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12. November 2001 | Digitales

User vertrauen dem Internet – Journalisten sind misstrauisch

Studie der Online News Association: Zeitungen müssen ihre Glaubwürdigkeit besser herausstellen!

Rund 10.000 Fragebögen verschickte die Online News Association (ONA) Mitte des Jahres an Nordamerikanische Internetnutzer und Journalisten. Ziel war es herauszufinden, welchen Herausforderungen sich die traditionellen journalistischen Werte durch die digitalen Medien ausgesetzt sehen. Für Nutzer in den USA ist das Internet demnach genauso glaubwürdig wie andere Medien – für 13 Prozent sogar bereits die glaubwürdigste Nachrichtenquelle. Journalisten sorgen sich dagegen um ihr Berufsbild und die Qualität der online präsentierten Inhalte.

Howard Finberg, Co-Direktor der Studie der ONA, definierte Glaubwürdigkeit zunächst als „wahrgenommene Qualität“, die in den vier Formen „angenommene Glaubwürdigkeit“, „überlieferte Glaubwürdigkeit“, „Oberflächen-Glaubwürdigkeit“ und „erlebte Glaubwürdigkeit“ vorkomme. Generelle Annahmen verleiteten die Internetnutzer dazu, Internetangeboten von „.org“-Domainnamen eher zu vertrauen als Angeboten mit einem „.aol“-Domainnamen. Häufig aktualisierte Seiten seien glaubwürdiger als statische, gut besuchte Angebote glaubwürdiger als solche mit geringer Frequentierung. Eine wichtige Rolle spielten Empfehlungen von Dritten. Die Einschätzung von Freunden und Autoritäten (zum Beispiel positive Besprechung in einer Zeitung, Verlinkung von einer geschätzten Website, Auszeichnung mit einem Preis) habe großes Gewicht.

 

Stark zur Glaubwürdigkeit trägt die optische Aufmachung und auch die Markenbekanntheit einer Website bei („Oberflächen-Glaubwürdigkeit). So ergab sich bei der ONA-Untersuchung, dass User Angebote mit übersichtlicher Navigation per se für glaubwürdiger halten als verwirrende Seiten. Aus der Offline-Welt bekannte Marken haben einen Vertrauensvorschuss. Zitierte Quellen stärken die Glaubwürdigkeit, viele animierte Grafiken schwächen sie eher. Die eigene Erfahrung prägt die empfundene Glaubwürdigkeit stark: Wer schnell auf eine Serviceanfrage eine Antwort erhält, vertraut zum Beispiel dem Angebot stärker. Negativ wirken sich dagegen nicht funktionierende Verlinkungen im Web-Angebot aus, lange Ladezeiten und faktische Fehler in den Inhalten.

 

Während die US-Internetnutzer grundsätzlich keinen Unterschied zwischen der Glaubwürdigkeit von in traditionellen Medien und im Internet präsentierten Nachrichten machen, diskutieren Journalisten in den USA intensiv über Veränderungen durch das Medium Internet. Befürchtet wird vor allem, dass Quereinsteiger sich nicht an journalistische Standards halten. Finberg setzt hier auf das Qualitätsempfinden der Nutzer: „Am Ende wird sich Professionalität durchsetzen“.

 

Mit mehr Skepsis betrachtete Finberg die auf vielen Websites zu beobachtende enge Verquickung von Werbung und redaktionellen Inhalten: „Schauen Sie sich die Börsenkurse auf CBS-Marketwatch an. Dort finden sie Budweiser-Logos als Hintergrund. Ist das noch redaktioneller Inhalt? Oder ist das Werbung?“ Da sich Websites nicht allein mit Banner-Werbung finanzieren ließen, sei auch in Zukunft mit neuen Werbeformen zu rechnen, deren Zulässigkeit im Einzelfall abzuwägen sei. Finberg verwies in diesem Zusammenhang auf USA Today, die zum Teil Banner veröffentlichten, die den Platz von redaktionellem Inhalt einnehmen. Ein anderer Fall sei das Ressort „Special Sections“ der Star Tribune aus Minneapolis: Ein Klick auf „Fifty Plus Living“ oder „Great Vacations“ führe unmittelbar zu Online-Versionen von kommerziellen Verlagsbeilagen der Zeitung.

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