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04. Juni 1999 | Allgemeines

Presserat mahnt zu Sorgfalt bei Informationen und Quellen im Kosovo-Krieg

Selbstkontrollorgan spricht fünf Rügen aus

Nach acht Wochen Erfahrung mit der Berichterstattung über den Kosovo-Krieg hat der Deutsche Presserat in Bonn zu "besonderer Sorgfalt beim Umgang mit Informationen und Quellen" aufgerufen.

Journalisten sollten sich an folgenden Prinzipien orientieren: Kriegsverharmlosende oder gar verherrlichende Berichterstattung sei zu unterlassen. Journalisten dürften sich nicht für Interessen der am Krieg Beteiligten mißbrauchen lassen. Beschönigende Ausdrücke wie "Kollateralschaden" oder "ethnische Säuberung" seien zu vermeiden. "Die Sprache der Militärs darf die Sprache der Medien nicht dominie-ren", erklärte die Sprecherin des Deutschen Presserats, Ursula Ernst-Flaskamp. Ferner sollten Journalisten Distanz zu allen Informationsquellen halten. Die Quellenlage müsse exakt erkennbar sein und, wenn dies nicht möglich sei, die Schwierigkeit der Informationsbeschaffung verdeutlicht werden. Hintergründe müßten ausführlich dargestellt werden.

Ferner hat das Selbstkontrollorgan fünf öffentliche Rügen gegen verschiedene Printmedien ausgesprochen. So wurde die Zeitschrift "Coupé" wegen eines Verstoßes gegen das Gebot der wahrhaftigen Berichterstattung der Öffentlichkeit im Sinne der Ziffer 1 Pressekodex kritisiert. Gerügt wurde ferner die Zeitschrift "Telestunde" wegen einer "Vermischung von Redaktion und Werbung", die damit einen klaren Verstoß gegen den im Pressekodex festgeschriebenen Trennungsgrundsatz (Ziffer 7) darstellt. Aus dem gleichen Grund wurde auch das Magazin "Reise und Preise" gerügt.

Wegen Verletzung der persönlichen Ehre des italienischen Ministerpräsidenten Massimo D'Alema kritisierte das Plenum des Presserates die Zeitung "Sabah" (Ziffer 9). Die "Neue Presse" verstieß nach dem Urteil des Selbstkontrollorgans gegen die journalistische Sorgfaltspflicht.

Als gutes Beispiel dafür, wie Beschwerden im Sinne des Pressekodex wirken können, dokumentierte der Ausschuß die "vorbildliche Reaktion einer Zeitung auf eine Eingabe des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Die Zeitung hatte in einem Artikel über ein Gerichtsverfahren erwähnt, daß die dort Angeklagte zu einer Roma-Familie gehöre. Nachdem die Zeitung vom Presserat über die Beschwerde unterrichtet worden war, habe Sie ihren Lesern in einem redaktionellen Beitrag mitgeteilt, daß sie die Nennung der Roma-Zugehörigkeit bedauere, da kein Sachbezug im Sinne der Ziffer 12 Pressekodex gegeben war. Der Zentralrat habe daraufhin seine Beschwerde zurückgezogen. Insgesamt sprach das Selbstkontrollorgan auf der Basis von 26 behandelten Beschwerden, neben den Rügen, sechs Mißbilligungen und drei Hinweise aus.

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