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28. Juni 2010 | Allgemeines

Presserat weist 200 Beschwerden gegen Kirchen-Karikatur der Zeitschrift „Titanic“ zurück

Insgesamt 271 Beschwerden behandelt / sechs öffentliche und zwei nicht-öffentliche Rügen ausgesprochen

Der Deutsche Presserat hat die 198 gegen die Zeitschrift „Titanic“ eingegangenen Beschwerden als unbegründet zurück-gewiesen. Stein des Anstoßes war die im Ap-ril 2010 veröffentlichte Karikatur „Kirche heute“, die auf dem „Titanic“-Titelblatt einen katholischen Geistlichen gezeigt hat, der in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Die Hände des Geistlichen waren ebenfalls auf Schritt-höhe des am Kreuze hängenden Jesus zu sehen.

Fast 200 Leser hatten sich über diese Karikatur beim Presserat beschwert und vor allem einen Verstoß gegen die Ziffer zehn des Kodex („Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschau-liche oder sittliche Überzeugungen zu schmä-hen") angeführt. Der Beschwerdeausschuss machte aber deutlich, dass „die vorliegende Kari-katur die zugespitzte Darstellung eines gesell-schaftlichen Missstandes innerhalb der Institution Kirche ist und als solche nicht eine Religion schmäht". Aufgabe von Karikaturen und Satire sei es, Diskussionen in einer Gesellschaft so aufzugreifen, dass sie diese pointiere und manchmal auch an Grenzen gehend darstelle. „Die aktuelle Debatte über den sexuellen Miss-brauch von Schutzbefohlenen in der katholischen Kirche wird in der Darstellung visualisiert", heißt es dazu weiter vom Presserat. Die Karikatur sei zwar provozierend, „aber damit wird nicht Jesus oder der christliche Glaube verhöhnt, sondern das Verhalten christlicher Würdenträger kritisiert, die sich ihren Schutzbefohlenen gegenüber falsch verhalten haben", erklärte Ursula Ernst, Vorsitzende des Beschwerdeausschusses.

Presserat rügt acht Titel

Öffentlich gerügt hat der Presserat hingegen die Online-Redaktion der „Goslarschen Zeitung" wegen eines Verstoßes gegen die Ziffer 11 des Pressekodex (unangemessene Gewaltdarstel-lung). Die Zeitung hatte auf ihrer Internetseite über einen Fall von gefährlicher Körperverletzung berichtet und den Beitrag mit einem Video ver-linkt. Der Rat befand, das Video sei dazu geeig-net, Nachahmungstäter zu animieren. Ebenfalls wurden der „Vogtland-Anzeiger" (Plauen) wegen fehlender Gegenrecherche und vernachlässigter journalistischer Sorgfalt und die „Rheinische Post" (RP, Düsseldorf) aufgrund unerlaubter Schleichwerbung (Ziffer 7.2) gerügt. Gegen den Grundsatz der Trennung von Redaktion und Werbung habe auch die „Sindelfinger Zeitung" durch vollständige Übernahme eines PR-Textes eines Automobilherstellers verstoßen. Dabei wurde beanstandet, dass es für die Leser nicht erkennbar gewesen sei, dass der Artikel nicht von der Redaktion, sondern vom Automobilunter-nehmen verfasst wurde.

Eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten monierte der Presserat bei der Zeitschrift „Die Aktuelle". Diese berichtete über einen Comedy-Star, der angeblich im Rollstuhl sitze. Der Aus-schuss sah in der Berichterstattung eine Verlet-zung der Ziffern 1 und 8 des Pressekodex, wo-nach körperliche und psychische Erkrankungen oder Schäden grundsätzlich in die Geheimsphäre des Betroffenen fallen. Wegen eines Verstoßes gegen Persönlichkeitsrechte wurde auch das Online-Portal DerWesten.de öffentlich gerügt. Dieses berichtete über die Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens in der Wohnung seiner Eltern. Dem Artikel beigestellt sei ein Stadtplan mit dem Titel „Ort des Geschehens" gewesen, anhand dessen der Tatort identifiziert werden konnte. Kritisiert wurden auch „Bild" Frankfurt und „Bild am Sonntag" (Berlin) für ihre Berichterstattung über einen Familienausflug in die Alpen, bei dem ein 13-jähriges Mädchen zu Tode kam. Der Beschwerdeausschuss monierte den Abdruck des Fotos des Opfers und die Ver-öffentlichung zahlreicher Details aus dem Privat-leben.

Insgesamt behandelte der Deutsche Presserat 271 Beschwerden. Neben den sechs öffentlichen und zwei nicht-öffentlichen Rügen gab es zwölf Missbilligungen und 19 Hinweise. In 218 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet er-achtet (davon 198 gegen die Zeitschrift „Titanic"). In drei Fällen wurde die Beschwerde als begrün-det angesehen, auf eine Maßnahme wurde je-doch verzichtet. Zwei Fälle waren nicht aufklärbar.

Internet: www.presserat.de

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