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15. Mai 2012 | Allgemeines

Vertrauen, Nähe und Authentizität sind Erfolgsfaktoren für hyperlokale Angebote

BDZV/ZV-Konferenz „Total Lokal“ am 15. Mai in Berlin

Neue Anbieter drängen in die lokalen Märkte – die klassische Domäne der Tageszeitungen. Doch sind es nicht nur Facebook, Qype oder Foursquare, die die Zeitungshäuser vor Her-ausforderungen stellen. Lokale und sublokale Blogs genießen immer größere Beliebtheit. Wie die Verlage auf diese Entwicklungen reagieren können und ihren Heimvorteil – die Verwurzelung in der Region und deren Ge-meinschaften – nutzen können, stand im Zentrum der BDZV/ZV-Konferenz „Total lokal“ am 15. Mai 2012 in Berlin.

BDZV-Konferenz Total Lokal:

Dabei präsentierte die Medienjournalistin Ul­rike Langer Ergebnisse einer neuen BDZV-Stu­die zu hyperlokalen Trends. Ihr Credo: Für Zei­tungsverlage lohnt sich eine Kooperation mit un­abhängigen hyperlokalen Portalen. So könnten Zeitungswebsites in einem Netzwerk auf lokale Blogs und Portale verlinken und dadurch The­mengebiete und Orte abdecken, in denen die eigene Berichterstattung lückenhaft ist. Der Ver­lag profitiere von einer breiteren Themenfülle und gewinne an Reputation. Allerdings funktioniere ein solches Netzwerk nur, wenn sich die Partner auf gleicher Augenhöhe träfen und sich niemand übervorteilt fühle. Viele der von ihr untersuchten hyperlokalen Projekte in den USA würden sich einfacher Open-Source-Software bedienen und trotzdem beim Leser und den Anzeigenkunden hervorragend ankommen. „Vertrauen, Nähe und Schnelligkeit schlagen aufwändige Websites“, betonte Langer. Die BDZV-Studie zu hyperloka­len Trends erscheint Ende Juni 2012.

Beeindruckt waren die Teilnehmer vor allem von den Ideen, die sich Werner de Schepper, stellvertretender Chefredakteur der „Aargauer Zeitung“, für seine Leser hat einfallen lassen. Um den direkten Kontakt mit ihnen zu stärken, wur­den im gesamten Verbreitungsgebiet Geschäfts­stellen in „Zentren der Interaktion“ eröffnet: Ein­mal war dies zum Beispiel eine Gastwirtschaft, ein anderes Mal ein Sanitätsgeschäft. Ein ande­res Marketing-Instrument der Schweizer Zeitung: Leserwanderungen durch den Kanton, die von der Redaktion begleitet werden. Auf diesen Wan­derungen, die nach Scheppers Angaben bis zu 300 Teilnehmer zählen, kommen die Journalisten mit den Lesern ins Gespräch, erfahren von ihren Problemen und hören interessante Geschichten, über die sie auch in der Zeitung schreiben. „Die Wanderungen sind inzwischen Kult geworden und haben viele Unterstützer gefunden, die Es­sen oder Getränke für die Teilnehmer sponsern oder Anzeigen in der Zeitung schalten“, erläuterte de Schepper. Auf diese Weise habe die gewon­nene Lesernähe auch noch einen wirtschaftlich interessanten Nebeneffekt für den Verlag. Um den Leserkontakt zu intensivieren, ging die „Aar­gauer Zeitung“ auch in verschiedene Kneipen. „Daraus entstanden täglich ein bis zwei Seiten voller Geschichten.“

Auf das Thema Urlaub, Entspannung und Natur fokussiert sich seit einiger Zeit der „Nordkurier“ in Neubrandenburg mit dem Urlaubsportal www.Meckpomm.de. Wie dieses strategisch in das Gesamtkonzept des Verlags integriert wurde, erläuterte „Nordkurier“-Geschäftsführer Lutz Schumacher. Das Erfolgskonzept: Die Ver­knüpfung der Zeitungsreichweite – gedruckt, mobil und online – mit attraktiven Urlaubsange­boten auf der Reiseplattform, die für den Verlag durch Buchungsprovisionen und kostenpflichtige Hotelpräsenzen zusätzlichen Umsatz generiert.

