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19. September 2008 | Allgemeines

„Werbeverbote verhindern keinen Alkoholmissbrauch"

Gemeinsame Stellungnahme von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern

Verbote und Beschränkungen der Marken¬werbung der Alkoholindustrie wären, zeigt eine Analyse der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, gesundheits¬politisch un¬¬geeignet. Zusätzliche Werbebeschränkun¬gen würden zudem die Finanzierungsgrund¬lage der Presse in Deutschland weiter be¬schränken. Dieser Effekt schädige die unver¬zichtbare Funktion der Presse bei Information und Auf¬klärung über Alkohol in der Bevölke¬rung, be¬tonten der BDZV und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in ihrer gemein¬samen Stellungnahme am 15. Septem¬ber 2008 in Berlin.

Anlass war die Anhörung zum geplanten "Na­tionalen Aktionsplan Alkoholprävention". Medien­betreiber, Alkoholindustrie, Handel und der Zen­tralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) haben in Positionspapieren an die Dro­genbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), vor weiteren Verboten von Wer­bung und Sponsoring gewarnt, die der Drogen- und Suchtrat neben Steuererhöhungen und Ver­kaufsbeschränkungen empfiehlt. Ein weiterer Abbau des Markenwettbewerbs sei kein effizien­tes gesundheitspolitisches Mittel zur Verhinde­rung von schädlichem Alkoholkonsum, erklärten die Verbände. Stattdessen sollten die unstruktu­rierten behördlichen und institutionellen Aktivitä­ten gestrafft und mit der Präventionsarbeit der Wirt­schaft insbesondere Richtung Eltern und gefähr­deter Jugendliche koordiniert werden.

Auch der Verband Privater Rundfunk und Te­lemedien (VPRT) verweist in seinem Positions­papier auf die redaktionellen Leistungen der Sen­der durch regelmäßige Berichte über die Gefah­ren des Alkoholmissbrauchs. Werbeverbote wä­ren dagegen eine ernste Gefahr für die Finanzie­rung der Sender und damit für die verfassungs­rechtlich garantierte Rundfunkfreiheit. Werbung für alkoholische Produkte sei bereits durch zahl­reiche Gesetze und selbstdisziplinäre Bestim­mungen in Deutschland und auf EU-Ebene um­fassend geregelt und ausreichend eingegrenzt. "Die Bundesregierung hält diesen Mix aus ge­setzlichen Beschränkungen und freiwilliger Selbstverpflichtung durch den Deutschen Werbe­rat für ausreichend", zitiert der VPRT die Große Koalition aus einer Antwort im Bundestag.

Die Alkoholwirtschaft fordert in ihrem Papier Sabine Bätzing dazu auf, sämtliche Empfehlun­gen des Drogen- und Suchtrats für den Nationa­len Aktionsplan von wissenschaftlich neutraler Seite überprüfen zu lassen. Die Drogenbeauft­ragte, der Drogen- und Suchtrat und alle anderen beteiligten Behörden sollten zunächst ernsthaft und intensiv Ursachenforschung betreiben, bevor wirkungslose und die Wirtschaft schädigende Maßnahmen verabschiedet werden. Es werde sich dann erweisen, dass weitere Steuererhöhun­gen, Vertriebsbeschränkungen und Werbever­bote untauglich seien, wie bereits Studien und Erfahrungen in Deutschland und dem Ausland erwiesen. Brauer, Spirituosenhersteller und Han­del selber betrieben umfassende Präventionsar­beit mit zahlreichen Projekten aus gesellschaftli­cher Mitverantwortung und auch aus betriebswirt­schaftlichen Interesse: Missbrauch ihrer Produkte schädige das erarbeitete Markenimage.

Der Fachverband Sponsoring (FASPO) warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der empfohlenen Verbotspolitik. Insbesondere kleinere Kultur- und Sportveranstaltungen würden durch Werbebe­schränkungen und Abbau von Sponsoring in ihrer Existenz gefährdet. Eine Modellrechnung auf der Grundlage der Befragung von Kultur- und Sport­veranstaltern habe einen drohenden Verlust rund 600 Millionen Euro ergeben, sollten die Kommu­nikationsverbote im Sektor alkoholische Getränke Realität werden.

ZAW unterstreicht Rolle des Werberats

Die Dachorganisation Zentralverband der deut­schen Werbewirtschaft (ZAW) weist die Kritik von Bätzing zurück, die Selbstverpflichtung der Alko­holwerbung durch die Verhaltensregeln sei fak­tisch keine Beschränkung, der Deutsche Werbe­rat funktioniere nicht, was die geringe Beschwer­deanzahl über Alkoholwerbung aus der Bevölke­rung belege. "Tatsache ist dagegen, dass sich die Wirtschaft an die Vorgaben des Werberats sehr genau hält, was den Effekt weniger Verstöße zur Folge hat", so der Verband in seinem Essenz-Papier zu Fragen der Alkoholwerbung. Belegt werde das durch das britische Institut 'Xtreme Information Service', das die Einhaltung freiwilli­ger Werberegeln unabhängig kontrolliere. Da­nach seien die Vorgaben des Werberats für die Alkoholwerbung in Deutschland im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden.

Energisch widerspricht der ZAW dem Zusam­menhang zwischen kommerzieller Kommunika­tion und Gesamtkonsum und dem Missbrauch oder riskanten Konsum alkoholhaltiger Getränke. Als Folge des seit Jahren in Deutschland sinken­den Alkoholkonsums steige der Wettbewerb um Marktanteile. Zudem belegten Erfahrungen aus dem Ausland, zum Beispiel aus Skandinavien oder Frankreich, dass trotz massiver Werbebe­schränkungen der Gesamtalkoholkonsum und auch der missbräuchliche Umgang mit Alkohol konstant bleibt oder sogar steigt.

Tatsache sei, dass wissenschaftliche Studien in Deutschland die zentrale Ursache von Flucht in den Alkohol bei Jugendlichen in konfliktträchtiger Eltern-Kind-Beziehung, Schulproblemen und in der Problemphase der Pubertät erforscht haben. Auch sei für Erwachsene, die Alkohol als Ersatz­problemlöser einsetzten, Werbezensur keine Hilfe, schreibt der ZAW. (Die Positionspapiere der Verbände können im Internet unter www.zaw.de heruntergeladen werden.)

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