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24. Juni 2002 | Digitales

Von „i-mode“ bis zu „Location Based Services“ - Mobile Erlöschancen für Zeitungsverlage

SMS bisher der einzige nicht sprachzentrierte Dienst mit Erfolg – Verlage müssen sich auf eigene Kompetenzen konzentrieren

Welche Refinanzierungschancen haben Zeitungsverlage bei mobilen Internetdiensten? Auf diese Kernfrage konzentrierten sich die Ausführungen der Referenten zum Thema „Mobile Inhalte“. Peter Kirchner von Kirchner, Robrecht und Partner gab einen Überblick über die Stellung der Zeitungsverlage im neu entstehenden Markt der Contentanbieter. Susett Heise erläuterte die Zusammenarbeit von E-Plus mit i-mode-Content-Partnern. Horst Niederheide (MDI Media Dynamics Ingenieur GmbH) demonstrierte eine einsatzfähige Lösung für standortbezogene Informationsdienste von Regionalzeitungen.

Kirchner schickte seinen Ausführungen eine These voraus: "Der Mobilfunkmarkt war der Wachstumsmarkt der vergangenen Jahre und wird es auch in Zukunft bleiben." Die zahlreichen Wachstumsprognosen, die derzeit verbreitet würden, seien jedoch mit Vorsicht zu genießen. Kirchner forderte einen realistischen Blick auf die Chancen und Möglichkeiten mobiler Informationsdienste, die fast durchwegs schon vor dem Start von UMTS verwirklicht werden könnten. Er warnte vor übertriebenen Hoffnungen: "SMS ist bisher der einzige nicht sprachzentrierte Dienst mit Erfolg." Die Mobilfunkbetreiber hätten 2001 rund zwölf Prozent Ihres Umsatzes mit SMS-Diensten erzielt. Über 40 Prozent der Mobilfunkteilnehmer nutzten SMS.

Keine "Killer-Applikation" in Sicht - große Bandbreite bei Endgeräten

Die Frage, welche Applikationen den Markt treiben, ließ Kirchner unbeantwortet. Weder für Location Based Services (LBS), noch für Mobile Banking, mobilen Netzzugriff oder mobile Business-Lösungen gebe es belastbare Untersuchungen. Die Endgeräte entwickelten sich dagegen klar hin zu immer anspruchsvolleren Geräten. Die Bandbreite werde dabei immer vielfältiger.

"Mobile Publishing" definierte Kirchner als "nur eine weitere Möglichkeit, um Inhalte zum Kunden zu transportieren". Sämtliche denkbare Angebote ließen sich vier Basisbereichen zuordnen:

- Entertainment: "Nie langweilen"

- Kommunikation: "Nie alleine sein"

- Personal Information Management:

"Alles nötige dabei haben"

- Location Based Services:

"Nie die Orientierung verlieren"

Mögliche mobile Dienste der Verlage müssten sich an ihren jeweils spezifischen Kompetenzen und den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Auf der Habenseite stünden bei Verlagen vor allem ihre regionale Kompetenz, ihre engen Geschäftsbeziehungen zu allen regional relevanten Gruppen, ihre bekannte, in der Regel positiv besetzte Marke, ihr Zugang zum Consumer-Markt, ihre Inhalte und ihre technische Kompetenz. Der Umfang der mobil relevanten Inhalte eines Verlages sei jedoch begrenzt: "Textlastige Angebote sind nicht konsumierbar. Und Bilder und Text lassen sich mobil schwer kombinieren."

Erfolgsrezept: Inhalte plus Werbung plus Strategie

Rein mit Inhalten können Verlage nach Einschätzung von Kirchner kaum Geld verdienen. Hinzu kommen müsse eine Kapitalisierung der Kundenbeziehungen, etwa durch ergänzende mobile personalisierte Werbung. Insgesamt erscheine bei zielgerichteter strategischer Planung ein "profitables Geschäft in bescheidenem Rahmen" möglich. Derzeit bestünden sogar besonders günstige Einstiegsverhältnisse, da die Carrier aufgrund ihrer hohen Investitionskosten schnellstmöglich attraktive Angebote aufbauen müssten, was das bei den Content-Anbietern verbleibende notwendige Investitionsvolumen in den niedrigen fünfstelligen Bereich drücke. Dies ermögliche den Verlagen im günstigsten Fall einen Return of Investment innerhalb weniger Monate, in jedem Fall aber einen frühen Einstieg in die Lernkurve zu günstigen Bedingungen.

