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24. Februar 1999 | Allgemeines

Vorsicht bei Veröffentlichungen über Erpressungen

Deutscher Presserat spricht drei Rügen aus/Ursula Ernst-Flaskamp zur Sprecherin gewählt

Der Deutsche Presserat hat anläßlich seiner Sitzung am 9. und 10. Februar 1999 in Bonn betont, daß Polizei und Staatsanwaltschaft das Recht hätten, vor der möglichen Wirkung von Veröffentlichungen über Erpressungen zu warnen, und das dies von den Redaktionen "ernsthaft bedacht werden" müsse.

Gleichwohl wies das Selbstkontrollorgan eine Beschwerde gegen den Düsseldorfer "EXPRESS" ab. Der Zeitung war vorgeworfen worden, durch ihre Berichterstattung über eine Erpressung Menschenleben gefährdet und die Ermittlungen behindert zu haben. Der Presserat kam jedoch zu dem Ergebnis, daß das Ersuchen der Polizei um Stillschweigen seinerzeit nicht, wie es die entsprechende Richtlinie 11.4 des Pressekodex verlangt, "überzeugend begründet" wurde. Bei der Anhörung von Beschwerdeführern und Redakteuren des "EXPRESS" ergab sich vielmehr, daß die Polizei nur allgemein auf die Möglichkeit einer zusätzlichen Gefährdung hingewiesen habe und der Zeitung gegenüber jedoch verschwieg, daß es bereits Kontakt mit einem möglichen Täter gab und eine Festnahme bevorstand. In diesem Zusammenhang machte der Presserat auch deutlich, daß "mit dieser Entscheidung in keiner Weise eine bedenkenlose Veröffentlichungspraxis bei Erpressungen ermutigt werden solle". Sollten die Medien ihre Verantwortung nach dem Pressekodex wahrnehmen, setzte dies "allerdings voraus, daß die Polizei ein Medium, das sie von Veröffentlichung abhalten will, über konkrete Anhaltspunkte vertraulich und vertrauensvoll informiert".

Ferner hat der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserats zwei öffentliche Rügen gegen die "BILD"-Zeitung sowie eine weitere Rüge gegen die "Neue Ruhr/Rhein Zeitung" in Essen ausgesprochen. Bei der Berichterstattung über den Schauspieler Raimund Harmstorf machte das Selbstkontrollorgan Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex), eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts (Ziffer 8) sowie unangemessene sensationelle Berichterstattung (Ziffer 11) geltend. Kritisiert wurde ferner die Darstellung eines "Sex-Gangsters" als Vorverurteilung (Ziffer 13) und Verletzung des Persönlichkeitsrechts (Ziffer 8). Als Verletzung des Persönlichkeitsrechts (Ziffer 8) wurde schließlich auch die Nennung eines Musiklehrers mit ganzem Namen und Foto bewertet, der eine Schülerin geohrfeigt haben soll. Erschwerend kam hier noch hinzu, daß die Zeitung auf eine frühere Verfehlung hinwies, die mit der aktuellen Berichterstattung nichts zu tun hatte. Von den insgesamt 40 behandelten Beschwerden wurden 16 als unbegründet zurückgewiesen; neben den drei öffentlichen Rügen ergingen acht Mißbilligungen und 15 Hinweise.

Anläßlich der Sitzung des Deutschen Presserats ist Ursula Ernst-Flaskamp zur neuen Sprecherin des Gremiums gewählt worden. Sie löst turnusgemäß nach einem Jahr den amtierenden Vorsitzenden Kay E. Sattelmair (BDZV), ab. Ernst-Flaskamp gehört als Vertreterin des Deutschen Journalisten-Verbandes dem Deutschen Presserat seit 1995 an. Zum stellvertretenden Sprecher wurde Fried von Bismarck (VDZ) gewählt. Neuer Vorsitzender des Beschwerdeausschusses ist Manfred Protze (IG Medien) für die Dauer von zwei Jahren. Er folgt Peter J. Velte (DJV) nach. Neuer Vorsitzender des Trägervereins wurde Fried von Bismarck.

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