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01. Februar 2007 | Digitales

Verlage bündeln Redaktionskompetenzen

News-Desks sollen Qualität und Reichweite der Verlagsprodukte steigern

Immer mehr Zeitungsverlage tauschen klassische Ressort-Organisationen gegen Newsdesk-Modelle aus. Dabei werden Nachrichten gleichzeitig für unterschiedliche Ausgabekanäle wie Print, Online, Mobiles oder IP-TV produziert. Der einzelne Journalist arbeitet nicht nur für ein Medium, sondern bereitet sein Informationsmaterial für alle Kanäle auf. Die Arbeitsorganisation soll die journalistische Qualität der Produkte steigern, indem sie Kommunikation und Arbeitsabläufe vereinfacht sowie ressort- und medienübergreifendes Denken und Handeln fördert.

Die Unternehmensgruppe M. DuMont Schau­berg hat seit Anfang des Jahres mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" eine Crossmedia-Plattform ge­startet. Der Verlag will damit seinen Zeitungsle­sern und Usern mehr Informationen, ein schärfe­res Profil und ein aufeinander abgestimmtes mul­timediales Angebot bieten.

Der Internetauftritt (www.ksta.de) samt In­ternetfernsehen (ksta-tv) sowie die gedruckte Zeitung werden seit dem 12. Januar 2007 von einem gemeinsamen Redaktionsteam gesteuert. An dem sogenannten "News Desk" sitzen Nach­richtenredakteure gemeinsam mit Kollegen aus der Internet-Redaktion und lenken die einlaufen­den Informationen in die verschiedenen Kanäle.

Stärker als bisher werden aktuelle Interviews oder Berichte unmittelbar nach ihrer Fertigstel­lung online zu lesen sein. Damit intensiviert der „Kölner Stadt-Anzeiger“ seine Strategie, das In­ternet als gleichwertigen Informationsweg zu nut­zen. „Das Medium Internet bietet eine große Chance, weil wir dort eine neue Leserschaft, aber auch neue Anzeigenmärkte erschließen. Wir wollen unseren Lesern und unseren Anzeigen­kunden auf allen heute verfügbaren Vertriebswe­gen moderne, attraktive Angebote machen“, sagt Redaktionsgeschäftsführer Konstantin Neven DuMont.

Axel Springer: Vier Blätter, vier Kanäle, ein Newsroom

Nach fünf Monaten Planung und Bauzeit eröff­nete am 17. November 2006 die Zeitungs­gruppe Welt/Berliner Morgenpost der Axel Sprin­ger AG Deutschlands größten integrierten News­room. Zwei Websites (www.welt.de und www.morgenpost.de), drei Tageszeitungen (Welt, Welt kompakt, Berliner Morgenpost) und eine Wo­chenzeitung (Welt am Sonntag) werden in einem crossmedialen Groß­raumbüro des Springer-Hochhauses in Berlin produziert. Auf 408 Quadratmetern sind 56 Ar­beitsplätze mit 65 Flachbildschirmen unterge­bracht. In diesem zentralen Newsroom werden alle Inhalte gebündelt und verschiedene Print- und Online-Medien produziert. Die Zeitungs­gruppe will sich auf das verän­derte Mediennut­zungsverhalten einstellen und jüngere Zielgrup­pen mit einem hohen Informati­onsbedürfnis noch schneller erreichen. Verant­wortlich für das Ange­bot sind die drei Chefredak­teure der Gruppe: Christoph Keese (Sprecher der Chefredakteurs­runde; Welt am Sonntag / Welt.de), Thomas Schmid (Welt, Welt kompakt) und Carsten Erd­mann (Berliner Morgenpost, Morgenpost.de).

