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14. Oktober 2010 | Allgemeines

Wer in guten Journalismus investiert, dem gehört die Zukunft

Aufbruchstimmung beim Printgipfel/Politik bekennt sich zum Leistungsschutzrecht

Der immerwährende Anspruch brillanten Journalismus zu kultivieren, ist der Schlüssel für den Erfolg der Verlage in der digitalisierten Medienkultur. Hohe Erwartungen an die Branche, Selbstbewußtsein und ein großer Optimismus prägten Vorträge und Diskussionen beim Printgipfel von BDZV und dem Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) - einem der Highlights der Medientage München.

Die Zeitungen seien längst in der digitalen Zukunft angekommen, sagte Andreas Scherer, Erster Vorsitzender des VBZV in seiner Begrüßungsansprache. In jeder gedruckten Zeitung stecke "hightech pur". Print, online, mobil erreichten die Zeitungen heute mehr Menschen als je zuvor. Dabei sei print der wichtigste Teil in einem multimedialen Gesamtportfolio. "Die Zeitung ist unsere cash cow," so Scherer, der hervorhob, dass es den meisten Zeitungsverlagen gut gehe. An die Politik richtete er den Appell, der "Piraterie beim geistigen Eigentum" zügig mit einem umfassenden Leistungsschutzrecht für Verlage entgegenzutreten. Der bayerische Medienminister Siegfried Schneider versicherte in einer Eröffnungsrede, das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschriebene Leistungsschutzrecht bleibe das Ziel. Verlage dürften nicht schlechter dastehen als andere Werkvermittler. Ähnlich hatte sich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Stunde zuvor beim Online-Gipfel in München geäußert. Medienminister Schneider sprach sich klar dagegen aus, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Gratis-Apps für Tablet-PC und Smartphones anbieten. Es könne nicht sein, dass die Verlage behindert würden, ihr klassisches Geschäftsmodell in die elektronische Welt zu übertragen. Das eindeutige Plädoyer des Ministers zum Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Presserzeugnisse hörten die anwesenden Verlagsvertreter ebenfalls gern.

Die Verlage müssten weiterhin den Mut haben, in das zu investieren, was sie groß, reich und wichtig gemacht habe, nämlich guten Journalismus, sagte Focus-Chefredakteur Wolfgang Weimer in der ebenso anspruchsvollen wie launigen Podiumsrunde. Auch WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hob hervor, dass die Leistung der Zeitungsjournalisten wichtiger denn je sei. "Wir leben in einem Informations-Overkill, da braucht die Gesellschaft hochprofessionelle Journalisten die selektieren und strukturieren". Nienhaus warnte davor, das Papier als Verteilkanal zu unterschätzen oder gar abzuschreiben. "Papier ist hochmodern und in vielen Nutzungsphasen allen anderen Displays überlegen".

Über Erfolge mit Bezahlinhalten im Internet berichtete der Geschäftsführer der in Wien erscheinenden Wirtschaftszeitung "Wirtschaftsblatt", Hans Gasser. 30 Prozent des Webangebots habe man für den Gratisverkehr geschlossen, trotzdem seien die Nutzerzahlen weiter gestiegen. "Die Entwicklung des Internet ist das Beste, was der Zeitungsbranche passieren konnte", artikulierte Gasser, der zugleich Vorsitzender des österrischen Zeitungsverlegerverbandes ist, als selbstbewußte Botschaft. Marc Walder, CEO bei Ringier, glaubt nicht an Paid Content bei den Produkten seines Hauses. Ringier verfolge eine "total audience"-Strategie. Es gehe darum, viele Zielgruppen und hohe Reichweiten zu erzielen und diese zu vermarkten. Das erwarte auch der Werbemarkt. Den Werbeagenturen warf Walder vor, das Internet verschlafen zu haben. Bisher gebe es keine innovativen und kreativen Lösungen von den Agenturen, die deshalb stark unter Druck stünden. Neben der Digitalisierung sei die Diversifizierung die zweite große Herausforderung für jeden Verlag. Ringier setze dabei unter anderem auf E-Commerce und Entertainment wie das Ticketgeschäft, um neue Erlösströme zu erschließen.

Über das neue journalistische Selbstverständnis der Deutschen Presse-Agentur (dpa) als Dienstleister sprach dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner. Die Herausforderung liege darin, viel enger und arbeitsteiliger mit den Kunden zusammenzuarbeiten. Der ständige Dialog mit den Redaktionen sei enorm wichtig. Ein effektives Werkzeug dafür sei eine neu eingerichtete dpa-Website mit Rückkanal.

Etwas exotisch in der Gipfelrunde wirkte XING-Gründer und CEO Cinco Capitol, Lars Hinrichs, der sich auf Nachfrage von Moderator Frank Thomsen (Chefredakteur stern.de) klar dazu bekannte, dass er bis auf die Zeit, die er im Flugzeug verbringe, keine auf Papier gedruckten Medien mehr nutze. Allerdings ermunterte er die Verlage, ihre digitalen Inhalte nicht länger zu verschenken, sondern zu verkaufen.

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