Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

17. März 2005 | Allgemeines

Werberat: Die meisten Beschwerden wegen Diskriminierung von Frauen

Fernsehen und Plakate im Fadenkreuz der Kritik

Den Deutschen Werberat haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Beschwerden erreicht als 2003. Beim Selbstkontrollgremium der werbenden Wirtschaft gingen 929 Proteste zu 254 Kampagnen ein; im Vorjahr waren es 606 Eingaben zu 255 Werbesujets. Wie der Vorsitzende des Werberats, Jürgen Schrader, am 15. März 2005 in Berlin mitteilte, wurden 50 Kampagnen beanstandet (2003: 52 Kampagnen); in sieben Fällen sprach das Kontrollgremium öffentliche Rügen aus.

Schrader betonte, dass die kritisierten Kampagnen angesichts der millionenfachen Werbekontakte der Bevölkerung nur ein „Randphänomen“ seien. Sie stünden zahlenmäßig in keinem Verhältnis zu den Werbemaßnahmen. 2004 seien die Medien selbst, Hersteller von Unterhaltungselektronik und Telekommunikation sowie der Automobilsektor am stärksten von Protesten über eingesetzte Werbemaßnahmen betroffen gewesen. Dabei habe einmal mehr der Vorwurf der Diskriminierung von Frauen durch Werbemaßnahmen im Mittelpunkt gestanden (347 Proteste entfielen auf 105 Kampagnen). Bei den Werbeträgern, die ins Fadenkreuz der Kritik gerieten, lagen die Plakate und das Fernsehen mit jeweils 61 Sujets (2003: 61/51) an der Spitze; dagegen lagen nur 22 Beschwerden gegen Anzeigen in Zeitungen und 18 Beschwerden gegen Anzeigen in Publikumszeitschriften vor.

 

Die Durchsetzungsquote des Werberats in der Wirtschaft war mit 86 Prozent erneut sehr hoch. Bei den 50 beanstandeten Werbemaßnahmen erklärten sich in 43 Fällen die betroffenen Unternehmen bereit, die Werbung aus dem Verkehr zu ziehen oder entsprechende Korrekturen vorzunehmen. In sieben Fällen musste das Gremium öffentliche Rügen verhängen. Betroffen sind der Musiksender MTV, die Diskothek „Kreml“ in Sulingen, ein Tätowierungsstudio in Celle, das mit einem gepiercten Baby für sich warb, der Kölner Fahrradhändler Cyclewerx, die Brauerei Lang-Bräu, bei der der Werberat ein Motiv kritisierte, weil es den „unzulässigen Eindruck des sexuellen Erfolgs nach Konsum des angepriesenen Getränks erwecke“, sowie die BTS Bautechnische Systeme GmbH & Co. KG. Den Vogel schoss die Schweizer Firma Dorit aus Ellwangen ab, die für dieselbe Anzeige bereits vor Jahren schon einmal vom Werberat gerügt worden war: Das Unternehmen stellt Maschinen für die Fleischverarbeitung her. In einem Werbemotiv für ein deutsches Fachmagazin präsentierte es eine Schinkenpressmaschine. Unmittelbar neben diesem Gerät streckt sich dem Betrachter ein nackter Frauenhintern entgegen. Überschrieben war die Anzeige mit der Aussage „Best ham“; die Copy lautete „Jeder Schinken braucht die korrekte Behandlung“. Der Werberat wertete ebenso wie der Beschwerdeführer diese Kombination von Bild und Text als Herabwürdigung von Frauen.

 

Äußerst kritisch bewertete das Selbstkontrollorgan Pläne der EU-Kommission, die Werbeselbstdisziplin „quasi unter staatliche Aufsicht“ zu stellen, wie Jürgen Schrader weiter ausführte. Brüssel strebe ein System so genannter Co-Regulierung oder regulierter Selbstregulierung an, wobei die EU-Kommission den Regelungsinhalt definiere und von der Wirtschaft verlange, die Werberegeln umzusetzen und zu überwachen. Mit einem solchen System, das sich auch in Deutschland in der Politik zu etablieren beginne, würde ein bisher erfolgreiches Gremium wie der Deutsche Werberat zum „staatlich gelenkten Ausführungsorgan“, warnte Schrader. Dies widerspreche den ständigen Bekundungen europäischer wie nationaler Politik, das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft zu entbürokratisieren und dem Prinzip der Subsidiarität Vorrang einzuräumen.

 

Anlässlich der Jahrespressekonferenz des Deutschen Werberats hat die Organisation ihr „Jahrbuch Deutscher Werberat 2005“ vorgelegt. Die 76 Seite starke Broschüre ist zum Preis von fünf Euro (zuzüglich Versandkosten) zu beziehen über: Verlag edition ZAW, 10873 Berlin, Fax 030/590099722, E-Mail zaw@zaw.de.

 

Internet: www.werberat.de

zurück