An den vier von den Chefredakteuren koordi­nierten Produktionstischen (Politik, Wirtschaft, Lokales, Vermischtes) beobachten die Redak­teure die aktuelle Nachrichtenlage, sammeln, bewerten und verarbeiten alle Informationen und produzieren ihre jeweiligen Medien. Der News­room beginnt seine Arbeit morgens um sechs Uhr für welt.de und beendet sie in der Nacht gegen 0:30 Uhr, wenn die letzte Ausgabe von "Welt kompakt" belichtet wird. Die Texte und alle Ser­vice-Angebote werden mit Hilfe einer Content-Datenbank über die vier Verbreitungswege On­line, Print, Mobile und Internet-TV Lesern und Nutzern zur Verfügung gestellt. "Dass wir alle Medien aus einem gemeinsamen Newsroom heraus machen, belegt die Innovationskraft der Gruppe. Qualitätsjournalismus ist nicht mehr nur ans Papier gebunden. Wir wollen die Nachrich­ten, die wir recherchieren, und die Geschichten, die wir erzählen, einem breiten Publikum auf je­dem technisch möglichen Weg liefern", erläutert Christoph Keese.

Mit dem Newsroom forciert der Verlag außer­dem die Internet-Offensive: „Online first!“ Die Artikel der Redaktion werden künftig gleich nach ihrer Fer­tigstellung online veröffentlicht und nicht mehr für die Print-Ausgabe des Folgetages reser­viert. Jeder der mehr als 400 Journalisten der Zei­tungsgruppe Welt/Berliner Morgenpost wird durch die frühe Veröffentlichung seiner Beiträge im Internet zum Online-Redakteur. "Erst­malig ist nahezu eine Echtzeitinformationsstrate­gie für unsere Titel möglich. Dadurch werden beste­hende sowie neue Zielgruppen stärker an die Marken gebunden", erklärt Peter Würtenber­ger, Verlagsgeschäftsführer Zeitungsgruppe Welt/Berliner Morgenpost.

Der Doppel-Newsdesk der Rheinischen Post

Seit Juni 2006 hat die „Rheinische Post“ (Düs­seldorf) ihre Print- und Online-Redaktion räumlich auf 1.000 Quad­ratmetern zusammengefasst. RP-Online (www.rp-online.de) arbeitete bislang eigen­ständig. Anders als im Haus Axel Springer sind bei der „Rheinischen Post“ die Print- und Online-Redaktion nicht vollständig verschmolzen. Es gibt zwei separate Newsdesks.

Am Print-Newsdesk mit zwölf Arbeitsplätzen sitzen die Blattmacher aller aktuellen Ressorts (Politik/Wirtschaft/Vermischtes/Sport) sowie Chefredakteur, Fotoredakteur und mindestens ein Volontär. Am Kopf des Print-Desks sind elf Flachbildschirme zur Darstellung der Zeitungs­seiten während der Produktion angebracht, ein­gerahmt von zwei Plasmabildschirmen sowie Beamer und Videoleinwand.

Etwa fünf Meter entfernt befindet sich der On­line-Newsdesk mit acht Arbeitsplätzen. Am Kopf des Online-Newsdesks sind fünf Flachbildschirme angebracht. An den Bildschirmen können die allgemeine Nachrichtenlage und insbesondere die Berichterstattung der Konkurrenzmedien mit­verfolgt werden. Auch die Zugriffszahlen der On­line-Artikel werden ständig angezeigt. Sie geben sowohl der Online-, als auch der Print-Redaktion Hinweise für Themen­gewichtungen.

An den Newsdesks werden rund um die Uhr Nachrichten für Tageszeitung, Internet und Handy produziert. 20 Print- und Online-Redakteure ent­scheiden Seite an Seite über die Gestaltung der Zeitung und des Internet-Portals. Strategisch werden „Rheinische Post“ und RP Online von einem Chefredakteursteam geführt: Sven Gös­mann zeichnet für die „Rheinische Post“ verant­wortlich, Oliver Eckert für RP Online. Die opera­tive Verantwortung der einzelnen Medien liegt beim jeweiligen Chefredakteur. Die Vorteile des Doppel-Newsdesks bestehen laut Eckert in der Arbeitserleichterung durch kürzere Wege, schnellere Entscheidungen und einem besseren Qualitätscheck.

„Statt Abteilungsegoismen zu pflegen, denken wir themenorientiert. Wir organisieren unsere Arbeit um die Nachricht, nicht um ein einzelnes Medium“, so Oliver Eckert. Das Modell der The­menteams verankere den Crossmedia-Gedanken in den Ressorts. Dies habe sich während der Fußball-Weltmeisterschaft bewährt und soll auch in Zukunft ausgebaut werden.

