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06. Juni 2006 | Allgemeines

Weltzeitungskongress kritisiert Putins Pressepolitik

Iranischer Journalist erhält Goldene Feder der Freiheit

Der russische Präsident Wladimir Putin ist auf dem Weltzeitungskongress in Moskau mit scharfer Kritik an der mangelnden Pressefreiheit in seinem Land konfrontiert worden. Der Vorsitzende des Weltverbands der Zeitungsverleger (WAN), Gavin O'Reilly, kritisierte am 5. Juni 2006 die zunehmende Kontrolle des Staates über die russischen Medien. Hunderte russische Journalisten und Verleger beklagten, dass in ihrem Land zu wenig für den Schutz der Pressefreiheit getan werde, sagte O'Reilly in Anwesenheit des Kremlchefs. Der Staat verbreite in den Medien eine Atmosphäre der Unsicherheit und zwinge die Journalisten zur Selbstzensur. «Die Kontrolle der Oligarchen ist durch die Kontrolle des Staates ersetzt worden», sagte O'Reilly.

Putin wies den Vorwurf zurück, der Kreml nehme mit Hilfe des Gasförderers Gasprom und anderer loyaler Konzerne Einfluss auf die Medien. Das Gegenteil sei der Fall. «Die staatliche Kon­trolle nimmt ab», sagte Putin. Die Pressefreiheit sei in Russland eine wertvolle Errungenschaft, die in der Verfassung verankert sei. Gleichzeitig ge­stand er ein: «Ja, es gibt bei uns einen ständigen Kampf zwischen den Interessen des Staates, wie sie von den Beamten verstanden werden, und den Interessen der Presse und der Gesellschaft.»

Beim 59. Weltzeitungskongress mit 1.700 Teil­nehmern aus Verlag und Redaktion standen die Perspektiven der Branche im Mittelpunkt. In Vor­trägen und Diskussionen ging es um die Zukunft der gedruckten Zeitung und die Rolle von Weblogs und Internetportalen. Anlässlich der bis 7. Juni 2006 dauernden Veranstaltung wurde auch der iranische Enthüllungsjournalist und Dis­sident Akbar Ganji mit der Goldenen Feder der Freiheit ausgezeichnet. Ganji war erst im März nach sechsjähriger Haft aus dem Gefängnis ent­lassen worden und widmete die Würdigung „allen iranischen Dissidenten und Freiheitskämpfern“. Die „Goldene Feder der Freiheit“ wird seit 1961 vom Weltverband verliehen, um Journalisten zu ehren, die sich in vorbildlicher Weise um die Pressefreiheit verdient gemacht haben.

Veröffentlicht wurden beim 59. Weltkongress der Zeitungen auch die aktuellen Zahlen der Branche, die in Kürze in der gedruckten Ausgabe der „World Press Trends“ nachzulesen sind. Da­nach stieg beispielsweise die verkaufte Auflage der Zeitungen weltweit um 0,56 Prozent im Jahr 2005 auf 439 Millionen Exemplare täglich; hinzu kommen 25 Millionen Gratiszeitungen, das sind mittlerweile sechs Prozent der gesamten Zei­tungsauflage weltweit; in Europa machen Gratis­zeitungen laut WAN bereits 17 Prozent der Auf­lage aus. Die fünf größten Zeitungsmärkte der Welt sind China (96,6 Millionen Exemplare), In­dien (78,7 Millionen Exemplare), Japan (69,7 Millionen Exemplare), USA (53,3 Millionen Ex­emplare) und Deutschland (21,5 Millionen Ex­emplare). Während sich der Absatz in China und Indien im Jahr 2005 erhöhte, ging er in Japan, den USA und Deutschland zurück.

In seinem Amt als WAN-Präsident bestätigt wurde der irische Verleger Gavin O’Reilly. Er wird auch die kommenden zwei Jahre an der Spitze der internationalen Verlegerorganisation stehen. „Ich möchte jedermann daran erinnern“, erklärte O’Reilly anlässlich seiner Wiederwahl, „dass die Pressefreiheit den Kern der WAN bildet. Aber eine offensichtlich außerordentlich wichtige Kom­ponente dieses Kerns ist die finanzielle Gesund­heit und Stabilität unserer Industrie.“ Weltweit befänden sich die Zeitungen in einer „ziemlich guten Verfassung“ und sollten deshalb aufhören, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, sondern vielmehr auf kreative Weise ihre Erfahrungen und Überzeugungen im Zusammenhang mit den Me­dien vertreten. Auch Ort und Datum für den 60. Weltkongress der Zeitungen stehen fest: Er findet vom 3. bis 6. Juni 2007 in Kapstadt (Südafrika) statt.

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