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18. August 2005 | Allgemeines

Unzumutbare Einschränkungen

Zeitungsverleger: Restriktionen der DFL gegen Sportjournalisten müssen weg!

Der BDZV hat am 10. August 2005 in Berlin die Deutsche Fußball-Liga (DFL) aufgefordert, sämtliche Restriktionen gegen Sportjournalisten unverzüglich aufzuheben. Anlass für den Protest der Zeitungsverleger sind die Medienrichtlinien der DFL für die Saison 2005/2006.

Das Regelwerk sieht unter anderem vor, dass Zeitungs- und Agenturjournalisten erst zehn Minuten nach Ende eines Bundesligaspiels in der so genannten Mixed-Zone die Spieler interviewen dürfen. Zuvor werden jedoch die Interviewwünsche der Live-Sender von Fernsehen und Hörfunk in der exklusiven "Flash-Zone" bedient.
Für die DFL gebe es offensichtlich Journalisten erster und zweiter Klasse, erklärte der BDZV. Mit dieser Regelung behindere der Fußballverband die Arbeit der Zeitungsjournalisten in unzumutbarer Weise. Gerade für den Produktionsprozess der Zeitung komme es auf jede Minute an. Außerdem habe sich am ersten Spieltag der Bundesliga bereits gezeigt, dass die Spieler zehn Minuten nach dem Abpfiff für die Zeitungsjournalisten gar nicht mehr zur Verfügung standen. "Die DFL muss erkennen, dass ihre kommerziellen Interessen spätestens da enden sollten, wo die Arbeit der Presse behindert wird", erklärte der BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.
Dies sei auch der Fall, wenn Fotografen durch die DFL-Medienrichtlinien gezwungen würden, während des Spiels, in der Halbzeitpause und bis zehn Minuten nach Spielende nur hinter den Toren zu arbeiten. Beanstandet werde ferner das Verbot der Live-Berichterstattung im Internet in Form von Fotos und Texten.
Der BDZV kritisierte, dass die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs immer stärker zu Lasten der Zeitungen und ihrer Leser gehe. Der Verlegerverband bekräftigte in diesem Zusammenhang auch seine Kritik an der FIFA: So würden 28 der vorgesehenen 64 Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr erst um 21.00 Uhr angepfiffen. Damit seien die Zeitungsredaktionen kaum noch in der Lage, ihren Lesern am nächsten Morgen umfassende Hintergrundberichte und Analysen zu bieten. Zu den Restriktionen der FIFA gehört auch der eingeschränkte Gebrauch des WM-Logos, des WM-Maskottchens "GoLeo VI" und des WM-Pokals.
Die Einschränkungen für die Presse kritisierten BDZV-Präsident Helmut Heinen und BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff auch in einem Schreiben an den Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga, Werner Hackmann. Betroffen seien sowohl die Fotografen, die sich nur noch hinter den Toren aufstellen dürften ("BDZV Intern" berichtete), als auch die Wortjournalisten, die aufgrund der aufgezwungenen und praxisfernen Verzögerungen gewünschte Gesprächspartner nach dem Spiel womöglich nicht mehr erreichen könnten. Heinen und Wolff kritisierten ferner das Verbot der Live-Berichterstattung im Internet in Form von Fotos und Texten. Dies sei eine unzumutbare Einschränkung und eine nicht zu akzeptierende Behinderung journalistischer Arbeit. Die BDZV-Vertreter hoffen, kurzfristig mit dem DFL-Präsidium zu einem Spitzengespräch zusammenzutreffen. Zwischenzeitlich hat es von Seiten der DFL auch ein Signal an den Verband der Sportjournalisten gegeben, wonach die Regelungen für Interviews nach Ende eines Fußballspiels geändert werden sollen.
"Die Bundesliga-Vereine, das WM-Organisationskomitee sowie die FIFA erwarten zu Recht, dass gerade die Zeitungen mit ihrer starken lokalen Verankerung auch jenseits der Spielbegegnungen das hohe Lied vom Fußball singen. Vor diesem Hintergrund sind die Einschränkungen absolut widersprüchlich", sagte Wolff. Der BDZV wies darauf hin, dass kein Medium Tag für Tag so intensiv über Fußball berichte wie die Zeitung.
Das wird bei den Fußball-Verantwortlichen offensichtlich nicht überall so gesehen. Während Christian Seifert, DFL-Geschäftsführer, in einem Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" äußerte, dass auch jene Medien, die keine Lizenzen gekauft haben - also Tageszeitungen - "wichtige Partner der Bundesliga" seien, prognostiziert der Medienchef des WM-Organisationskomitees, Gerd Graus, schon heute für die Fußball-WM 2006 stark beeinträchtige Arbeitsbedingungen: "Bei der WM wird kein Printjournalist zehn Minuten nach Abpfiff an die Spieler rankommen", zitiert ihn der "Tagesspiegel". Bis zu 20.000 Medienvertreter würden 2006 für die WM in Deutschland erwartet. "Wir werden scharf auswählen, wer von den deutschen Medien überhaupt ins Stadion kommt", sagte Graus. "Die Nachrichtenagenturen sind nun einmal wichtiger als kleine Regionalzeitungen". Die Erstverwerter hätten Vorrang.

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