Wie unabhängige lokale Blogs auch wirtschaft­lich überlebensfähig sind, wusste Philipp Schwörbel, Gründer von „Prenzlauer Berg Nach­richten“ aus Berlin, zu berichten. Unter dem Motto „Vom Kiez, für den Kiez, aus dem Kiez“ erzählen mehrere Dutzend Profijournalisten auf der Website über Ereignisse um den Berliner Szene-Stadtteil. „Zeitungsredaktionen werden durch unsere Artikel auch auf Themen aufmerk­sam gemacht, über die sie dann in ihren Zeitun­gen schreiben. Das Web-Angebot selbst lässt sich auch gut vermarkten“, berichtete Schwörbel. Schließlich lebten in Prenzlauer Berg gut 150.000 Menschen und damit genauso viele wie bei­spielsweise in Heidelberg, „eine nicht uninteres­sante Größenordnung für werbende Unterneh­men“.

Kundenbeziehung pflegen

Doppelt so groß wie das Verbreitungsgebiet der „Prenzlauer Berg Nachrichten“ ist mit 300.000 Einwohnern der Ostalb-Kreis mit den Zeitungen „Schwäbische Post“ und „Gmünder Tagespost“. Stefan Dierkes, Geschäftsführer von SDZ Druck und Medien, beschrieb die Verlagsstrategie für einen „digitalen Informations- und Kommunikati­ons-Marktplatz“. Dafür wurde Anfang 2012 die Website sublokal umstrukturiert. Für 84 Gemein­den und Stadtteile gibt es nun eigene Lokalsei­ten. In der neuen Rubrik „Hier schreibe ich“ kann jeder Nutzer eigene Kommentare oder Berichte veröffentlichen, ohne dass die Redaktion diese vorher freigeben muss. Wachsende Zugriffe er­hielten auch die neu eingerichteten Vereinssei­ten. Knapp 200 Clubs seien bisher der Einladung des Verlags gefolgt und hätten sich einen Zugang eingerichtet. Dort berichteten sie nun regelmäßig über ihre Aktivitäten.

„Die Kundenbeziehung ist das wertvollste, was wir haben“, erklärte Klaus Rieping, Geschäfts­führer der „Ibbenbürener Zeitung“. Mit einer Auf­lage von 21.000 sei die Zeitung per se hyperlo­kal. Jeden Werktag erreiche man 21.000 Men­schen. Die Haushaltsabdeckung liege bei 50 Prozent. Man habe das Nachrichten-Monopol für das Lokale und eine eingeführte Marke, der ver­traut werde. Diese Qualitäten müssten erhalten und auch auf die digitalen Angebote übertragen werden. Videoberichterstattung gehöre zur Kern­kompetenz der lokalen Redaktion. Aus diesem Grund habe man das lokale Videoportal „mazzTV.de“ gestartet. Aktuelle Berichterstattun­gen aus den Orten Hopsten, Hörstel, Ibbenbüren, Mettingen und Recke bilden den Kern des Ange­bots, das auch über SmartTV abrufbar sei.

Als lokale Alternative zu Groupon und Co. sieht Markus Hahmann von der Linnepe, Gründer und Geschäftsführer von Dealworx das Couponing-Angebot OecherDeal.de. „Oecher“ ist Dialekt und bedeutet „Aachener“. Seit Juli 2011 wird OecherDeal.de zusammen mit der „Aache­ner Zeitung“ betrieben. Das hat für beide Seiten Vorteile. So könnten vor allem die Vertriebs­strukturen des Verlags genutzt werden. Auch wird die Plattform über alle Angebote des Medi­enhauses beworben. „Seit Beginn der Koopera­tion stellt sich die Frage nach der Seriösität der Gutschein-Plattform nicht mehr“, so Hahmann von der Linnepe. Durch die Zusammenarbeit gelte OecherDeal beim Kunden als zuverlässiger Partner. Weiterer Pluspunkt: Das Portal verstehe sich anders als beispielsweise Groupon „nicht als Schnäppchenportal, sondern als Instrument zur Kundengewinnung“.

Ort: Berlin

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