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23. März 2007 | Allgemeines

Werberat: 1.116 Proteste gegen kommerzielle Werbung im Jahr 2006

Vorsitzender Schrader fordert: Brüssel muss Unterwanderung der Selbstkontrolle stoppen

Wegen Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung in der Werbung hat es 2006 beim Deutschen Werberat massive Beschwerden gegeben: Allein 490 der 1.116 Proteste (Vorjahr: 788) hätten sich gegen die Eigenanzeige einer Programmzeitschrift gerichtet, auf der eine Afrikanerin in Traditionskleidung und einer so genannten Lippenplatte auf dem Schoß eine hellhäutigen Geschäftsmannes zu sehen war, teilte der Werberat am 20. März 2007 in Berlin mit.

Durch diese Form der Darstellung würden far­bige Menschen als Leibeigene diskriminiert, hieß es den Beschwerden. Angesichts der Vorwürfe habe der Zeitschriftenverlag die Anzeige zurück­gezogen. Auch die beiden vom Werberat ausge­sprochenen öffentlichen Rügen betrafen die Dar­stellung von Frauen. Ein lokaler Funknetzanbieter habe mit dem nackten Oberkörper einer Frau und dem Text geworben: Lust auf ´ne billige Num­mer? Kannst auch deine alte mitbringen“. Die zweite Rüge richtete sich gegen eine Autoglas­firma. Auf dem Transporter des Unternehmens zeigte ein Pfeil auf das mit einem Muttermal ver­sehene Gesäß einer Frau mit den Sprüchen: „Steinschlagreparatur“ und „Solche Flecken auf Ihrer Windschutzscheibe reparieren wir kosten­los“.

In beiden Fällen seien die Frauen als Objekte dargestellt und gedemütigt worden, kritisierte der Werberatsvorsitzende Jürgen Schrader, der an­kündigte, nach 14 Jahren in diesem Amt im Mai zurückzutreten. Diskriminierung trete vor allem dann auf, wenn der Körper oder Teile des Kör­pers ohne Zusammenhang mit der beworbenen Ware oder Dienstleistung gezeigt würden. Als nicht diskriminierend stufte der Werberat hinge­gen den ZDF-Spruch „Mit dem Zweiten sieht man besser“ ein, bei dem sich Prominente ein Auge zuhalten. Dem Vorwurf, damit würden sehbehin­derte Menschen diskriminiert, folgte der Werberat nicht.

Heftige Proteste und Diskussionen löste eine ganzseitige Anzeige des Musiksenders MTV aus. Der Sender hatte unter der Überschrift „Lachen statt rumhängen“ für den Start seiner Zeichen­trickserie „Popetown“ geworben, die das Leben im Vatikan karikiert. Zu sehen war auf der An­zeige im Hintergrund ein leeres Kreuz auf einem Hügel; im Vordergrund sitzt Christus mit Dornen­krone und Fernbedienung vor einem TV-Gerät und lacht. Nach dem Tadel durch den Werberat zog MTV die Anzeige zurück. Insgesamt bean­standete das Selbstkotrollgremium 63 Werbe­maßnahmen der Wirtschaft; in 61 Fällen stellten die Unternehmen sie daraufhin ein oder änderten sie ab. Das bedeute eine „Durchsetzungsquote“ von 97 Prozent, sagt Schrader.

Neben der Diskriminierung von Frauen (38 Pro­zent), die traditionell die größte Zahl von Be­schwerden auf sich zieht, wurden vor allem Ge­waltverherrlichung (11 Prozent) und Gefährdung von Kindern und Jugendlichen (acht Prozent) in Werbeaussagen kritisiert.

Kritisch äußerte sich der Werberat zu Plänen der EU-Kommission für eine weitgehende Regu­lierung der Werbung. Die EU versuche, die in der Bundesrepublik verankerte Selbstregulierung der Werbeindustrie durch Beschränkungen unter anderem für alkoholische Getränke, Autos und Lebensmittel auszuhebeln, beklagte Schrader. Widerstand gegen diese Begehrlichkeiten lasse sich, wie das „Einknicken“ der Werbewirtschaft in Frankreich und Großbritannien gegenüber EU-Forderungen jüngst gezeigt habe, nur schwer organisieren, fügte Georg Wronka hinzu, Hauptge­schäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). „Leider gibt es keine eu­ropäische Allianz der Abwehr gezielter Übergriffe durch die EU.“

Anlässlich der Jahrestagung des Werberats ist auch das „Jahrbuch 2007“ des Selbstkontrollgre­miums erschienen. Die 72 Seiten starke Publika­tion kann zum Preis von fünf Euro bezogen wer­den über: Verlag Edition ZAW, Telefon 030/590099700, E-Mail werberat(at)werberat.de.

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