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16. Oktober 2012 | Allgemeines

Presserat: Rügen für „Brand Eins“, „Titanic“ und „Bild“

Insgesamt 412 Beschwerden behandelt

Themen: Presserat

Mit zahlreichen Mehrfachbeschwerden sah sich der Deutsche Presserat in seiner Septembersitzung konfrontiert. Neben 182 Eingaben zum Papst-Cover der Zeitschrift „Titanic“ lagen dem Selbstkontrollgremium über 70 zur „Bild“-Kolumne von Franz-Josef Wagner vom 23. August 2012 vor, in der er sich mit dem Gesetzesentwurf zur Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften auseinandersetzte. Während der Presserat das „Titanic“-Cover als entwürdigend sowie ehrverletzend einstufte (Verstoß gegen Ziffer 9 des Pressekodex) und eine öffentliche Rüge aussprach, wurden die Beschwerden gegen die „Bild“ zurückgewiesen.

Die kritische und zugespitzte Positionierung, die als Meinungsäußerung zu erkennen war, ließe erkennbar Raum für Interpretationen der Leser, so der Presserat. „Die Ansicht des Autors muss man nicht teilen, sie ist aber vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.“ Eine Diskriminierung oder Herabwürdigung von Homosexuellen sah das Gremium in dem Kommentar nicht.

In zwei anderen Fällen sprachen die Beschwerdeausschüsse jedoch Sanktionen gegen die Berliner „Bild“ beziehungsweise „Bild online“ aus. Eine öffentliche Rüge erhielt die Zeitung für die Veröffentlichung des Fotos eines falschen Mordopfers. Eine junge Frau war von ihrem Mitbewohner getötet worden. „Bild“ veröffentlichte ein Foto, das das Opfer zeigen sollte. Jedoch war auf der Aufnahme eine andere Person zu sehen. Aus Sicht des Presserates gab es kein begründbares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung. Die Zeitung verstieß daher gegen Ziffer 8. Mit der Verbreitung des falschen Bildes hatte die Zeitung zudem die Sorgfaltspflichten nach Ziffer 2 verletzt.
Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt Bild.de für die Berichterstattung über einen Mann, der seine beiden Nichten umgebracht hatte. Das Nachrichtenportal veröffentlichte Auszüge aus den Briefen des Täters aus dem Gefängnis. Des Weiteren enthielt der Artikel ein Foto der beiden Mädchen. Darin sah der Presserat einen schweren Verstoß gegen den Opferschutz.

Das Magazin „Brand Eins“ wurde öffentlich wegen eines Verstoßes gegen den in Ziffer 7 des Pressekodex festgeschriebenen Grundsatz der Trennung von Redaktion und Werbung gerügt. Das Wirtschaftsblatt hatte im Auftrag des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie eine Publikation geschrieben, die mit einer regulären Ausgabe der Zeitschrift verteilt wurde. Das Heft unter der Überschrift ‚Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft‘ wurde auf der Titelseite als „Ein Magazin über die Pharmaindustrie“ angekündigt. Der Beschwerdeausschuss sah mit dieser Publikation die gebotene Distanz zwischen Werbung und Redaktion verletzt, da die Beilage beim Leser den Eindruck einer Sonderausgabe von „Brand Eins“ erweckt habe.

Auch der Redaktionsdatenschutz-Ausschuss tagte und sprach eine Missbilligung gegen eine nicht näher genannte Tageszeitung aus, weil diese bei ihrer Kriminalberichterstattung sensible Daten veröffentlicht hatte. In einem Beitrag über einen Mord nannte die Redaktion die genaue Adresse des Tatortes – mit Straße, Hausnummer und Stockwerk.

Die aktuelle Sitzung der Kammern kommentiert die Vorsitzende Katrin Saft: „Im Internetzeitalter ist die Sensibilität der Bevölkerung für den Schutz ihrer persönlichen Daten gestiegen. Das Thema redaktioneller Datenschutz ist in der Öffentlichkeit angekommen. Die zunehmende Anzahl von Beschwerdefällen zeigt die gewachsene Bedeutung des Ausschusses."

Insgesamt wurden in den drei Ausschüssen 412 Beschwerden behandelt. Die Ergebnisse: drei öffentliche Rügen, eine nicht-öffentliche Rüge, 16 Missbilligungen, 27 Hinweise. 111 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In 31 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.

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