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24. Oktober 2007 | Allgemeines

Professioneller Journalismus und Bürgerbeteiligung – Experten diskutieren über die Grenzen

Viertes Herbstforum der Initiative Qualität in Berlin

Das Internet und neue Formen von Bürgerjournalismus oder auch Leserreporter stellen die Medien bei der Qualitätssicherung vor neue Herausforderungen. Diese Meinung vertraten viele Experten beim Herbstforum der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) am 8. Oktober 2007 in Berlin.

So ruft beispielsweise die „Bild“ aus Sicht des Anwalts Christian Scherz mit ihren Leserreportern zu „massenhaftem Rechtsbruch“ auf. Scherz berichtete von drei prominenten Mandanten, in deren Auftrag er der Zeitung die Veröffentlichung „illegal entstandener Fotos“ gerichtlich habe un­tersagen lassen. Nicolaus Fest, stellvertretender „Bild“-Chefredakteur, hingegen verteidigte die Leserreporter. Von inzwischen 5.000 veröffent­lichten Leserfotos seien nur drei beanstandet worden. Die Leserreporter seien „neue Quellen für interessante Geschichten“, besonders im Lo­kalen und im Ausland. Auch bei Unglücken, Na­turkatastrophen und Fehlverhalten von Promi­nenten und Amtsträgern seien die Hobby-Journa­listen oft die erste und auch die einzige Quelle und könnten damit sehr hilfreich sein.

Wie der Branchendienst „epd medien“ berich­tet, erläuterte die Bochumer Medienwissen­schaftlerin Barbara Thomaß, dass es entschei­dend von den „Intentionen des Mediums und den passenden Formen“ abhänge, ob Publikumsbe­teiligung ein Qualitätsfaktor sei oder nicht. Werde „billiger Amateur-Journalismus“ zur Kostensen­kung genutzt, sei dies ein „Missbrauch“. Ähnlich sah das auch dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn, der sagte, dass Publikumsbeteiligung Moderation und Betreuung durch professionelle Journalisten benötige, „die sich mit Handwerk und ethischen Standards auskennen“. Der Medien- und Online-Journalist Matthias Spielkamp und Michael Maier vom Internetportal Readers Edition bezeichneten es als wichtige Zukunftsfrage für etablierte Me­dien, ob und wie sich Kunden und Nutzer dort selbst artikulieren könnten. Werde dies nicht er­möglicht, prognostizierten sie eine „mediale Pa­rallelgesellschaft“, wie sie ansatzweise heute bereits in Blogs, Communitys und anderen For­men existieren. Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Universität Münster forderte, dass sich Medienprofis und Bürger im „Dialog gegenseitig bereichern“ müssten, um die „digitale Spaltung“ der Gesellschaft („digital di­vide“) zu vermeiden und die Qualität der Medien­angebote zu erhöhen. Julius Endert, Chefredak­teur von handelsblatt.com (Düsseldorf), und Fo­cus online-Chefredakteur Jochen Wegner (Mün­chen) waren überzeugt, dass professionelle Jour­nalisten durchaus von Lesern lernen könnten und dass Journalisten unverzichtbar seien, wenn sich ihr Berufsverständnis wandele: „Vom Missionar zum Moderator.“

In der Diskussion um Beschwerden und Quali­tät der Kritik sagte Anton Sahlender, Ombuds­mann bei der „Main-Post“ in Würzburg, dass die durch seine Arbeit entstehende wöchentliche Kolumne den Leserzuspruch für die Zeitung deut­lich erhöht habe. Stefan Ruß-Mohl vom European Journa­lism Observatory in Lugano (Schweiz) plädierte für eine Kombination von Ombudsleuten und Presseräten in allen Ländern als „optimale Form“, um Nutzer an der demokratischen Kont­rolle von Medien zu beteiligen. Werde dies obendrein mit breiter Öffentlichkeitsarbeit verbun­den, könne sich auf diesem Weg auch Medien­kompetenz entwickeln. Das Herbstforum der Ini­tiative Quali­tät findet alle zwei Jahre statt. Die IQ ist eine Ar­beitsgemeinschaft von Deutscher Jour­nalisten-Verband, dju in ver.di, dem BDZV, dem Deut­schen Presserat sowie Landesmedienans­talten, Bildungsinstitutionen und Wissenschaft­lern.

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