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12. November 2010 | Allgemeines

Studie: Vorlesen und Erzählen in Familien mit Migrationshintergrund

Bundesweiter Vorlesetag am 26. November

Was lässt sich tun, damit Kinder in Deutschland beim Spracherwerb und später beim Erlernen von Lesen und Schreiben die gleichen Chancen haben – und zwar unabhängig von der Herkunft, dem Bildungsgrad oder dem materiellen Status der Eltern? Klar ist: Vorlesen und erzählen in der Familie spielt beim Erwerb dieser Grundkompetenzen die herausragende Rolle. Vor diesem Hintergrund untersucht die Stiftung Lesen (Mainz) gemeinsam mit der in Hamburg erscheinenden Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutschen Bahn seit einigen Jahren die „familiäre Vorlesekultur“. Einer jeweils repräsentativen Befragung von Eltern (2007), Kindern (2008) und von „Vätern, die nicht vorlesen“ (2009), folgt aktuell eine Untersuchung, mit der erstmals Zahlen zum „Vorlese- und Erzählverhalten in Familien mit Migrationshintergrund“ präsentiert werden. Anlass ist der bundesweite Vorlesetag am 26. November.

Laut Studie legen Familien mit Migrationshin­tergrund ein sehr unterschiedliches Vorlesever­halten an den Tag: In 36 Prozent dieser Familien lesen die Mütter vor, in zwölf Prozent sind es die Väter, in jeder achten Familie allerdings liest nie­mand vor. Ähnliches gilt für einen zweiten wichti­gen Impuls zur Vermittlung von Sprach- und Le­sekompetenz – für das Erzählen von Geschich­ten: Laut Studie wird es in 30 Prozent der Fami­lien von der Mutter, in 13 Prozent vom Vater täg­lich praktiziert. Allerdings erzählt in fast jeder vierten Familie niemand den Kindern Geschich­ten.

 

„Viele Fakten widersprechen gängigen Vor­stellungen“, erläuterte die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, Simone Ehmig, anlässlich der Präsentation der Untersuchung am 11. November 2010 in Berlin. „Ein großer Familienverbund mit mehreren Gene­rationen in einem Haushalt bedeutet noch lange nicht, dass hier viele Vorlese- und Erzählakteure tätig sind – meist sind es die Mütter, mit Abstri­chen die Väter.“ Ferner verhielten sich Familien aus Regionen mit klassischer mündlicher Erzähl­tradition anders als die übrigen. So zeigten sich Eltern mit arabischem Migrationshintergrund im Unterschied zu Eltern mit türkischem Migrations­hintergrund beim Erzählen deutlich aktiver. Ein weiteres Ergebnis der Studie: In Migrantenhaushalten mit muslimischer Prägung spielen religiöse Inhalte zwar eine große, jedoch keine größere Rolle als in christlichen Haushal­ten.

Bildung und Herkunft der Eltern.

 

Laut Studie ist neben dem Bildungsabschluss der Eltern das Herkunftsland ein wichtiger Vor­lese- oder Erzählindikator: In Familien aus Osteu­ropa und Russland, den arabischen Ländern so­wie dem ehemaligen Jugoslawien sind danach beide Traditionen verbreitet; dann folgen West- beziehungsweise Südeuropa. In der größten Migrantengruppe, den Familien aus der Türkei, wird Vorlesen und Erzählen hingegen am we­nigsten praktiziert: Fast die Hälfte der Eltern in dieser Gruppe erzählt nie Geschichten, jedes dritte Elternpaar liest nie vor.

 

Anlässlich der Präsentation der Studie wies der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, darauf hin, dass bei der Be­trachtung von Familien mit Migrationshintergrund „Neuland“ betreten werde. Der scheidende Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Hein­rich Kreibich, macht deutlich, dass bereits in we­nigen Jahren 50 Prozent der Kinder, die eine Grundschule besuchen, Kinder mit Migrations­hintergrund sein werden. Hier tue sich ein Markt auf, der auch inhaltlich von den Verlagen berück­sichtigt werden müsse. Der Blick in die Zukunft befeuert auch das Engagement von Rainer Es­ser, Geschäftsführer „Die Zeit“, für die bundes­weiten Vorleseaktivitäten: „Die Zeit“ sein ein „schweres Brett“, erläuterte er launig. „Wenn wir heute mit unseren Aktivitäten die Kinder errei­chen, werden sie später auch ‚Die Zeit‘ lesen.“ Der bundesweite Vorlesetag am 26. November scheint da schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung zu sein: Bei der ersten Aktion im Jahr 2004 waren 2.000 Vorleser aktiv, 40.000 Kinder hörten zu. 2010 werden es rund 10.000 Lesepa­ten sein, die für 250.000 junge Teilnehmer Ge­schichten zu Gehör bringen.

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