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03. Juli 2001 | Allgemeines

Tägliche Qualitätssicherung ist Pflichtprogramm

Deutscher Presserat zum "Fall Sebnitz" / Elf Rügen

"Nach den Erfahrungen des Deutschen Presserats kann sich ein ‚Fall Sebnitz' überall abspielen, nicht nur in der überregionalen Presse." Das ist eines der Ergebnisse einer Anhörung des Selbstkontrollorgans der deutschen Presse zum Thema "Sorgfaltspflichten als Bestandteil der Qualität journalistischer Arbeit" am 20. Juni 2001 in Bonn.

Die wichtigsten Sicherungen gegen vorverurteilende Berichte, erklärte der Sprecher des Deutschen Presserats, Manfred Protze, seien professionelle Distanz zu Vorgängen und Stimmungslagen, die strikte Beachtung handwerklicher Regeln sowie ausreichende Freiräume und Mittel für Recherchen. Qualitätssicherung zähle daher zu den Daueraufgaben in den Medien. Sie liege ebenso im wirtschaftlichen Interesse der Medien wie auch im Interesse ihrer öffentlichen Aufgabe.

Neben Mitgliedern des Deutschen Presserats und Gästen aus Medien und Hochschulen nahmen Vertreter aus Wissenschaft und Praxis an der Anhörung teil. Als Experten äußerten sich Bettina Gaus, Korrespondentin der "tageszeitung" in Berlin; der Dresdner Korrespondent der "Frankfurter Rundschau", Bernhard Honnigfort; Hans Leyendecker, leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", München; sowie der Dortmunder Journalistik-Professor Horst Pöttker.

Der Beschwerdeausschuss des Selbstkontrollorgans hatte bereits in seiner Februar-Sitzung drei Zeitungen für ihre Berichterstattung über den am 13. Juni 1997 in Sebnitz angeblich von Neonazis getöteten Jungen, Joseph Kantelberg-Abdulla, gerügt. Ihren Entscheidungen legten die Mitglieder des Presserats Ziffer 2 des Pressekodex zugrunde. Sie verpflichtet die Presse, die "zur Veröffentlichung" bestimmten "Nachrichten und Informationen in Wort und Bild ... mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. ...Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen."

Anlässlich seiner turnusmäßigen Sitzung hat der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats am 19. Juni 2001 insgesamt elf Rügen verteilt. Drei gingen an die Zeitschrift "Coupé" wegen mangelnder Sorgfaltspflicht und Verstoßes gegen die Menschenwürde. Das Blatt hatte unter der Überschrift "Perverse Pfarrer sind Handlanger der Kinderporno-Mafia" pauschalisierend über Priester berichtet, die angeblich Kinder sexuell missbraucht und an Kinderporno-Ringe ausgeliefert haben sollen. Damit sei die Berufsgruppe der Pfarrer allgemein verunglimpft worden, teilte der Beschwerdeausschuss mit.

Eine weitere Rüge sprach der Presserat gegen die Berliner "tageszeitung" aus. Sie hatte eine Todesanzeige im Faksimile nachgedruckt und sich in einem satirisch gemeinten Begleittext abfällig über den Namen der Verstorbenen und ihrer Hinterbliebenen geäußert.

Zwei Rügen handelten sich die türkische Zeitung "Hürriyet" sowie die Stuttgarter Zeitung "Sonntag aktuell" ein. "Hürriyet" hatte von einer zweiten türkischen Zeitung ungeprüft einen Artikeln übernommen, in dem schwere Vorwürfe und Verleumdungen gegen eine Wissenschaftlerin aus Berlin sowie zwei türkische Wissenschaftler erhoben wurden. "Sonntag aktuell" hatte neben einem Interview mit dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, diejenigen Passagen des Gesprächs unter der Überschrift "Lügt ‚Bild' wieder?" gesondert veröffentlicht, die der "Bild"-Chefredakteur ausdrücklich nicht zur Veröffentlichung autorisiert hatte.

Gerügt wurden ferner die "Allgäuer Zeitung", der Informationsdienst "Rundy" und das "Haller Kreisblatt" sowie die "Bild" und die "B.Z." (Berlin). Neben den insgesamt elf Rügen sprach der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats 16 Missbilligungen und zehn Hinweise aus. Insgesamt wurden 70 Beschwerden gegen Zeitschriften und Tageszeitungen behandelt. Davon wurden 29 Beschwerden als unbegründet abgewiesen.

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