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11. März 2016 | Namen und Nachrichten

Presserat: Verstöße gegen Opferschutz, Diskriminierungsverbot und Trennungsgebot

Themen: Recht, Presserat

Der Deutsche Presserat hat auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 8., 9. und 10. März 2016 wegen Verstößen gegen den Pressekodex elf öffentliche Rügen ausgesprochen. Zudem gab es 14 Missbilligungen und 39 Hinweise. Von den 181 eingereichten Beschwerden wurden 25 als begründet bewertet. Im Fokus stand die Berichterstattung über die Silvester-Übergriffe von Köln, über das Paris-Attentat und über das Zugunglück in Bad Aibling.

Presserat.jpgAls unangemessen sensationell bewertete der Beschwerdeausschuss die Veröffentlichung eines Augenzeugen-Videos im Online-Angebot der Münchner „Abendzeitung“ vom Zugunglück in Bad Aibling. Mit Blick auf das Leid der Betroffenen und Hinterbliebenen sei die Darstellung presseethisch nicht akzeptabel, die Richtlinie 11.3 (Unglücksfälle und Katastrophen) sei verletzt worden.
Als unbegründet erachtete der Ausschuss die 14 Beschwerden, die zum Cover des Magazins „Focus" als Folge der Silvester-Übergriffe in Köln („Frauen klagen an“) vorlagen. Das Motiv zeigte Print und online eine nackte hellhäutige Frau mit schwarzen Handabdrücken auf ihrer Haut. Der Beschwerdeausschuss erkannte darin weder eine herabwürdigende Darstellung von Frauen noch eine Diskriminierung (Ziffer 12). Die Abbildung sei nicht eindeutig in eine Richtung interpretierbar, die Veröffentlichung daher vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.


Beschwerden zum Paris-Attentat


Gerügt wurde „Bild Online" für die Darstellung der Opfer des Paris-Attentats. Unter der Überschrift „Die Geschichten der Opfer“ hatte die Redaktion Porträtbilder der Getöteten veröffentlicht, angereichert mit persönlichen Details aus dem Lebenslauf. Der Ausschuss sah hier einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Opferschutz nach Richtlinie 8.2, ein öffentliches Interesse an dieser identifizierbaren Darstellung bestehe nicht.
Als Dokument der Zeitgeschichte wurde hingegen ein Foto bewertet, das die Szenerie in der Konzerthalle Bataclan nach dem Anschlag zeigt und auf dem auch Leichen zu sehen sind.
Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass die Aufnahme zwar schockierend sei, das öffentliche Interesse an dem Terroranschlag und seinen schrecklichen Folgen in der Gesamtschau jedoch höher bewertet werden müsse als der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen.

 

Opferschutz verletzt


Um Verstöße gegen das Recht auf Schutz der Persönlichkeit ging es auch in zwei weiteren Fällen: „Bild" und „Bild Online" wurden gerügt wegen der Berichterstattungen über die Morde an den beiden Jungen Elias und Mohamed, deren Fotos auch nach Abschluss der Fahndung noch veröffentlicht wurden (Opferschutz bei minderjährigen Verbrechensopfern, Richtlinie 8.2).
„Bild am Sonntag" erhielt eine Rüge, weil sie bei ihrem Bericht über den Mord an einer Schwangeren Fotos vom Facebook-Profil der Toten verwendet hatte, ohne die Zustimmung der Angehörigen einzuholen.


Mangelnde Trennung von Werbung und Redaktion


Wegen Verstößen gegen das Trennungsgebot gingen zwei Rügen an die Website „Focus Online" für deren Berichterstattung über einen Technikdiscounter und die Wirkungsweise eines Medikaments gegen Erkältungen. Gerügt wurde auch die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“wegen ihrer überwiegend positiven Besprechung der Fabrikate eines einzigen Herstellers von Füllfederhaltern. Die Zeitschrift „TV Hören und Sehen" erhielt eine Rüge wegen ihres Beitrags über ein Präparat zum Abnehmen, der als Interview mit dem Hersteller aufgemacht war und aufgrund der „unkritischen Darstellung“ und der „anpreisenden Formulierungen“ einen werblichen Effekt erziele. In allen genannten Fällen kritisierte der Beschwerdeausschuss einen Verstoß gegen die Richtlinie zur „Schleichwerbung“ (Richtlinie 7.2). Darüber hinaus sprach das Gremium eine Rüge gegen das Portal netmoms.de aus. Hier sei unter der Überschrift „präsentiert von ...“ ein durchweg positiver Artikel über die Bachblütentherapie aus der Feder eines Herstellers homöopathischer Präparate veröffentlicht worden. Der Ausschuss sah in der Überschrift „präsentiert von ...“ keine ausreichende Kennzeichnung dafür, dass es sich um einen gesponserten Beitrag gehandelt hatte. Die Veröffentlichung verstoße damit gegen Ziffer 7 des Pressekodex.

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