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22. Juni 2007 | Allgemeines

Trends in der Presse weltweit: Auflagen und Anzeigeneinnahmen steigen

60. Kongress des Weltverbands der Zeitungen

Die Zukunftsperspektiven der Presse standen im Mittelpunkt des 60. Kongresses des Weltverbands der Zeitungen (WAN), der erstmals in Afrika stattfand. Unter dem Motto „Shaping the Future of the Newspaper“ („Die Zukunft der Zeitung gestalten“) erörterten vom 3. bis 6. Juni rund 1600 Verleger, Manager und Chefredakteure aus 105 Ländern in Kapstadt die jüngsten Trends der Branche.

imageswan masthead enParallel zu dem eher auf die wirtschaftlichen Aspekte der Zeitungsherstellung abzielenden Medien-Kongress widmete sich das 14. internationale Zeitungsverleger-Forum mehr der journalistischen Seite des Medien-Geschäfts. Dabei ging es auch um Fragen der Pressefreiheit, der Mediennutzung durch junge Leser sowie die aktuelle Lage der Branche. Auf einer Messe wurden zudem die jüngsten Produkte und Dienste der Industrie präsentiert. Dem in Paris ansässigen Weltverband WAN sind rund 18 000 Publikationen angeschlossen.

Im Jahr 2006 wuchsen die Zeitungsauflagen weltweit um 2,3 Prozent. Beträchtliche Zunahmen waren auch bei Einnahmen aus Anzeigen und Werbung zu verzeichnen, wie der WAN bekannt gab.Die Verkaufszahlen der Zeitungen konnten in Asien Europa, Afrika und Südamerika im Jahresvergleich Zuwächse verzeichnen und nur Nordamerika musste als einziger Kontinent einen Rückgang hinnehmen.

Die neuesten Daten der WAN-Studie "World Press Trends" zeigten, so der WAN, dass bei Auflagen und Anzeigeneinnahmen weltweit ein Zuwachs zu verzeichnen ist. Zudem erhalte das Zeitungslesen zusätzlichen Auftrieb durch die kostenlosen Tageszeitungen, und auch die Internetzeitungen weisen einen hohen Zuwachs auf. Wenn man die kostenlosen Tageszeitungen und die Bezahlzeitungen zusammen nimmt, stieg die globale Auflage im letzten Jahr um 4,61 Prozent und über fünf Jahre um 14,67 Prozent. Auf kostenlose Tageszeitungen entfallen jetzt fast acht Prozent der Gesamtauflage weltweit und 31,94 Prozent allein in Europa.

Die Anzeigeneinnahmen der Bezahlzeitungen stiegen im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr weltweit um 3,77 Prozent und um 15,77 Prozent innerhalb von fünf Jahren. WAN gab an, dass Zahlen über Werbeeinnahmen der Gratiszeitungen nicht vorliegen.

"Zeitungen in sich entwickelnden Märkten konnten einen sprunghaften Anstieg der Auflagen verzeichnen, und bereits voll entwickelte Märkte erweisen sich als äußerst beweglich in ihrer Anpassung an den Ansturm der digitalen Medien. Selbst in vielen fortgeschrittenen Ländern kann die Zeitungswirtschaft die Absatzhöhe beibehalten oder sogar steigern", sagte Timothy Balding, Chief Executive Officer des in Paris ansässigen WAN. "Gleichzeitig schöpfen die Zeitungen aber alle sich bietenden neuen Möglichkeiten der digitalen Vertriebskanäle aus, um ihr Leserzahlen zu erhöhen".

Die Zahlen zeigen Folgendes:

- Die Auflage von Bezahlzeitungen stieg im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr weltweit um 2,3 Prozent. Das entspricht einer neuen Spitze von mehr als 515 Millionen Exemplaren täglich. Unter Einbeziehung der Gratiszeitungen ergab sich ein Zuwachs von fast 556 Millionen, entsprechend einem Zuwachs von 4,61 Prozent gegenüber den Bezahl- und Gratiszeitungen im Jahr 2005.

