (EU) baut sich jetzt national, kontinental und global "eine Kampagne gegen den werbenden Wettbewerb der Anbieter alkoholischer Getränke auf", warnt der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW).

So strebe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) laut Erklärungen ihrer Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland ein weltweites Totalverbot für Alkoholwerbung an. Das WHO-Generalkomitee Europa habe sich in einem europäischen Aktionsplan des Ziel gesteckt, bis zum Jahr 2005 in der europäischen Region umfassende Werberestriktionen einzuführen. Laut ZAW soll danach die Alkoholwerbung auf "reine Produktinformation reduziert", eine "Totalzensur für alle Funkmedien eingeführt" und "die Werbung bei Sportveranstaltungen verboten" werden.

Auch die EU-Kommission wolle Beschränkungen der Alkoholwerbung durchsetzen, teilt der ZAW weiter mit. Die zuständigen Generaldirektionen innerhalb der Brüsseler Behörde stimmten derzeit unter Ausschluss der Werbewirtschaft Europas den Entwurf eine Ministerratsempfehlung zum "Alkoholkonsum von Jugendlichen und Kindern" ab. Danach sollen unter anderem Werbemaßnahmen im Umfeld von Fernseh- oder Radiosendungen sowie in Printmedien untersagt werden, die sich "primär" an Kinder und Jugendliche richten. National planten das Bundesgesundheitsministerium sowie die Bundesländer gleichfalls modifiziert Einschnitte in die Werbefreiheit der Alkoholbranche.

Der ZAW kritisierte in diesem Zusammenhang die Informationspolitik der Werbegegner. Dort werde selbst vor absichtlicher Falschinformation der Öffentlichkeit nicht zurückgeschreckt. So habe die vom Bundesgesundheitsministerium mitfinanzierte deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren kürzlich bekannt gegeben, dass Jugendliche "immer früher Tabak und Alkohol konsumierten". Auch insgesamt würden die Probleme mit diesen Drogen immer drängender. Zu den DHS-Äußerungen im Widerspruch stehe jedoch, betonte der ZAW, die reale Konsumsituation in Deutschland: Nach regelmäßigen Studien des Bundesgesundheitsministeriums ("Drogenaffinität Jugendlicher in Deutschland") sinke der Alkoholkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in allen Getränkearten seit langem: Im Erfassungszeitraum von 1973 bis zur letzten Studie im Jahr 1997 bei Spirituosen von 17 auf fünf Prozent, bei Bier von 42 auf 27 Prozent, bei Wein von 21 auf zehn Prozent und bei alkoholischen Mixgetränken seit 1986 von zehn auf zuletzt sieben Prozent. Parallel zum Rückgang von Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums vermindere sich die Alkoholrauscherfahrung bei den 12- bis 25-Jährigen. Umgekehrt steige nach den amtlichen Angaben der Anteil derjenigen, die selten oder nie diese Produkte trinken.

Bonner Studie

Der ZAW verwies auch auf eine wissenschaftliche Studie von Professor Reinhold Bergler, Leiter des psychologischen Instituts der Universität Bonn über "Ursachen des Alkoholkonsums im Jugendalter". Danach sind Werbe- und Vertriebsverbote für alkoholhaltige Getränke zum Zweck des Jugendschutzes Ausdruck der "Hilflosigkeit der Gesundheitspolitik gegenüber Symptomen, die in einem völlig anderen Begründungszusammenhang gesehen werden müssen". Laut Berglers Studie liegt die Ursache für den frühen und relativ intensiven Alkoholkonsum bei Jugendlichen "in der Problemphase der Pubertät begründet". Jugendliche, die mit ihrer Entwicklungsaufgabe nicht zurechtkommen, "greifen zum Alkohol als einem Ersatz-Problemlöser".

Eine weitere zentrale Ursache sieht Bergler in "einer konfliktträchtigen Eltern-Kind-Beziehung". Erziehungsunsicherheit, aber auch Mangel an Erziehungswilligkeit von Eltern steigerten das Risiko des Alkoholmissbrauchs. Dazu gehöre auch Überbehütung oder Vernachlässigung, aggressives Verhalten der Eltern, deren Konflikte in der Ehe sowie Defizite an Vorbildverhalten insbesondere in Verbindung mit Alkohol- und Tabakkonsum. Berglers Fazit: Ein Großteil der Jugendlichen trinkt entweder keinen Alkohol oder tut es gelegentlich im Rahmen einer positiv zu bewertenden allgemeinen Genussorientierung". Angesichts dieser Tatsache und der Erkenntnis der Studie, dass nicht Werbung das Trinkverhalten mit beeinflusst, sondern das Trinkverhalten die Einstellung zur Werbung steuert, seien Werbeverbote für die Lösung von Alkoholproblemen einer Minorität von Jugendlichen das denkbar ungeeignetste Instrument. Die Studie "Ursachen des Alkoholkonsums im Jugendalter" erscheint im Januar 2000 im deutschen Instituts-Verlag, Köln, als Band 4 der Schriftenreihe zur angewandten Sozialpsychologie (ca. 345 Seiten, voraussichtlich 29 Mark). Die Studie wurde von der Alkoholwirtschaft und Medienverbänden gesponsort.

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