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08. Februar 2006 | Allgemeines

Rechtschreibchaos vor dem Ende?

Rat für deutsche Rechtschreibung legt Änderungsvorschläge vor / Kultusministerkonferenz entscheidet im März

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am 3. Februar 2006 die – vorerst – letzten Korrekturen an der umstrittenen Rechtschreibreform angebracht. Am 2. und 3. März wird nun die Kultusministerkonferenz (KMK) über die Umsetzung der Ergebnisse rechtzeitig bis zum Beginn des Schuljahres 2006/2007 befinden müssen.

Aufgrund der großen Unzufriedenheit mit der Reform in der gesamten deutschsprachigen Be­völkerung war der Rat für deutsche Rechtschrei­bung, in dem auch der BDZV mit Pressereferen­tin Anja Pasquay vertreten ist, im Dezember 2004 gegründet worden. Ihm gehören 39 Experten aus Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Liechtenstein, Tirol und Belgien an. Eine Ablehnung der hier mit jeweils Zweidrittelmehrheit getroffenen Änderungs- oder besser Reparatur­vorschläge durch die KMK hätte gewiss ein ge­waltiges und negatives Echo zur Folge. „Wir ma­chen die Nachkorrekturen nicht, damit sich die Fehlerquellen erhöhen“, betonte in diesem Zu­sammenhang der Vorsitzende des Rats, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Ze­hetmair. „Die Leute sollen wieder Vertrauen in die Sprache fassen und sich in ihr wohlfühlen.“ Ge­rade die Schulen sollten die Vorschläge des Rats als „erzieherische Chance“ begreifen.

In Zukunft soll wieder mehr auf den Schreib- und Sprachgebrauch bei der Normsetzung ge­achtet werden anstatt die Schriftsprache in ein starres Regelwerk zu pressen, wie durch die Rechtschreibreform von 1996 geschehen. Als von vornherein „gesetzt“ betrachtete der Rat auf Bitte des Vorsitzenden Zehetmair die Umwandlung von ß in ss nach kurzem Vokal. Hierüber wurde nicht mehr diskutiert, ebenso wenig über die nun er­laubte Trennung von s-t im Wort.

Weitgehend auf den Stand vor der Recht­schreibreform zurückgeführt wurden die Kom­plexe Zusammen- und Getrenntschreibung, Zei­chensetzung und Worttrennung am Zeilenende. Eine halbe Reform der Reform gab es bei der Groß- und Kleinschreibung; so sollen die Anrede­pronomina du und dein in Briefen künftig wieder groß geschrieben werden. Bei vielen zusammen­gesetzten Begriffen wie etwa Recht haben/ recht haben werden beide Lösungen als richtig akzep­tiert. Begriffe mit übertragener Bedeutung wie Schwarzes Brett, Rote Karte oder Blauer Brief werden anders als bisher ebenfalls wieder groß geschrieben.

Sowohl die Wörterbuchverlage als auch die deutschsprachigen Presseagenturen unter Füh­rung der dpa bereiten derzeit Wörterlisten vor, die rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahres vor­liegen werden. Die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung ist damit allerdings nicht getan. Auch in Zukunft soll sich das Gremium ein- bis zweimal im Jahr treffen, um Komplexe zu behan­deln, die jetzt aufgrund des großen Zeitdrucks nicht diskutiert, geschweige denn entschieden werden konnten. Dazu zählt zum Beispiel die Laut-/Buchstabenzuordnung wie in Stengel (alt) / Stängel (neu) oder behende (alt) / behände (neu).

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