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03. Juli 2000 | Allgemeines

Weltkongress der Zeitungen verurteilt Gewalt gegen Journalisten

Roger Parkinson neuer WAN-Präsident / Goldene Feder der Freiheit an Nizar Nayouf

Mehr als 1.400 Verleger und Journalisten aus aller Welt haben am 12. Juni 2000 die "zunehmende Gewalt gegen Journalisten" angeprangert. Anlässlich des vom Weltverband der Zeitungen (WAN) veranstalteten 53. Internationalen Zei-tungskongresses und des 7. Forums der Chefredakteure in Rio de Janeiro beklagten die Teilnehmer, dass mindestens 71 Journalisten 1999 bei der Ausübung ihres Berufs ums Leben ge-kommen seien; dabei habe es sich in vielen Fällen "um kaltblütigen Mord gehandelt".

Der WAN, dem rund 17.000 Zeitungen aus allen Kontinenten angehören, verurteilte ferner, dass ge-genwärtig mindestens 124 Journalisten in 24 Ländern zum Teil sehr lange Gefängnisstrafen verbüßen, die mit ihrer Arbeit zusammenhängen. Das vergangene Jahr sei für den Journalismus angesichts der vielen erlittenen Angriffe "besonders unheilvoll" gewesen, betonte der scheidende WAN-Präsident Bengt Braun aus Schweden in seiner Eröffnungsrede. Viele dieser bruta-len Morde hingen 1999 mit "Presseuntersuchungen von Korruptionsfällen und anderen Verbrechen zusammen" meinte Braun, der Mord als "letzte der Form der Zensur" bezeichnete. Es sei die Verant-wortung des Weltverbands als einer globalen Organi-sation der Zeitungen weltweit, "die Unterdrückung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit unnachgiebig zu enthüllen und zu bekämpfen".

Die Verbesserung der Situation der Pressefreiheit in der Welt ist auch eines der zentralen Ziele, die der an-lässlich der Tagung in Rio neu gewählte WAN-Präsident Roger Parkinson aus Kanada mit seinem zweijährigen Aktionsprogramm für den WAN vorgelegt hat. Parkinson, Vorstandsvorsitzender des kana-dischen Verlagshauses The Globe and Mail, hatte für den WAN bereits zwei Jahre lang als Schatzmeister amtiert. In seinem Programm für die Pressefreiheit forderte er eine "noch größere Entschlossenheit und Beharrlichkeit bei Kampagnen gegen Verletzungen und Beschränkungen der Pressefreiheit mit mehr per-sönlichen Gesprächen, mehr Unterschriftenaktionen und mehr E-Mail-Kampagnen". Darüber hinaus plant der neue Präsident den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit des Weltverbands mit internationalen Organisationen wie der Weltbank, der UNESCO oder den Vereinten Nationen. Auch sollen die Hilfs- und Entwicklungsprogramme des WAN insbesondere für Afrika, Russland und die übrigen Nachfolgestaaten der UDSSR ausgeweitet werden.

In einer gemeinsamen Erklärung anlässlich der 53. Weltkongresses der Zeitungen forderte die internationale Gemeinschaft der Verleger mit Blick auf Urheberrechtsfragen die Politik auf, alle Hürden beiseite zu räumen, die die Entwicklung der Zeitungsunternehmen im elektronischen Markt behinderten. Die existierende Copyright-Gesetzgebung sei, erklärten dazu die Verleger, ein gravierendes Hindernis für Unternehmen, die ihre Inhalte "in einer vernünftigen und ökonomisch sinnvollen Weise über die neuen elektronischen Vertriebswege verbreiten" wollten. Mit der wachsenden Bedeutung des Internets und anderer Formen elektronischer Veröffentlichung seien die Verleger darauf angewiesen, neue Vertriebswege zu er-forschen und in neue Märkte zu investieren. Da die Urheberrechtsgesetze verabschiedet worden seien, bevor sich die digitale Entwicklung abgezeichnet habe, würden diese Gesetze nun zu einem echten Hindernis für die Verlage. Es dürfe, machten die Zeitungsverleger deutlich, der Gesetzgebung nicht erlaubt werden, Zeitungsunternehmen in ihrem wirtschaftlichen Gebaren zu behindern. Dies gelte insbesondere in einer Zeit, in der die Presse versuche, die nächste Generation durch die Entwicklung von Internet-Angeboten zum Lesen zu animieren. Vor diesem Hintergrund forderte der WAN die Politik auf, die Rechte der Zeitungsunternehmen an den Inhalten und ihrer Verbreitung zu schützen und sie damit zu befähigen, auch weiterhin ihre lebenswichtige Rolle für die Demokratie zu spielen.

"Helft mir, bevor es zu spät ist." Mit diesem erschütternden Hilferuf wandte sich der in seinem Heimatland sei vielen Jahren inhaftierte syrische Journalist Nizar Nayouf an die Teilnehmer von Weltkongress und Chefredakteurs-Forum. Der WAN hatte Nayouf für seine Verdienste um die Pressefreiheit mit der diesjährigen "Goldenen Feder der Freiheit" ausgezeichnet. Im Lauf seiner Haft im Mazzar-Gefängnis in Damaskus wurde er so schlimm gefoltert, dass der Journalist teilweise gelähmt, fast blind und taub auf dem linken Ohr ist. Wie der WAN berichtet, leidet Nayouf obendrein an Krebs und Magengeschwüren, ohne ausreichend medizinisch versorgt zu werden. Nizar Nayouf, Chefredakteur der "Stimme der Demokratie", war vor acht Jahren für die angebliche "Verbreitung falscher Information" und die Mitgliedschaft in einer unautorisierten Organisation (dem Komitee zur Verteidigung demokratischer Freiheiten) verurteilt worden und muss noch weitere zwei Jahre in Haft bleiben.

Um die Verteidigung der Pressefreiheit ging es auch in mehreren Aufrufen, die der WAN anlässlich der Veranstaltung in Rio veröffentlichte. So hat der exilierte kolumbianische Verleger Franzisco Santos Calderon Verleger- und Journalistenorganisationen weltweit dazu aufgerufen, durch eine permanente Beobachtungseinrichtung Verletzungen der Pressefreiheit in Kolumbien zu dokumentieren, wo in diesem Jahr bereits vier Journalisten ermordet wurden. Der chilenische Präsident Ricardo Lago wurde vom WAN ermuntert, ein neues Pressegesetz zum zweiten Mal zur Verabschiedung vorzulegen. Verurteilt wurde ferner die Unterdrückung unabhängiger Medien durch die jugoslawische und serbische Regierung.

Zusammenfassungen aller Veranstaltungen beim 53. Weltkongress des WAN und dem 7. Chefredakteurs-Forum können - auch in deutscher Sprache - angefordert werden über:

WAN
Larry Kilman
25 rue d'Astrog
75008 Paris
Frankreich
Telefon: 00331/47428500
Fax 00331/47424948
E-Mail lkilman@wan.asso.fr.

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