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10. November 2015 | Allgemeines

Studie: Vorlesen macht Kinder empathischer und erfolgreicher

Themen: Studien, Junge Leser

Kinder, denen in den ersten Lebensjahren täglich/regelmäßig vorgelesen wird, sind ihren Altersgenossen ohne eine solche Erfahrung gegenüber deutlich im Vorteil. Sie führen ein aktiveres Leben mit mehr sozialen Kontakten, sind bessere Schüler und – so das Fazit der 9. Vorlesestudie (2015) – sie sind bessere Menschen.

Vorlesestudie.jpgSchon in den Vorjahren hat die von der Mainzer Stiftung Lesen betreute Untersuchung immer wieder herausgearbeitet, wie sehr regelmäßiges Vorlesen die individuelle Entwicklung von Kindern unterstützt, von schulischen Leistungen bis hin zu familiären Bindungen (BDZV Intern berichtete). Die von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutschen Bahn seit Beginn der Erhebungen mitgetragene Vorlesestudie 2015 weist nun erstmals auch die längerfristige soziale Bedeutung des Vorlesens nach: Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, selbst jenseits ihres unmittelbaren Umfelds.

Studienleiterin Simone Ehmig von der Stiftung Lesen wies darauf hin, dass die Bedeutung des Vorlesens unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar ist. „Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben.“ Ihr Appell: „Jeder Vater und jede Mutter sollte diese Möglichkeit nutzen, um das eigene Kind zu fördern.“ Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, werden häufiger als fröhlich und selbstbewusst beschrieben als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (93 beziehungsweise 75 Prozent gegenüber 59 beziehungsweise 44 Prozent).

Diese Zahlen nahm die Vorsitzende des Fachkuratoriums Bildung der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH, Antje Neubauer, zum Anlass, um die individuelle Bedeutung des Vorlesens hervorzuheben: „Diese Kinder sind zupackend und aktiv. Sie haben die Chance, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Sie sind eher bereit, in ihrem späteren Berufsleben Verantwortung zu übernehmen und kreativ Dinge voranzubringen.“ Umso bedauerlicher sei es, sprach Neubauer die Kehrseite der Medaille an, dass nur etwa ein Drittel der Eltern Kindern tatsächlich regelmäßig vorlese. Hier sei ein größeres Engagement wünschenswert.

Vorlesen stärkt aber nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die sozialen Beziehungen, in denen sie leben. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, sind häufiger darum bemüht, andere zu integrieren, als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (40 gegenüber 17 Prozent). „Diese Kinder sind empathischer und handeln auch entsprechend. Dafür bekommen sie Anerkennung und Wertschätzung von anderen zurück. Solidarisches Handeln ist also keine Einbahnstraße, sondern für alle Seiten ein Gewinn“, erläuterte Rainer Esser. Dabei wies der Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe (Hamburg) ausdrücklich auch auf die Flüchtlinge hin, die bei der Konzeption der Studie noch keine Rolle spielten, nun aber „das alte Deutschland verjüngen“ würden.

Den Schluss, dass aus Vorlesekindern „bessere Menschen“ werden, legte Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, nahe. 85 Prozent der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, besitzen nach Aussage ihrer Mütter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, im Unterschied zu 40 Prozent der übrigen Kinder. Für die Gesellschaft insgesamt bedeute dies, betonte Maas: „Ein Kind mit Gerechtigkeitssinn, das über sein direktes Umfeld hinaus Interesse und Solidarität zeigt, wird sich auch später engagieren – sei es im Ehrenamt oder als Entscheider in einer beruflichen Position.“
 
Die Vorlesestudie ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH und wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2015 hat das Feldinstitut Iconkids & Youth vom 30. Juni bis 31. Juli 524 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihre Mütter persönlich befragt.

Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2015 finden Sie hier.
 
Bundesweiter Vorlesetag am 20. November

Die Initiatoren nutzten die Vorstellung der Ergebnisse auch, um zur Teilnahme am 12. bundesweiten Vorlesetag aufzurufen, der dieses Jahr am 20. November stattfindet.

Beim bundesweiten Vorlesetag setzen jedes Jahr Zehntausende ehrenamtliche Vorleser, Prominente und Politiker ein Zeichen für die Bedeutung des Lesens und des Vorlesens. Fast 80.000 Vorleser haben sich bereits für eine Lesung in Buchhandlungen und Bibliotheken,  an Schulen und Kitas, in Krankenhäusern und auf Bahnhöfen angemeldet, 100.000 sollen es 2015  nach dem Willen der Veranstalter werden. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier www.vorlesetag.de

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