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21. Februar 2002 | Digitales

Was ist eine gute Website?

Informationsbreite und Tiefe gefragt – Satire beliebte Online-Unterhaltung

Was macht die Qualität einer Nachrichten-Website aus? Was wünschen User wirklich? Ist es besser, die Website wie ihre Schwesterzeitung zu gestalten, oder ihr einen ganz eigenen Charakter zu geben? Diese und andere Fragen waren Gegenstand von Diskussionsrunden mit aktiven Usern, Experten und Mitgliedern der Jury, die an der Vergabe der diesjährigen „Eppy Awards“ für die besten Websites beteiligt waren.

Während bei Usern vor allem Substanz und Informationstiefe gefragt sind, legen die Experten auch großen Wert auf kreative Präsentation der Inhalte und die Gestaltung der Website - so lassen sich die Aussagen wohl am ehesten zusammenfassen. Einig sind sich dabei alle, dass die Navigation einfach und möglichst intuitiv sein sollte.

Junge, gebildete User, die sich selbst als "Newsjunkies" bezeichnen, legen wenig Wert auf die Aufmachung - die Qualität der Inhalte sei es, die Breite und Tiefe der abgedeckten Themen und deren Organisation, die ihre Lieblingsnachrichtensites auszeichnen. Rob Rakove, Marketing Koordinator bei Google, sucht insbesondere nach geopolitischer Gliederung und lobte Washingtonpost.com für deren Gruppierung der Weltnachrichten nach Regionen und Ländern. Anitha Reddy, Studentin in Stanford, forderte eine tiefere Auflistung von Themen - NYTimes.com biete eine relativ tiefe thematische Untergliederung. Ähnlich war die Forderung von akademischer Seite: Paul Grabowicz, Adjunct Professor an der UC Berkeley Graduate School of Journalism, meinte, dass Nachrichtenwebsites es den Nutzern leichter machen sollten, das zu finden, was sie wirklich interessiert. Dazu gehöre unbedingt eine Gliederung nach Themen, zum Beispiel Umwelt, Verbrechen, Schulen etc. Die traditionelle Auflistung der Nachrichten verfolge noch viel zu sehr den Ansatz: Das müssen Sie wissen, anstatt zu fragen: Was interessiert Sie?

Gefragt: Die Titelseite der Zeitung

Auch wenn User ihre Nachrichten ausschließlich und mit Überzeugung im Web konsumieren - ein wenig begleitet sie dabei das Gefühl, dass ihnen vielleicht etwas entgangen ist, was in der gedruckten Zeitung stand. Insbesondere wollten sie die erste Seite der großen Tageszeitungen sehen, deren Artikel vor allem in akademischen Kreisen oft Gesprächsstoff bilden. Ein PDF-File der ersten Seite der New York Times habe ihnen schon manche peinliche Situation ersparen können, meinten sowohl Patricia Sullivan, Technology Editor bei der Washington Post, als auch die Studentin Anitha Reddy.

Nutzen die im Podiumsgespräch befragten User das Internet denn auch zur Unterhaltung? Ja - indem sie noch mehr lesen, sagten die User mit langsameren Internetverbindungen. Rob Rakove fühlt sich unterhalten, wenn er gute Artikel und Kolumnen liest, und er amüsiert sich gerne mit der Satiresite TheOnion.com, während Patricia Sullivan über die Sammlung seltsamer Nachrichten in obscurestore.com lacht. (Satire scheint überhaupt ein beliebtes Onlineunterhaltungsmedium zu sein - schon an anderer Stelle hatten sich Konferenzteilnehmer begeistert über die satirischen Newsletter von SFGate, SFGate Morning Fix, geäußert.) Einzig diejenige unter den befragten Usern, die zu Hause über einen schnellen Breitbandanschluss verfügt, meinte, sie sähe zum Vergnügen ab und zu gestreamte Videos.

Grundsätzlich haben aktive Besucher von Nachrichtensites einen Widerwillen gegen alles, was zu lange lädt - insbesondere wenn es sich dabei um Werbung handelt, die von ihren eigentlichen Zielen abhält. Stören sollte Werbung generell nicht, meinten die Diskutanten zu diesem Thema. "Relevanz ist bei Werbung alles", fasste Daniel Webster, West Coast Vice President bei TheFeedRoom, die Usereinstellung zusammen. Medienveteran Bob Ingle, derzeit Chairman von Itpro, Inc. bestätigte dies: Während ihn kommerzielle Displaywerbung verärgere, habe er zu seinem eigenen Erstaunen festgestellt, dass gezielte Werbe-E-Mails, die sich auf ein von ihm bereits demonstriertes Interesse stützen, nicht störten. Daniel Webster meinte außerdem, dass wirklich kreative Werbung beim User sogar ausgesprochen willkommen sei, wie die BMW Kurzfilme letztes Jahr gezeigt hätten.