Susett Heise, Teamleiterin Content bei i-mode von E-Plus, erläuterte das Konzept der Kooperation mit Content-Partnern. Generell habe es in Deutschland Anfang 2002 57 Millionen Mobilfunkkunden gegeben, 15 bis 18 Millionen Verträge liefen im Jahr 2002 aus. 51 Prozent aller Handynutzer dächten über einen Wechsel nach. In dieser Situation gewinne der Zeitvorteil von Innovationen an Wert. E-Plus gedenke diesen Vorteil mit i-mode zu nutzen. Insgesamt wachse der Mobilfunkmarkt in Deutschland nur noch langsam. Die größte Chance im gesättigten Markt sei die Entwicklung neuer Non-Voice-Services, deren Umsatzanteil überproportional wachse.

"Prinzipiell steht es natürlich jedem Anbieter frei, i-mode-Inhalte anzubieten. Als Kooperationspartner von E-Plus kann man jedoch von unserer Erfahrung, vom abgesprochenen Clickstream, der Einbindung ins Portal und der Übernahme des Billing profitieren", erläuterte Heise. Die Konditionen sind einfach: i-mode-Inhalte kosten den User zwei Euro pro Monat und Angebot. 14 Prozent davon bleiben bei E-Plus, 86 Prozent erhält der Content-Anbieter. Anfang Juni konnten i-mode-User unter 92 Inhalte-Angeboten wählen, 27 weitere befanden sich in der Testphase. Ende Mai 2002 hatte i-mode in Deutschland 27.400 Nutzer.

Location Based Services: Forschungsprojekt Mobilitätsportal

"Location Based Services", kurz LBS, die Usern zum Beispiel helfen, in einer fremden Stadt die nächste Tankstelle zu finden, gelten als Hoffnungsträger für mobile Datendienste. Mobilfunkbetreiber jonglieren mit imaginierten Milliardenumsätzen. Doch noch steckt das Geschäft in den Kinderschuhen. Die Technologie steht dagegen bereit, wie Horst Niederheide von der MDI Media Dynamics Ingenieur GmbH anschaulich demons-trierte. Aus seiner Sicht geht es bei LBS um "kanalunabhängige Übertragung georeferenzierter Inhalte für den aktuellen Standort des Nutzers".

Beim vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt "DOM" ("Der orientierte Mensch") konnte MDI schon einmal zeigen, wie ein derartiges "Mobilitätsportal" aussehen könnte. Registrierte User haben über das Internet wie über verschiedene mobile Endgeräte Zugriff auf eine persönliche Reisemappe zur Reiseplanung, auf Karten, Routenplaner und Fahrpläne. Ein Preis- und Zeitvergleich zwischen Bahn und PKW ist ebenso verfügbar wie ein Staumelder, der bei Bedarf über die aktuelle Situation auf den Straßen informiert. Vor Ort in einer fremden Stadt erleichtert DOM die Suche nach Hotels, Restaurants, Kinos, Parkmöglichkeiten oder Bushaltestellen.

Für Niederheide könnten die gesammelten Erfahrungen und die aufgebaute Technik Zeitungsverlagen dabei helfen, eigene LBS-Dienste aufzubauen. Eine ideale Ergänzung seien diese beispielsweise für Veranstaltungskalender. Auf Community-Seiten könne man sie zum Auffinden von Freunden einsetzen. Bei Branchenverzeichnissen sei der Mehrwert selbsterklärend, ebenso bei kontextbezogener Werbung, die jederzeit in dynamisch generierte Karten eingeblendet wer-den könne.

Besonderes Augenmerk widmete Niederheide der Aufwertung von Online-Rubrikenmärkten. Anzeigen mit Adresse könnten optional georeferenziert werden. Dies ermögliche die Darstellung der Infrastruktur um diesen Standort, den Versand von Routenplanungsdaten an Nutzer, die Einblendung von Werbung, die passende Darstellung von Gebietsinformationen und die Realisierung einer echten Umkreissuche. Niederheides Fazit: "LBS-Dienste eignen sich zur Erlössteigerung bei der Schaltung von Anzeigen."

Für welche LBS-Dienste Enduser letztlich bezahlen werden, ist noch nicht ausgetestet. Nach Einschätzung von Niederheide wird für Service-Dienstleistungen wie Routenplanung oder Fahrplanauskünfte wohl kaum jemand den Geldbeutel öffnen, ebenso wenig für aktuelle Nachrichten oder Zugriff auf das Branchenverzeichnis. Chancen sieht er jedoch für personalisierte Dienste, Kommunikation mit Freunden oder Spezialinformation, die bei Bedarf abgerufen werden kann (zum Beispiel "Sightseeing" mit Handy oder PDA).

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