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04. Juni 2009 | Allgemeines

Verlage verlangen umfassendes Leistungsschutzrecht

BDZV-Konferenz zum Urheberschutz und zur Vermarktung von Online-Inhalten

Bei der Forderung nach einem Leistungsschutzrecht für die Presse waren sich die Experten auf dem Podium einig. In anderen Bereichen, zum Beispiel bei Sendeunternehmen oder Konzertveranstaltern, gebe es bereits eine entsprechende rechtliche Grundlage. Mehr als 50 Teilnehmer nahmen am 3. Juni 2009 an der BDZV-Konferenz „Urheberschutz und die Vermarktung von Online-Inhalten“ in Berlin teil. Mit den Konferenzteilnehmern wurde darüber diskutiert, wie Verlage ein Unrechtsbewusstsein für den Diebstahl ihres geistigen Eigentums schaffen können, wie Rechteverletzungen verfolgt und wie ein Lizenzmodell etabliert werden kann.

IMG 0163-MailGeorg Wallraff, Bereichsleiter Personal und Recht bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, informierte zunächst über Urheberrechte, Lizenzpflichten und Rechteverfolgung. Die Verlage müssten dafür sorgen, dass ihnen für eine Verwertung die entsprechenden Nutzungsrechte an den Beiträgen eingeräumt werden. Mit Nachdruck müsse deutlich gemacht werden, dass die genehmigungslose Nutzung von geistigem Eigentum rechtliche Konsequenzen nach sich ziehe.

Holger Kansky, Multimedia-Referent des BDZV, zeigte anhand von typischen Fallbeispielen, wie Zeitungsartikel ohne jede Genehmigung auf Internetseiten von Unternehmen veröffentlicht werden. Textdiebe nutzten Zeitungsinhalte vor allem dazu, die eigenen Reichweiten zu steigern, Aktualität nachzuweisen, den eigenen Verkauf zu unterstützen oder als Marketingmaßnahme für eigene Geschäftszwecke. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAGerald Mauler, Geschäftsführer Dokumentations- und Informationszentrum München GmbH (DIZ), erläuterte die Rechteverwertung und –verfolgung bei der „Süddeutschen Zeitung“. Das DIZ ist als exklusiver Inhaltevermarkter elektronischer Medien für die „Süddeutsche Zeitung“ tätig. Durch Rechteverfolgung könne die Marke geschützt werden und dass Unrechtsbewusstsein gestärkt werden. Vor allem gehe es aber darum, neue Kunden zu gewinnen und Umsätze zu steigern. Bei der Rechteverfolgung arbeite man verlagsübergreifend in der Arbeitsgemeinschaft Copyright der Presse mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Gruner+Jahr und dem „Handelsblatt“ zusammen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAUrheberrechtsverletzungen waren auch der Auslöser für die Initiative des Weltzeitungsverbands (WAN), den offenen Standard „Automated Content Access Protocol (ACAP) zu entwickeln. Medienunternehmen werfen Suchmaschinenanbietern vor, dass bei der Suche nach neuen Nachrichten mehr abgegriffen wird, als vom Anbieter eigentlich vorgesehen und erlaubt wird. Larry Kilman, Director of Communications and Public Affairs der WAN, stellte in diesem Zusammenhang ACAP als Lösung für das Problem dar. Mit der Filter-Software für Verlage soll Zeitungsverlagen mehr Kontrolle darüber gegeben werden, was Suchmaschinen mit ihren im Web veröffentlichten Inhalten anstellen. Die Integration von ACAP in Zeitungswebsites sei einfach und kostenlos umzusetzen. Je mehr Verlage sich beteiligten, umso mehr Druck könne auf die Suchmaschinen ausgeübt werden, die ACAP-Befehle zu befolgen.

P1010150 minMit Hilfe des US-amerikanischen Online-Monitoring-Dienstleisters Attributor sei es möglich, die Nutzung von redaktionellen Online-Inhalten zu ermitteln, erläuterte Meinolf Ellers, Geschäftsführer dpa-infocom. Die Software zeige, wo und wie ein bestimmter redaktioneller Inhalt im Web genutzt werde. Es könnten Verletzungen von Copyrights aufgedeckt und Rechteinhaber in der Wahrung ihrer Interessen unterstützt werden. Attributor sei für Redaktion, Vertriebs- und Marketingabteilung und für die Rechtsabteilung gleichermaßen wertvoll. Darüber hinaus habe Attributor ein Konsortium mit mehr als 20 Publishern gegründet, um mit Google und anderen Online-Werbevermarktern Open Syndication als neuen Web-Standard zu etablieren. Webseitenbetreiber, die fremde Verlagsinhalte nutzen wollen, dürften das tun, solange sie einen Widget-Code in ihre Websites einbinden. Mit Hilfe dieses Widget-Codes kann auch auf fremden Seiten Werbung eingeblendet werden. Die dpa will die Attributor-Plattform auch Zeitungsverlagen für ihre Online-Angebote zur Verfügung stellen.

P1010139 min querChristoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG, forderte ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Die Angebote der Verlage seien nur durch einen hohen finanzi­ellen Aufwand bei der Herstellung und Verbreitung von Inhalten möglich. Für die Inanspruchnahme dieser Leis­tungen müsse es einen sachgerechten Ausgleich geben. Voraussetzung dafür sei ein umfassendes Schutzrecht. Verlage hätten bislang kein eigenes Leistungsschutzrecht. Anderen Werkmittlern gewähre das Urheberrecht aber schon jetzt umfassende Leistungsschutzrechte. So erhielten Tonträgerhersteller, Sendeunternehmen, Filmhersteller und Konzertveranstalter zusätzliche Einnahmen auf Basis eines Leistungsschutzrechtes. Ein eigenes Leistungsschutzrecht biete einen besseren Rechtsschutz durch ein unbestreitbares originäres Recht. Dies müsse auch für Presseun­ternehmen garantiert sein.

Die Konferenz wurde von dem Düsseldorfer Unternehmensberater und Publizisten Werner Lauff moderiert.

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