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28. März 2000 | Allgemeines

Werberat rügt Einschränkung der Alkoholwerbung

Beschwerden über frauendiskriminierende Werbung nehmen zu

Scharfe Kritik hat der deutsche Werberat an Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer geübt. Anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2000 am 21. März in Berlin warf der Vorsitzende des Selbstkontrollorgans der werbenden Wirtschaft, Jürgen Schrader, der Gesundheitsministerin vor, mit ihren Plänen zur Reglementierung der Alkoholwerbung eine "feindliche Übernahme" der selbstdisziplinären Regeln der deutschen Werbewirtschaft zu planen.

"Werbeverbote für alkoholische Getränke fügen der Werbebranche schweren Schaden zu und sind gesundheitspolitisch eine Augenwischerei", sagte Schrader. "Sie bewirken gar nichts an der Beseitigung der Ursachen von Alkoholmissbrauch." Der Werberatsvorsitzende wies in Berlin auf Pläne aus dem Bundesgesundheitsministerium hin, die TV- und Hörfunkwerbung für Alkoholprodukte in der Zeit von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr zu untersagen und Alkoholwerbung bei Sportveranstaltungen zu verbieten. Zudem plane das Bundesgesundheitsministerium, Werbung und Produkte für diesen Markenbereich mit umfangreichen Warenaufdrucken zu versehen und diese zielgruppenspezifisch aufzubereiten. "An die Stelle angemessener Selbstdisziplin tritt ein behördlich gelenktes Bevormundungssystem", kritisierte Schrader. Nach Meinung des Werberats reichten die bisherigen Werberegeln aus, die das Gremium 1998 beschlossen hat.

Der deutsche Werberat muss sich immer häufiger mit Beschwerden beschäftigen, die die Diskriminierung von Frauen betreffen. Von den insgesamt 188 Fällen, die im vergangenen Jahr von dem Selbstkontroll-Gremium der deutschen Werbewirtschaft verhandelt wurden, bezogen sich 38 Prozent oder 72 Fälle auf dieses Thema. Im Jahr zuvor waren es 35 Prozent oder 59 Einzelfälle, bei denen solche Vorwürfe die Grundlage für eine Entscheidung des Werberats waren.

Wie das Gremium weiter mitteilte, hätten sich im Jahr 1999 deutlich mehr Bürger an den Werberat gewandt als im Vorjahr. Mit 401 Protesten lag die Beschwerdezahl um fast ein Drittel höher als 1998. Dieser Anstieg erkläre sich aber auch daraus, dass sich auf einige Werbeaktivitäten besonders viele Proteste gehäuft hätten.

Die 401 kritischen Eingaben an den Werberat betrafen insgesamt 253 Werbemaßnahmen der Wirtschaft (+ 11 Prozent). In 65 Fällen erklärte sich das Gremium für nicht zuständig, unter anderem, weil es sich um vermutete Rechtsverstöße handelte. Diese werden zur potenziellen gerichtlichen Verfolgung an den Partner des Werberats, die "Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs", weitergeleitet. Von den übrigen 188 Werbemaßnahmen wurden 88 kritisiert (47 Prozent). Daraufhin erklärten sich immerhin 77 Werbungtreibende bereit, die Werbung nicht mehr zu schalten; weitere fünf änderten ihre Werbung ab; gegen sechs Hersteller erging eine "öffentliche Rüge". Der Werberatsvorsitzende Jürgen Schrader wertete diese Ergebnisse als Nachweis effizienter Selbstdisziplin.

Gewichtet nach Werbemitteln konzentrierten sich die Proteste insbesondere auf Fernsehspots (39 Werbeaktivitäten); im Vergleich zum Vorjahr waren Anzeigen in Tageszeitungen und Publikumszeitschriften dagegen leicht rückläufig von Protesten betroffen.

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