User wollen es klar und einfach haben, auch wenn es um das Bezahlen von Content geht. Während Rob Rakove seine Jahresgebühr für den unbegrenzten Zugang zu Salon.coms preisgekürten Inhalten gezahlt hat, schreckt er vor vielen kleinen Einzelgebühren, wie manche Websites sie für ihre Archive oder für einzelne Artikel erheben, zurück.

Bob Ingle, der unter anderem Gründungspräsident von Knight Ridder New Media war, hält persönlich eigentlich gar nichts davon, PCs und ähnliche Geräte zum Lesen zu benutzen - er liest nicht gerne am Bildschirm und zieht es weiterhin vor, die Zeitung zu lesen, in der Redakteure die Inhalte für seine Ansprüche passend aufbereitet haben. Er denkt daher schon ein paar Schritte weiter und sieht großes Potenzial in einer altbekannten Technologie: Audiotext. Persönlich zugeschnittene Nachrichten, von einem mobilen Endgerät empfangen und beispielsweise über das Autoradio abgespielt - darin sieht er die Zukunft der Neuen Medien und einen echten Nutzen für Millionen von Menschen, die täglich stundenlang zur Arbeit pendeln.

Die Expertenmeinung

Wonach wählten nun die Jurymitglieder, allesamt New Media Experten, die diesjährigen Gewinner der Eppy Awards aus Hunderten von Vorschlägen aus? Drei von ihnen legten ihre Kriterien offen: Vin Crosbie, Managing Director bei Digital Deliverance, bewertete Qualität, Tiefe und Breite der Inhalte und die Leichtigkeit, mit der diese zu finden sind, das Design und die Navigation der Website, die Nutzung von Interaktivität und Multimedia sowie das zugrundeliegende Geschäftsmodell und seine Ausführung (zum Beispiel Platzierung von Werbung und Kleinanzeigen). Weiterhin fragte er, ob die Website ihre eigene Persönlichkeit hat und ob sie den Zweck und die User, die sie bedient, reflektiert. Bei seinen Bewertungen wog er die Größe und die Ressourcen, die der jeweiligen Website zur Verfügung stehen, ab.

Peter Krasilovsky, Partner bei Borrell Associates, ergänzte, dass er sich auf einer Website willkommen fühlen will. Dazu trägt eine schnelle Ladung der Site und die Abwesenheit von verärgernder Pop-Up-Werbung bei. Er untersuchte, inwieweit die Site sich auf die persönlichen Wünsche zuschneiden lässt, wie häufig sie aktualisiert wird, welche "Extras" sie bietet (wie beispielsweise die Multimedia-Angebote bei washingtonpost.com), und ob sie effektive "Häufigkeitstreiber", die zum Wiederkommen einladen, einsetzt. Dave Carlson, Director des Interactive Media Lab an der University of Florida, fragte sich bei der Untersuchung der Sites, ob sie für Designer oder wirklich für den Konsumenten ausgelegt sind. Erwartet die Site vom User, dass er Breitband hat? Das sei dann in Ordnung, wenn die Site vor allem bei der Arbeit genutzt würde. Er möchte sich auf einer Site vor allem zu Hause fühlen und ein wenig das Gefühl haben, diese zu besitzen.

Zu häufiges Redesign einer Site sei gar nicht wünschenswert, meinten die Juroren. Lieber die Inhalte verbessern und erweitern, schlugen sie vor. Vin Crosbie gefiel zum Beispiel auf einer lokalen Website die Einrichtung einer Seite für den Bürgermeister, in die dieser direkt Stellungnahmen eingeben kann und die auch Platz für Kommunikation mit den Bürgern hat. Sollten die Websites das Design ihrer gedruckten Zeitung übernehmen oder nicht? Eine Mischform sei gut, meinte Vin Crosbie. Immerhin habe sich das Layout der Zeitung über einen langen Zeitraum entwickelt und bewährt.

Die Eppy Awards für die besten Websites in verschiedenen Kategorien wurden im Rahmen der Interactive Newspaper Conference vergeben. Die siegreichen Websites:

http://www.washingtonpost.com

http://www.nytimes.com

http://www.theonion.com

http://www.obscurestore.com

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