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20. Dezember 2000 | Digitales

Telekom-Flatrate im Kreuzfeuer der Kritik

Großhandels-Internetpauschale verlangt hohe Investitionen in den Netzausbau

Die von der Deutschen Telekom am 14. Dezember 2000 vorgestellte Internetpauschale für Großhändler kommt bei der Konkurrenz nicht gut an. "Das war ein Schnellschuss", so Paul-Peter Poch von Mediaways, dem Datennetzbetreiber für AOL. "Das Telekomangebot rechnet sich eigentlich für keinen Provider in Deutschland", sagt Addcom AG-Vorstandsmitglied Julian Riedlbauer.

Von einem "Scheinangebot" spricht Jürgen Grützner vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). "Die Konditionen bei der Flatrate bestätigen uns, den direkten Zugang über unser eigenes Netz zu suchen", so ein Sprecher von Viag Interkom. Interesse bekundete Debitel, "aber wir müssen erst überlegen, wie wir mit den Fußangeln umgehen".

Seit dem 15. Dezember bietet die Deutsche Telekom für 4.800 Mark pro Monat einen Anschluss mit 30 gleichzeitig belegbaren Telefonkanälen an. Rechnet man mit der von der Telekom als realistisch angesehen Zahl von vier Kunden pro Kanal, so ergibt sich ein monatlicher Einkaufspreis von 40 Mark pro Kunde (4.800 Mark geteilt durch 30 Kanäle geteilt durch vier Nutzer pro Kanal). Telekom-Konkurrenten halten bei dieser Rechnung die Gefahr allerdings für zu groß, dass der User ständig ein Besetztzeichen erhält. Daher kalkuliert beispielsweise der Internet-Zugangsanbieter Addcom mit drei Kunden pro Leitung. Hierbei ergibt sich ein Großhandels-Einkaufspreis von 53,33 Mark pro Kunde.

Die wahren Pferdefüße verstecken sich jedoch woanders. Die Pauschale beinhaltet nur die Strecke vom Kunden zur Ortsvermittlungsstelle, die Verbindungskosten zu den regionalen Vermietungsstellen sind in dem Angebot nicht enthalten. Da jedoch die Netze der Wettbewerber meistens nur bis zu den regionalen Knotenpunkten reichen, müssten sie die Strecke zu den Ortsvermittlungsstellen entweder von der Telekom mieten oder selbst in entsprechende Leitungen investieren. Ein weiterer Haken: Pro Einrichtung einer Einwahlnummer bei einer Ortsvermittlungsstelle werden 113,99 Mark fällig. Und es müssen alle 1.600 Vermittlungsstellen gebucht werden, eine Teilbelegung ist nicht möglich. Dies trifft vor allem kleinere und lokale Internet-Serviceprovider.

Das Angebot der Telekom kam für die Branche überraschend. Gemäß der Entscheidung der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation von Mitte November hätte die Deutsche Telekom noch bis Februar 2001 Zeit gehabt, eine Internetpauschale anzubieten. Zuvor hat die Telekom solche Angebote mit dem Argument abgelehnt, dass billige Flatrates zum Dauersurfen verleiten würden und dadurch das normale Telefonnetz blockiert werden könnte.

Quelle: Die Welt, 16.12.2000, Handelsblatt, 18.12.2000

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