Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

09. Dezember 2002 | Allgemeines

Verlage brauchen bessere Rahmenbedingungen!

Podiumsdiskussion von DeutschlandRadio und BDZV

Die Zeitungsbranche werde sich in absehbarer Zeit wieder konsolidieren, sagte Helmut Heinen, Präsident des BDZV, am Abend des 3. Dezember 2002 in Berlin. Voraussetzung dafür seien allerdings Erleichterungen bei den politischen Rahmenbedingungen.

Anlässlich einer gemeinsam vom DeutschlandRadio Berlin und dem BDZV veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema „Zeitung der Zukunft – Zukunft der Zeitung. Wege aus der Medienkrise“ kritisierte Heinen die Gesetzgebung der vergangenen Jahre. Allen voran die Novellierung des 630-Mark-Gesetzes, aber auch das Betriebverfassungsgesetz, das Scheinselbstständigkeitsgesetz und das Urhebervertragsrecht brächten die Zeitungen wie die Medienbranche insgesamt in immer stärkere Bedrängnis. „Zeitungen sind nicht beliebig belastbar“, warnte der BDZV-Präsident. Bei den jüngst vom Bundesrat in den Schlichtungsausschuss überwiesenen so genannten Hartz-Gesetzen sollten auch die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse im Interesse einer funktionsfähigen Zeitungszustellung noch einmal ganz neu aufgerollt werden.

 

Die Expertenrunde, an der neben Helmut Heinen auch Peter Asmussen, Geschäftsführer Märkische Verlags- und Druck GmbH, Potsdam; Ulrich Reitz, Chefredakteur „Rheinische Post“, Düsseldorf; Sebastian Turner, Geschäftsführer Werbeagentur Scholz & Friends, Berlin; und Monika Zimmermann, Chefredakteurin „Mitteldeutsche Zeitung“, Halle, teilnahmen, war einer der Höhepunkte in einer dem Thema „Zeitungen“ gewidmeten Hörfunkserie des DeutschlandRadios.

 

Haben die Zeitungen etwas falsch gemacht?, fragte Moderator Ernst Elitz, Intendant des DeutschlandRadios. Und wenn ja, was wollen sie in Zukunft tun, um diese Situation zu beheben und weiter erfolgreich zu sein? „Zeitungen sind und bleiben gute Werbeträger“, erklärte dazu Werbeexperte Sebastian Turner. Allerdings müssten sie sich darauf einrichten, dass die rubrizierten Anzeigen langsam aus den Blättern verschwinden. Im Grunde genommen sei es doch eine große Verschwendung, dass alle Leute in ihrer Zeitung beispielsweise alle Autoanzeigen bekämen, obwohl sie gar kein Auto suchten. Hier werde mit der weiteren Entwicklung des Internets ein Verlust von Erlösen eintreten, der jedoch überhaupt nichts mit der Qualität der Zeitung zu tun habe. „Widerspruch“, wendete dagegen Ulrich Reitz ein. Jede Zeitung biete dank hoher Reichweite, großer Glaubwürdigkeit und der Qualität des Leserpublikums den Werbetreibenden eine außerordentlich attraktive Zielgruppe. Die werde auch in Zukunft gesucht. Reitz selbstkritisch: „Wir müssen uns vielmehr überlegen, ob wir noch die richtigen Qualitäten für unsere Leser liefern. Sind wir noch der Lotse im Mediendschungel?“

 

Ähnlich argumentierte auch Monika Zimmermann: „Die Leute wollen heute etwas anderes von der Zeitung als noch vor zehn oder 20 Jahren.“ Die Chefredakteurin empfahl Konzentration auf Lebenshilfe, Service, kürzere Artikel und Erhöhung des „Nutzwertes“. Ihr Eindruck: „Der Leser bringt nicht mehr die Geduld auf, sich mit längeren Stücken in der Zeitung zu beschäftigen.“ Peter Asmussen schließlich wies darauf hin, dass die elektronischen Medien naturgemäß viel schneller bei der puren Nachrichtenübermittlung seien als die gedruckten Tageszeitungen. Vor diesem Hintergrund empfinde er es als nicht sinnvoll, auf der Seite eins – womöglich mit den gleichen Fotos – das noch einmal aufzuarbeiten, „was wir im Fernsehen schon gesehen haben“. Leider werde dies von den Zeitungen nicht immer beherzigt. Den Leser interessiere das, wo er auch persönlich betroffen sei. „Da muss die Zeitung ihn abholen“. Ein Beispiel: „Was bedeutet die Steuergesetzgebung für mich ganz persönlich?“

 

Noch bis zum 22. Dezember strahlt das DeutschlandRadio rund 60 Interviews und Reportagen über Zeitungsmacher und Zeitungsleser, Verlage und Redaktionen aus. Eine Dokumentation aller Sendungen und den aktualisierten Sendeplan finden Sie im Internet unter www.dradio.de/dlr/themen/zeitungen/sendungen.html.

zurück