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05. Juli 2002 | Allgemeines

Schlechte Konjunktur trifft Zeitungsbranche besonders hart

BDZV-Jahrespressekonferenz: Kritik an Politik und Gewerkschaften

Die Einbrüche im Werbemarkt halten an, und die Zeitungen sind davon besonders hart betroffen, erklärte der BDZV am 4. Juli 2002 bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin. „Die anhaltend schlechte Konjunktur trifft uns mit voller Härte“, stellte BDZV-Hauptgeschäftsführer Volker Schulze fest. Mit spürbaren Besserungen sei frühestens im kommenden Jahr zu rechnen.

Im Monat Mai sei die Menge der Anzeigen (nicht Umsätze) im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurückgegangen – in Ostdeutschland um 21 Prozent. Der Stellenmarkt – seit jeher ein Indikator für die Konjunkturlage – sei um 48 Prozent eingebrochen. Dies dokumentiere, wie schlecht es tatsächlich um die wirtschaftliche Lage in Deutschland bestellt sei. Schulze machte deutlich, dass es sich in der Zeitungsbranche keineswegs um eine Strukturkrise handele. Mit mehr als 350 Zeitungstiteln sei Deutschland weltweit eines der Länder mit der größten Pressevielfalt. Die Zeitung sei mit weitem Abstand – vor TV und Zeitschriften – der größte Werbeträger. Sie erreiche vier von fünf Bürgern. Und jeder zweite Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren lese regelmäßig Zeitung.

 

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres (Januar bis Mai) sind die Anzeigenumfänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent (Ostdeutschland –17 Prozent) zurückgegangen, wie BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski ausführte. Neben den Stellenanzeigen (-43 Prozent) waren besonders betroffen: Immobilien (-15 Prozent, überregionale Anzeigen (-11 Prozent), Kfz-Anzeigen (-9 Prozent). Die einzige Sparte, in der es eine positive Entwicklung gab, waren Reiseanzeigen mit einem Plus von fünf Prozent.

 

Die schlechte Konjunkturlage spiegelt sich auch im Zeitungsverkauf wider: Im ersten Quartal musste die Branche gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 2,6 Prozent verzeichnen. In Ostdeutschland lagen die Verluste bei -4,4 Prozent (-170.000 Zeitungsexemplare); im Westen bei -2,8 Prozent (-599.000 Exemplare). Besonders stark betroffen waren mit einem Minus von fünf Prozent die Kaufzeitungen (Ost: -11 Prozent).

 

„In schlechten wirtschaftlichen Zeiten werden auch das Zeitungsabonnement und der Zeitungskauf am Kiosk in Frage gestellt“, sagte Laskowski. Die allgemeine Zurückhaltung der Konsumenten im Zusammenhang mit der Euro-Einführung habe ihr Übriges getan. Die Gesamtauflage der Zeitungen lag im ersten Quartal bei 29,3 Millionen Exemplaren: 16,3 Millionen lokale und regionale Zeitungen; 1,7 Millionen Überregionale; 5,3 Millionen Kaufzeitungen; 4,3 Millionen Sonntagszeitungen; 1,8 Millionen Wochenzeitungen. Aufgrund der rückläufigen Anzeigenmengen sowie der Verluste im Zeitungsvertrieb rechnet der BDZV für das laufende Jahr mit erheblichen Umsatzausfällen.

 

Bereits im vergangenen Jahr musste die Branche ein Umsatzminus aus Anzeigen/Beilagen und Vertrieb in Höhe von 7,24 Prozent hinnehmen; die Erlöse gingen von 10,8 auf 10,0 Milliarden Euro zurück. Die Vertriebsumsätze stiegen um 3,1 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro. Das Anzeigen- und Beilagengeschäft fiel um 14 Prozent zurück. Dies entspricht einem Gesamtwerbeumsatz von sechs Milliarden Euro.

