Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

12. November 2001 | Digitales

Skandinavische Erfolgsrezepte – bezahlte Inhalte und Micropayment

„Newsflow“ orientiert sich an Multimedia und Multichannel-Distribution – Neue Art von Personalisierung steigert Zugriffszahlen

Skandinavien präsentierte sich in Genf als Erfolgsstory. Dr. Stiq Nordqvist vom Schwedischen Zeitungsverlegerverband gab Einblick in die neuesten Trends seiner Region. Immer mehr Zeitungen lassen sich Inhalte bezahlen. Multimedia hält auch in kleineren Häusern Einzug. Und ohne moderne Technik lassen sich erfolgreiche Online-Ausgaben kaum mehr produzieren.

Phantasie beweisen skandinavische Zeitungen derzeit bei Erlösmodellen. Anzeigenerlöse reichten zur Finanzierung der Webangebote vielfach nicht aus. Der Verkauf von Inhalten an Dritte ist bislang eine Nische. „Online-Abonnements und andere Formen, bei denen User für die Inhalte zahlen, entwickeln sich rapide“, berichtet Nordqvist. Dabei gebe es gute und schlechte Beispiele. Bemerkenswert sei die Website von Kauppalehti in Finnland. Die in weiten Teilen gebührenpflichtige Website erreiche 1,5 der insgesamt 5,1 Millionen Finnen. Die Erlöse aus verkauftem Inhalt überstiegen die Anzeigeneinnahmen bereits seit 1998. Insgesamt trage die Website bereits acht Prozent zum Gesamtumsatz von Kauppalehti (FIM 250 Millionen) bei.

 

Nutzer zahlen Gebühren

In Schweden bieten bereits mehrere Zeitungen Online-Abonnements. „Bohusläningen“, „FaluKurieren“ und „Östra Småland“ beispielsweise hätten sich für das System „Pay-Read“ entschieden. Soeben sei bekannt geworden, dass sich die in dem Zeitungsnetzwerk „Citygate“ zusammengeschlossenen 30 Regionalzeitungen für die Micropaymentlösung von „Spacecoin“ entschieden hätten. Spacecoin soll ab Frühjahr 2002 das Billing für die Inhalte übernehmen. Registrierte User können geschützte Websites aller Spacecoin-Kunden besuchen. Am Ende des Monats erhalten sie eine Rechung. Schon ab Januar will Schwedens größte Finanzzeitung, „Dagens Industri“, Gebühren von ihren Usern verlangen, die Online-Publikation E24 und „Computer Sweden“ stehen angeblich kurz vor der Bekanntgabe. Laut Nord-qvist gibt es auch in Dänemark entsprechende Pläne: „Die 30 größten Nachrichtensites wollen sich anschließen, Darunter Sol, Politiken, Berlingske Tidende, IDG, Yahoo, TV2 und JyllandsPosten.“

 

Heiß diskutiert wird in Schweden auch der Vorstoß des Unternehmens „Tric“, das Internet-Service-Provider für die über deren Netze verbreiteten Inhalte zur Kasse bitten will. Künftig sollen User die Websites bekannter Zeitungen nur noch besuchen können, wenn die ISPs die Medienunternehmen dafür bezahlen.

 

Nachrichten anders organisieren

Nordqvist stellte kurz ein Forschungsprojekt am Royal Institute of Technology in Stockholm zur Zukunft der Informationsvermittlung vor, das der wachsenden Multimedialität in den Medienunternehmen und den Ausgabemedien Rechnung tragen soll. Die Wissenschaftler schlagen vor, Nachrichten und Informationen künftig statt um Produkte um den „Nachrichtenablauf“ („Newsflow“) zu organisieren. Inhalte müssten umgehend im jeweils passendsten Medium („Channel“) veröffentlicht werden. Die verschiedenen Kanäle erforderten unterschiedliche Herangehensweisen bei der Planung, und unterschiedliche Zeiten von der Recherche bzw. dem Eingang des Materials bis zur Publikation. Bei dem „TAPP“ genannten Projekt wurden Wege erforscht, wie Medienunternehmen ihren „Newsflow“ organisieren könnten, um die verschiedenen Ausgabekanäle bestmöglich bedienen zu können. Ein Prototyp eines entsprechenden Systems wurde entwickelt, das auch die Zusammenarbeit der an einem Nachrichtenprojekt beteiligten Menschen erleichtern soll.

 

Multimediaelemente halten schon heute immer häufiger Einzug in die Arbeit von Zeitungen in Skandinavien. Nordqvist führte als Beispiel Norrköpings Tidninga an. Die 1758 gegründete Zeitung, die 380 Angestellte und eine Auflage von 48.000 Exemplaren habe, habe sich in den letzten drei bis fünf Jahren unter den digitalen Medien eine vergleichbar starke Position gesichert wie sie die Zeitung in ihrem regionalen Markt habe. Die Zeitung habe frühzeitig die Streaming-Media-Firma „Technomedia AB“ übernommen, die eng mit der Zeitung, dem Radio und dem Internetauftritt zusammenarbeite. Das Unternehmen übernehme darüber hinaus Auftragsarbeiten, etwa für die Schulzeitung, den Zoo oder die Stadtverwaltung, produziere Videos für Firmen und Lehrfilme.

 

Mehr Zugriffe durch Personalisierung

Ohne ausgeklügelte Content-Management-Systeme, mit denen sich weite Teile der Arbeit automatisieren lassen, kann heute kaum noch eine Website ökonomisch produziert werden. Svenska Dagbladet, Schwedens drittgrößte Zeitung, macht darüber hinaus positive Erfahrungen mit einem neuen Konzept für „Customer Relationship Management“ (CRM) und Personalisierung. In nur zwei Ressorts wurde bislang eine neue Form der Nachrichtenpräsentation getestet, bei der dem User aufgrund seines aktuellen Surfverhaltens gewichtete weitere Leseangebote gemacht werden. Erstaunliches Zwischenergebnis laut Nordqvist: „Obwohl nur 15 Prozent der Inhalte mit den neuen Metatags ausgestattet sind und das ganze System nur in zwei Bereichen installiert ist, hat sich die Zahl der Seitenabrufe pro Besucher um durchschnittlich 25 Prozent erhöht.“

zurück