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19. Juli 2006 | Digitales

Von der Such- zur Annoncenmaschine

Google Base zielt auf lokale Zeitungsmärkte

Der Wettbewerb um das regionale Online-Rubrikengeschäft der Zeitungsverlage könnte sich durch den Deutschland-Start von Google Base weiter verschärfen. Mit Base hat Google sein Serviceangebot auf das kostenlose Schalten von Annoncen ausgeweitet. Seit mehr als einem Monat ist der Dienst nun auch in Deutschland verfügbar. Wegen der enormen Reichweite von Google und der zunehmenden Nutzung des Webs zur Informationssuche räumen Experten dem Suchmaschinenbetreiber ein großes Potenzial im Online-Anzeigenmarkt ein. Entsteht hier ein neuer Gigant in Sachen Online-Anzeigen? Droht den Zeitungsverlagen neue Konkurrenz?

Google Base war vor rund einem halben Jahr in den USA an den Start gegangen und hatte unter Konkurrenten wie Microsoft, eBay und Yahoo für große Unruhe gesorgt. Google ermöglicht es Nutzern, kostenlos im Web zu annoncieren. Die Finanzierung soll über Google-AdWords erfolgen. Die Web-Datenbank kann mit beliebigen Inhalten gefüllt werden: von Artikeln über Klein­anzeigen bis Jobangeboten. Einige Bereiche werden zwar vorgegeben, aber diese lassen sich beliebig er­weitern. Da es keinerlei Beschränkun­gen bei den Datenarten gibt, lassen sich z.B. auch Kurse, Events, Personenprofile, Rezepte, Lexikonein­träge, Services, Fahrzeuge und ge­wünschte Werbeanzeigen in Google Base einge­ben. Alle Datenbankeinträge können mit "Tags" (Schlag­worten) versehen werden, damit diese von ande­ren Nutzern leicht gefunden werden können. Zur Nutzung des Dienstes benötigt man ein kostenlo­ses Google-Konto. Die in der Daten­bank enthal­tenen Informationen können auch über die nor­male Google-Suche, Google Maps sowie über die Produktsuche Froogle gefunden werden.

Schon länger wird darüber spekuliert, ob Google Base den etablierten Kleinanzeigen­märkten das Wasser abgraben wird. Google streitet das bisher ab. Marktbeobachter sehen in Google Base den ersten Schritt in den alleine in den USA 100 Milliarden Dollar schweren Anzei­genmarkt. "Es ist klar, dass Google den Launch eines Kleinanzeigen-Produkts plant", meint Peter M. Zollman, Herausgeber des Bran­chen-News­letters Classified Intelligence Report. Google hat aufgrund der Bekanntheit das Po­tenzial, Umsätze von regionalen und lokalen Me­dien abzuziehen. Google Base wird damit zum Konkurrenten von Tageszeitungen, aber auch von Anbietern wie eBay und Craigslist.

Wolfgang Schmitz-Vianden, On­line-Projektleiter beim „General-Anzeiger“ in Bonn sieht in allen Angeboten, die Nutzer von den ei­genen Websites abziehen, eine Bedrohung. Gemäß der Devise "all Business is local" sei Google Base ernst zu nehmen. Zeitungsverlage müssten Google etwas entgegensetzen. Aufgrund der Schwächen in der Navigation und bei den Suchergebnissen sieht Kalaydo-Geschäftsführer Joachim Vranken, dass Base „derzeit noch nicht den Qualitätswettbewerb zu den bestehenden Rubrikenmärkten standhal­ten kann.“ Holger Albaum, Leiter Multimedia der Verlagsgruppe Rhein-Main in Mainz, kann die direkten Folgen durch Google Base noch nicht abschätzen. Albaum sieht aber klare Vorteile der lokalen Medien. "Zeitungsnahe Marken besitzen bei den Usern immer noch mehr Seriosität und Glaubwürdigkeit." Die crossmediale Vernetzung sei ein Pfund, mit dem Google nicht wuchern könne.

Die deutschen Zeitungsverlage haben sich mittlerweile auf dem hart umkämpften Online-Anzeigenmarkt gut positioniert. Neben dem er­folgreichen Start von Kalaydo (siehe Artikel Seite 1) haben einige Verleger in Baden-Württemberg den Online-Kleinanzeigenmarkt wikibuy.de ge­gründet, um ihre Marktpräsenz zu stärken. Unter mvweb.de betreiben die drei führenden Regional­zeitungen in Mecklenburg-Vorpommern das größte Immobilienportal des Landes. Bereits im Sep­tember 2005 startete der ISA-Zusammen­schluss der Verlagsgruppen Holtzbrinck, Ippen und WAZ das bundesweite Angebot markt.de. Inzwischen sieht sich ISA-Geschäftsführer Klaus Abele als Marktführer im jungen Segment. "Wir sind zuversichtlich, dass wir gegenüber Google Base eine gute Startposition haben.“ Mehr als 1,5 Millionen aktive Anzeigen zählte Abele zuletzt. Kooperationen mit Ly­cos, die den Kleinanzeigen­teil von markt.de in ihren Regional-Service '1001 Stadt' integriert haben, sollen eine flächende­ckende Präsenz in Deutschland versprechen.

Die „New York Times“ begegnet dem Kidnap­ping von Anzeigen kreativ. Sie stellte kurzer­hand tausende ihrer Immobilienanzeigen in Google Base ein, um die eigene Reichweite im Internet zu er­höhen.

Bei Google Base sind indes noch einige Prob­leme zu lösen. So liegt die Verantwortung bisher bei den eingebenden Anbietern und ist dezentral geregelt. Bei steigender Aktualität, sinkt zugleich die Qualität der Inhalte, weil eine neutrale Frei­gabe der Angebote fehlt. Google Base muss in Bezug auf illegale Angebote ständig überprüft werden. Dazu besteht die Gefahr, das eigene Business-Modell zu kannibalisieren. Wie attraktiv sind Links via AdSense, wenn eine kostenlose Möglichkeit be­steht, passende Annoncen über einen ähnlich dynamisch generierten Service zu platzieren? Im Gegensatz zu eBay verfügt Google Base bis­lang über keine Bezahlfunktionen. Ex­perten schließen daraus, dass Google mit dem jetzigen Angebot noch kein funktionierendes Ge­schäft­smodell hat. Das könnte sich aber schon bald ändern, wenn Google seinen neuen Bezahl­dienst „Checkout“ in Base integriert. Die Positio­nierung von Google Base als Verkaufs­plattform könnte damit vollzogen werden.

Google Base zielt auf die Online-Angebote der Zeitungsverlage. Die große Reichweite gepaart mit finanzieller Stärke, mit der Google technische Entwicklungen und Geschäftsmodelle vorantrei­ben kann, könnte eine Gefahr für die Online-Rubrikenmärkte der Zeitungen werden.

Quelle: ibusiness.de; kress.de; heise.de; focus.msn.de

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