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30. Juni 2003 | Allgemeines

Was können Zeitungen von „Bravo“ lernen?

Chefredakteur Weissbrod: Populär statt elitär

Auch bei Zeitungen und Zeitschriften gilt die alte Erkenntnis der Markenartikler, dass die Bindung an ein Produkt umso länger und stärker hält, je früher ein Mensch damit konfrontiert wird, versicherte Uli Weissbrod, Chefredakteur der Zeitschrift „Bravo“, beim Zeitungstag in Köln.

Sein Blatt richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, muss es aushalten, dass alle zweieinhalb bis drei Jahre ein kompletter Leserwechsel stattfindet, und erzielt eine Reichweite von rund zwei Millionen Lesern bei einer wöchentlichen Auflage von 700.000 bis 800.000 Exemplaren.

 

Weissbrod konnte Lönnekers Feststellung, dass Jugendseiten in Zeitungen heute gleichermaßen für Mädchen wie Jungen gemacht seien, überhaupt nicht bestätigen: Damit sich Mädchen überhaupt dafür interessierten, müssten diese Seiten viel emotionaler gestaltet werden. Sein Rat: Zeitungen sollten „populär statt elitär“ sein. Auch halte er nichts davon, dass Jugendseiten häufig in einer Art „Ghettodasein“ existierten. Obendrein böten sie, da sie in die Corporate Identity der regionalen und lokalen Blätter eingebunden seien, „wenig Farbe und keine typografische Abwechslung“.

 

Den von Lönneker geprägten Begriff der Lebensangst bei Jugendlichen kann der „Bravo“-Chefredakteur bestätigen. Junge Leute seien heute „konservativ und wertebewusst – im Sinne von monetär, Familie, Freundeskreis.“ Aus seiner Sicht sei der 11. September 2001 ein einschneidendes Datum gewesen, das einen schleichenden Prozess bei den Jugendlichen ausgelöst habe. Während zu Beginn des Jahres 2001 noch ein Aufbruch geherrscht habe, festzumachen an Frauen wie Christina Aguilera oder Kylie Minogue, frage er sich heute: „Wo sind die geblieben?“ Jugendliche hätten heute das Gefühl, dass es ein „Ende der Spaßgesellschaft“ gebe, und hätten Angst: „Was wird aus mir?“ Natürlich habe „Bravo“ Möglichkeiten wie Poster, Starschnitt, aufgeklebte Extras oder den Fotoroman, die eine Tageszeitung nicht nachmachen könne. Zeitungen könnten aber sehr wohl emotionaler werden. Und „es gibt irrsinnig viele emotionale Themen, die in der Zielgruppe selbst spielen“, machte Weissbrod deutlich, angefangen bei jugendlichen Ausreißern, Teenie-Müttern, Krach in der Familie oder sexuellem Missbrauch.

 

Der „Bravo“-Chefredakteur empfahl den Zeitungen, einen überregionalen Pool mit Profi-Journalisten zu bilden, die solche Themen für alle aufgreifen, eine Art „dpa für jugendliche Themen“. Wenn es gelinge, auf diesem Weg jugendliche Leser zu den Zeitungen zu holen, würden, wie die Zuwächse bei „Bravo“ in den vergangenen zwei Jahren gezeigt hätten, auch die Anzeigenplaner und die Wirtschaft folgen. Denn die hätten, so sein ermutigender Appell, die 12- bis 18-Jährigen als „echte und richtige Zielgruppe“ längst ausgemacht.

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