 

Strukturwandel in Verlagen

 

Die BDZV-Vertreter machten deutlich, dass die schwierige wirtschaftliche Lage die Zeitungsunternehmen in einer Zeit des Strukturwandels treffe. Die Zeitungshäuser seien konsequent dabei, sich zu Medienunternehmen mit Engagements in allen Mediengattungen zu entwickeln. Dies sei mit enormen Investitionen verbunden. „Da tun die Umsatzeinbrüche doppelt weh“, so Schulze. In jedem Verlag komme derzeit alles auf den Prüfstand. Ohnehin anstehende Umstrukturierungen müssten jetzt mit einem enormen Tempo umgesetzt werden. Es gehe darum, Synergiepotenziale auszuschöpfen, Arbeitsabläufe zu optimieren und neue Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. In diesem Prozess sei auch ein Personalabbau in vielen Verlagen nicht zu vermeiden. Schulze machte klar, es gehe nicht nur um Einsparungen, sondern zugleich auch um eine Steigerung der wirtschaftlichen und publizistischen Kraft der Verlagsunternehmen. Dies sei kein Widerspruch, wenn die bisher nicht ausgeschöpften Potenziale voll ausgenutzt würden. Als ureigene Stärken der Zeitung bezeichnete Schulze die redaktionelle Qualität sowie die hervorragende Dienstleistung gegenüber Lesern wie Werbekunden. Diese Qualität zu steigern, sei ein wichtiges Stück Zukunftssicherung.

 

BDZV-Präsident Helmut Heinen hatte zuvor im DeutschlandRadio gesagt, Redaktionen seien von Kürzungen am wenigsten betroffen. Die Verleger wüssten, dass sie ihre Einnahmen langfristig nur stabilisieren könnten, wenn sie weiterhin ein Qualitätsprodukt auf den Markt brächten. „Es wäre völlig falsch, die Qualität kaputt zu sparen.“ Der BDZV-Präsident räumte aber ein, dass journalistische Experimente und besonders hochwertige Leistungen als erstes wegfielen.

 

Deutliche Worte richtete der BDZV-Hauptgeschäftsführer an die Politik: Es sei schon zynisch, wenn angesichts der prekären Lage in der gesamten Kommunikationswirtschaft vor allem auf EU-Ebene mit neuer Vehemenz über Werbeverbote diskutiert werde. Zumal den Verantwortlichen klar sei, dass Werbeverbote grundsätzlich im Widerspruch zur Meinungs- und Pressefreiheit stehen. Es sei ungeheuerlich, dass die EU-Kommission unter Missachtung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs ein generelles Tabakwerbeverbot in den Printmedien verlange. Zwar wisse die Kommunikationswirtschaft in ihrer Ablehnung gegen diese europäischen Werbeverbote die Bundesregierung an ihrer Seite, doch auch innerhalb der Bundesregierung gebe es aus einzelnen Ministerien immer wieder Querschläger wie jüngst der Vorschlag, Tabakwerbung in Kinos zu verbieten. „Die Werbefreiheit ist Bestandteil der Kommunikationsfreiheit“, so Schulze. Legal hergestellte und vertriebene Produkte müssten auch legal beworben werden dürfen. Im Übrigen müsse den Verantwortlichen klar sein, dass die Unabhängigkeit der Presse nur auf einem wirtschaftlich soliden Fundament gewährleistet sei. Werbeverbote würden dieses erschüttern; damit würden Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet.

 

Als schwere Belastung für die Zeitungsbranche bezeichnete der Hauptgeschäftsführer den jüngsten Tarifabschluss in der Druckindustrie, der Lohnsteigerungen von 3,4 Prozent vorsieht. Es sei kontraproduktiv, dass in einer Zeit, in der es der Branche so schlecht geht wie nie zuvor, der höchste und teuerste Lohnabschluss der vergangenen zehn Jahre verkraftet werden müsse. Schulze verwies auf die Beurteilung des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm), dass dieser Tarifabschluss zu Personalabbau sowie zum Abbau übertariflicher Leistungen führen werde. Dafür habe sich dann die Gewerkschaftsseite zu verantworten.

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