Newsdesk bei der „Saarbrücker Zeitung“

Die Redaktion der „Saarbrücker Zeitung“ ar­beitet seit Februar 2006 in einer neuen Struktur. Hierzu wurde ein großer Newsroom für die Pro­duktion der Mantelseiten eingerichtet und zusätz­lich ein Newsdesk, an dem alle lokalen, regiona­len und Mantel-Sportseiten zentral in Saarbrü­cken produziert werden. Die Produktion der Sei­ten wurde personell gestrafft. Der Reporterpool wurde gleichzeitig von zwei auf vier Personen verstärkt. Wegen dieser personellen Verlagerung habe es keine Stellenkürzungen gegeben. „Mit den strukturellen Veränderungen wollen wir die Produktivität bei der Gestaltung von Mantelseiten steigern und mehr Zeit für Recherche gewinnen, um so den Anteil der Eigenbeiträge und die Qua­lität im Blatt deutlich erhöhen zu können“, so Chefredakteur Peter Stefan Herbst.

Newsdesk bei der „Main-Post“

Als eine der ersten Regionalzeitungen in Deutschland hat die Verlagsgruppe Main-Post (Würzburg) einen Newsdesk eingeführt. Anfang 2003 teilte man die redaktionellen Mitarbeiter in Blattmacher und Schreiber auf. Die sechs bis acht Blattmacher am Newsdesk planen und ge-stalten die gesamte Ausgabe und dirigieren die fünf diensthabenden Reporter. Dafür wurden die klassischen Ressorts aufgelöst. Die Mantelres­sorts “Politik”, “Wirtschaft”, “Aus aller Welt” sowie “Franken und Bayern” laufen seitdem am News­desk “Aktuelles” zusammen. Für die Lokalredak­tionen Würzburg-Stadt, Würzburg-Land, Och­senfurt, Tauberbischofsheim sowie die Lokalre­daktionen der “Main-Post”-Tochter “Volksblatt” ist der Newsdesk “Würzburg” verantwortlich.

Im April 2004 wurde am Newsdesk “Aktuelles” dann noch eine weitere Stelle eingerichtet. Der so genannte Print-Online-Koordinator schreibt aktu­elle Nachrichten für das Internet, erstellt und ver­schickt täglich einen E-Mail-Newsletter und orga­nisiert Abstimmungen.

IfraNewsplex: Von der Print- zur Multimediaproduktion

Bei der Einrichtung eines Newsdesks unter­stützt die internationale Fachvereinigung für Druck- und Redaktionstechnik (Ifra). Das als Marke eingetragene Modell „IfraNewsplex“ wird seit 2002 an der University of South Carolina in einer Versuchsredaktion erprobt. Zeitungsver­lage, die einen Newsdesk einführen wollen, simu­lieren und gestalten mit dem IfraNewsplex-Pro­gramm die zukünftigen crossmedialen Arbeits­formen: "Die wichtigsten Elemente der Umges­taltung sind eine fundierte Analyse, definierte Ziele, eine klare Strategie und die Mitarbeiter in der Redaktion", erkärt Dietmar Schantin, Direktor des IfraNewsplex-Programms. Experten aus den Fachgebieten Medien, Training und Organisati­onsgestaltung helfen bei der Umgestaltung. Schulungen werden in den beiden Trainingszent­ren (USA und Deutschland) oder auch im jeweili­gen Verlagshaus abgehalten. Das IfraNewsplex-Modell angewendet hat unter anderen der Verlag Axel Springer.

Newsdesk-Modell setzt sich durch

In den vergangenen Jahren hat das Newsdesk-Modell in vielen Verlagen Einzug gehalten. Einen Newsdesk eingeführt oder geplant haben unter anderen folgende Zeitungsverlage: „Braun­schweiger Zeitung“, „Passauer Neue Presse", „Oberbayerisches Volksblatt“ (Rosenheim), „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (Essen) „Westfälische Nachrichten“ (Münster), „Münsteri­sche Zeitung“, „Ruhr Nachrichten“ (Dortmund), „Südkurier“ (Konstanz), „Allgemeine Zeitung“ (Mainz), „Trierischer Volksfreund“, „Neue Osna­brücker Zeitung“.

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