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17. Mai 2010 | Allgemeines

„Schwarzwälder Bote“ feiert 175-jähriges Jubiläum

Historiker Wolffsohn unterstreicht bei Festakt die Bedeutung des „Kulturguts Zeitung“ als Hüter der Demokratie


Es ist der Frühsommer des Jahres 1835, als Wilhelm Brandecker erstmalig den „Schwarzwälder Boten“ als ein Amts- und Intelligenzblatt herausgibt. Im Jahr 2010 kann das „Kulturgut Schwarzwälder Bote“, wie Michael Wolffsohn (Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität in München und Publizist) die Zeitung aus Oberndorf am Neckar adelte, auf 175 erfolgreiche Jahre Zeitungsproduktion zurückschauen.

schwazwälder boteFür die Fortschreibung dieser erfolgreichen Zeiten sei eine enge Kooperation zwischen Mitarbeitern, Gesellschaftern und Kunden unerlässlich, erläuterte Dr. Richard Rebmann, Verleger des „Schwarzwälder Boten“, Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding und BDZV-Vizepräsident, vor den mehr als 400 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur beim Jubiläumsfestakt am 13. Mai 2010. „Ohne diese Zusammenarbeit wäre der ‚Schwarzwälder Bote‘ nicht zu dem geworden, was er heute ist, ein Chronist und kritischer Wegbegleiter“. Ein Blick in alte Protokolle erinnert den Verleger: In den vergangenen Jahren waren schwierige Fragen zu beantworten, doch: „Die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wurde nie infrage gestellt.“ In Zeiten von Krise und Digitalisierung bewegten große Herausforderungen die Verlagsbranche. Dennoch benötigen die Zeitungshäuser keine staatlichen Subventionen. „Um weiter Jubiläen feiern u können, fordern wir jedoch den nötigen Respekt“, sagte Rebmann, „Die Verlage werden am Aufbau neuer Geschäftsfelder gehindert.“ An die Bundespolitik und den anwesenden Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten, Stefan Mappus, gerichtet, forderte Rebmann: „Öffentlich-rechtliche Medien sollten sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen.“

Pressefreiheit ist Voraussetzung für Freiheit der Allgemeinheit

 

gruppenfoto Schwarzwälder BoteWelche Bedeutung das „Kulturgut Zeitung“ hat, unterstrich der Publizist Professor Michael Wolffsohn: „Anders als das ungefilterte, unfilternde Weltmedium Internet war, ist und bleibt die Zeitung unser Haupttor zur Welt, zur kleinen und großen.“ Der Mensch habe schon immer danach gestrebt, zu kommunizieren. Auch wenn sich Form und Medium der Kommunikation geänderte hätten, so habe der Mensch nicht sein Bedürfnis abgelegt, nicht nur Ich zu sein, sondern Wir zu werden. „Ich-Du-Wir-Beziehungen, das ist des Menschen Sein und Ziel“, erläuterte Wolffsohn. Nur sei dieses Ziel ohne Kommunikation unmöglich zu erreichen, „und die Zeitung war, ist und bleibt hierfür das Kommunikationsmittel“, so der Kommunikationsfachmann. Doch diese wichtige Funktion als Kommunikator der Gesellschaft werde die Zeitung nur verteidigen können, wenn Verlage weiter in Qualitätsjournalismus investierten: „Ohne regionale, nationale oder internationale Kompetenz, also Qualität, kann sich eine Zeitung auf Dauer nicht auf dem gnadenlosen Markt behaupten“, meinte Wolffsohn, und ergänzte: „schon gar nicht, wie der ‚Schwarzwälder Bote‘, 175 Jahre“.

 

Festveranstaltung Schwarzwälder BoteDoch brauche eine demokratische Gesellschaft eine funktionierende „Vierte Gewalt“ im Staate, denn niemand könne politische Parteien besser kontrollieren als die Presse. Vor allem Zeitungen „mit langem Atem und beständigen Werten, Zeitungen mit Kultur und Zeitungen als Kultur“ würden bei dieser Aufgabe eine Schlüsselrolle einnehmen. Aus dieser Erkenntnis schlussfolgerte der Professor für Neuere Geschichte, dass die Presse gar nicht die „Vierte Gewalt im Staate“ sei, „sondern tatsächlich die Zweite“. „Nur durch die freie Presse kann Demokratie, besonders Parteiendemokratie, im Sinne des Volksganzen funktionieren“, erklärte Wolffsohn, und fasste abschließend zusammen: „Ohne Presse keine Demokratie, ohne Demokratie keine Freiheit, also ohne Presse und Pressefreiheit keine Freiheit der Allgemeinheit.“

Impressionen von der Festveranstaltung und weitere Informationen zum 175-jährigen Jubiläum des „Schwarzwälder Boten“ finden sich unter www.schwarzwaelder-bote.de sowie die Chronik des "Schwarzwälder Boten" hier: schwarzwaelder-bote.de. Die komplette Rede , die komplette Rede von Professor Wolffsohn ist im Bereich BDZV-Intern hinterlegt.

 

Foto: Schwarzwälder Bote/Kienzler

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