- Die Gesamtauflage der zahlpflichtigen Titel der Tageszeitungen zeigte 2006 einen Zuwachs von weltweit 3,46 Prozent und 17,67 Prozent seit 2002, was einem Rekord von 11.207 Titeln entspricht. Die Zahl der Bezahl- und Gratiszeitungen insgesamt nahm 2006 um 4,33 Prozent und seit 2002 um 19,63 Prozent zu.

- Die Anzeigeneinnahmen der Zeitungen stiegen 2006 gegenüber dem Vorjahr um 3,77 Prozent und über einen Zeitraum von fünf Jahren um 15,77 Prozent.

Die vom WAN seit 1986 einmal jährlich durchgeführte Erhebung erfasst in diesem Jahr Informationen über alle Länder, in den Zeitungen herausgegeben werden.

Pressefreiheit bedroht

Die Pressefreiheit ist nach Ansicht des WAN weltweit durch Morde und Unterdrückung bedroht. Seit November 2006 seien 59 Medienvertreter getötet und zahlreiche andere wegen "Verrats" und "Extremismus" gerichtlich verfolgt worden, berichtete die Organisation in ihrem Halbjahresbericht zur Lage der Pressefreiheit. Irak bleibe mit 26 getöteten Berichterstattern der riskanteste Platz für Journalisten. In Europa wie auch den USA hätten neue Justizverfahren gegen kritische Medienvertreter erneut die Dringlichkeit für einen gesetzlich abgesicherten Quellenschutz klar gemacht. Am Vorabend des 60. Weltzeitungskongresses zeichnete der Verband ein düsteres Bild in Sachen Pressefreiheit. In vielen Ländern drohten Journalisten Haft, Mord oder tätliche Angriffe. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Die vergangenen sechs Monate haben erneut eine besorgniserregend hohe Todesbilanz für Journalisten und Medienmitarbeiter mit sich gebracht, sowohl in wie außerhalb von Konfliktzonen. In vielen Teilen der Welt herrscht noch immer eine Quasi-Straffreiheit (bei Übergriffen auf Journalisten) - vor allem in Zentral- und Lateinamerika, aber auch im vom Krieg zerrissenen Irak und in Russland."

Journalisten würden zudem durch administrative oder juristische Gängelei, willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen in ihrer Arbeit behindert. Als Beispiele zählt der Bericht Länder wie Ägypten, China, Simbabwe oder Vietnam auf. "Investigative Reporter erhalten weiter Todesdrohungen, ob sie auf Haiti oder in Kroatien arbeiten."

Anlässlich des Weltzeitungskongresses unterzeichneten die Verleger einen Appell, in dem die afrikanischen Regierungen aufgefordert werden, die Pressefreiheit zu achten. Denn diese sei eine entscheidende Bedingung "für die wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung". "In vielen afrikanischen Ländern - aber auch in Russland - zeigt sich, dass die weltweite Pressefreiheit nichts Selbstverständliches ist, sondern ein Gut, das wieder erstritten und verteidigt werden muss", sagte Valdo Lehari jr., der als Verleger des "Reutlinger General-Anzeigers" und Präsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbandes (ENPA) in Kapstadt war. Der Kongress verabschiedete eine "Tafelberg-Erklärung", deren Name auf das Wahrzeichen Kapstadts, den Tafelberg, anspielt. In dem Appell werden die Regierungen Afrikas aufgefordert, als "Angelegenheit von absoluter Dringlichkeit" sämtliche Restriktionen der Pressefreiheit aufzuheben, alle inhaftierten Journalisten unverzüglich freizulassen und jede Zensur-Maßnahme zu unterlassen. Afrika brauche dringend Pressefreiheit, betonte WAN-Präsident, Gavin O´Reilly. Denn nur unabhängige Medien seien ein Garant für die Kontrolle einer guten Regierungsführung und damit für die langfristige Verbesserung des Lebensstandards.

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