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30. Oktober 2014 | Allgemeines

Spotify – Modell für Presseunternehmen?

Medientage München: Experten diskutieren beim Publishing-Gipfel

Wäre ein Aggregationsmodell, wie es Spotify für die Musikindustrie anbietet, auch interessant für deutsche Presseverlage? Das war eines der zentralen Themen beim Publishing-Gipfel, den der BDZV und der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) am 23. Oktober bei den Medientagen München veranstalteten.

14_bild_2014_1414058584.jpgDen Auftakt des Gipfels bildete ein Interview mit Andreas Scherer, erster Vorsitzender des VBZV und Vorsitzender der Geschäftsführung der „Augsburger Allgemeinen“. Von Moderator Frank Thomsen (Ressortleiter Deutschland, „Stern“) nach seiner Einschätzung der Branchensituation befragt, wies Scherer darauf hin, dass die Gesetzgebung beispielhaft dafür stünde, wie die Politik den Verlagen das unternehmerische Handeln erschwere. Scherer betonte aber auch, dass staatliche Förderungen, wie sie etwa in NRW diskutiert werden, von Verlagen nicht gewollt seien. Ihnen wäre mit einer einheitlichen reduzierten Mehrwertsteuerregelung, die auch die elektronischen Presseprodukte mit einbeziehe, besser geholfen.

Stefan Zilch, Geschäftsführer Spotify Deutschland, wollte bei der anschließenden Diskussion keine eindeutige Antwort auf die Frage nach einem Spotify für Verlage geben, warb aber für ein Umdenken in der Zeitungsbranche: „Content haben ganz viele“, sagte er. Die Aussage: „Content is king“ treffe nicht mehr zu, heute sei das daraus geschaffene Produkt der „König“, und dazu bedürfe es eines hohen technischen Aufwands.

Widerspruch von Martin Balle, Verleger von „Straubinger Tagblatt“/“Landshuter Zeitung“ und Münchner „Abendzeitung“ (AZ): Nicht die Technik mache den Erfolg aus, sondern die Fähigkeit, Erlebtes und Erfahrenes so lebendig zu berichten, dass andere dies auch lesen wollten. Aus seiner Sicht führe die Digitalisierung in der journalistischen Berichterstattung zu einer Verflachung. „Das Leben beginnt dort, wo es sich dem Algorithmus entzieht.“ Die Chefredakteurin der „Frankfurter Rundschau“, Bascha Mika, argumentierte ähnlich: Es sei kein Mangel, sondern vielmehr eine Qualität der Zeitungen, ihre Leser nicht – wie große Digitalunternehmen – bis in die privaten Winkel auszuforschen.

„Ein Dilemma“

Laurence Mehl, Geschäftsführer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, hingegen stand der Idee eines aggregierten Zeitungsangebots zu monatlichem Festpreis, wie es das beispielsweise mit „Blendle“ in den Niederlanden bereits gibt, offen gegenüber. Allerdings sah er auch die Hürden, die es zu überwinden gälte. Zum einen müssten sich alle Zeitungen auf einen Standard einigen, zum anderen müssten sie ihre direkten Kundenbeziehungen abgeben, „Das ist ein Dilemma, denn darüber generieren wir natürlich auch zusätzlich Umsätze“, so Mehl.

Jens Lönneker, Diplompsychologe und Gründer von rheingold salon (Köln), hatte im Vorfeld der Expertenrunde in einem spannenden Impulsvortrag herausgearbeitet, warum die Gesellschaft im digitalen Zeitalter neu lernen müsse, „was wir öffentlich und privat schützen wollen“. Diese Entscheidung sollte aus seiner Sicht nicht den Filtermechanismen weltweit tätiger Oligopolisten überlassen werden.

Den Publishing-Gipfel nutzte der Herausgeber der Münchener „Abendzeitung“, Martin Balle, gleich auch für eine positive Nachricht in eigener Sache: Er kündigte an, zum Jahreswechsel die Verträge der 40 AZ-Mitarbeiter zu entfristen.

(Fotos: BDZV/Lütkecosmann)

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