Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

25. Februar 1998 | Allgemeines

Presserat kritisiert Schäubles Idee vom verschärften Lauschangriff

Kay E. Sattelmair neuer Sprecher des Selbstkontrollgremiums

Der Deutsche Presserat hat am 18. Februar 1998 in Bonn gegen den Vorstoß des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble protestiert, den großen Lauschangriff noch weiter zu verschärfen und den Schutz bestimmter Berufsgruppen gänzlich zu streichen.

Offensichtlich wolle Schäuble "ein Bollwerk aufbauen, um Nachbesserungen im Vermittlungsausschuß zu verhindern", erklärte der Sprecher des Deutschen Presserats, Kay. E. Sattelmair. Es könne nicht darum gehen, daß auch noch bei Abgeordneten, Geistlichen und allen Strafverteidigern gelauscht werden dürfe. Der Presserat fordere vielmehr, die Pressefreiheit zu stärken, statt sie durch den großen Lauschangriff weiter einzuschränken. Ohne Informantenschutz könnten die Medien eine ihrer wichtigsten Aufgaben nicht mehr wahrnehmen: Skandale aufzudecken. Dazu müsse das Vertrauensverhältnis zwischen Journalisten und ihren Informanten gewährleistet sein. "Das Zeugnisverweigerungsrecht der Presse ist kein persönliches Privileg für Journalisten", betonte der Deutsche Presserat, sondern "eine grundlegende Voraussetzung für die Pressefreiheit und damit für die Demokratie.

Ferner hat das Plenum des Selbstkontrollorgans der gedruckten Presse anläßlich seiner Sitzung eine öffentliche Rüge gegen die Zeitschrift "Animal Peace" wegen eines Verstoßes gegen den Schutz der Jugend im Sinne der Ziffer 11 Pressekodex ausgesprochen. Die Publikation einer Tierschutzorganisation hatte unter der Überschrift "Gewalt, Sex und Tod" einen mit Fotos aus dem Internet illustrierten Beitrag zum Thema Sodomie veröffentlicht. Nach Ansicht des Presserats sei eine Auseinandersetzung mit der Thematik zwar legitim, die journalistische Umsetzung im speziellen Fall jedoch - besonders im Hinblick auf Kinder und Jugendliche - presseethisch unzulässig.

Darüber hinaus hat der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserats drei Mißbilligungen gegen drei Zeitungsbeiträge wegen Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex), Vorverurteilung (Ziffer 13) und Verletzung der Ehre eines Tatopfers (Ziffer 9) ausgesprochen. Von insgesamt 42 behandelten Beschwerden wurden 18 für begründet erklärt; es ergingen drei Mißbilligungen und 13 Hinweise; in zwei Fällen wurde von einer Maßnahme abgesehen.

Zum neuen Sprecher des Selbstkontrollorgans der gedruckten Presse ist Kay E. Sattelmair gewählt worden; er löst damit turnusgemäß nach einem Jahr die amtierende Sprecherin des Gremiums, Christiane Gibiec (IG Medien) ab. Sattelmair ist Verlagsgeschäftsführer der "Welt"- Gruppe und gehört als Vertreter des BDZV dem Deutschen Presserat seit 1995 an. Zur stellvertretenden Sprecherin wurde Ursula Ernst-Flaskamp (DJV), Redakteurin bei der "Augsburger Allgemeinen" gewählt. Neue Mitglieder des Presserats sind: Udo Milbret (IG Medien), Bildjournalist bei der "Westdeutschen Allgemeinen", sowie Dr. Michael Rediske (IG Medien), Chefredakteur der "taz" in Berlin, und der Verleger Dr. Lothar Vincentz (VDZ). Zum neuen Vorsitzenden des Trägervereins wurde Benno H. Pöppelmann (DJV) gewählt.

zurück