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15. Februar 2001 | Allgemeines

Presserat kritisiert im "Fall Joseph" Aufmachung der Artikel in den Überschriften

Drei Zeitungen und zwei Zeitschriften gerügt / Protze neuer Sprecher

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat anlässlich seiner Sitzung am 13. Februar 2001 in Bonn drei Zeitungen für ihre Berichterstattung über den am 13. Juni 1997 in Sebnitz angeblich von Neonazis getöteten Jungen Joseph Kantelberg-Abdulla gerügt: Kritisiert wurden die „Bild“-Zeitung, die „Berliner Morgenpost“ sowie die ebenfalls in Berlin erscheinende „tageszeitung“ (taz). Außerdem wurden die Beschwerden gegen zwei weitere Tageszeitungen als begründet erachtet.

Bei den drei gerügten Blättern stellte der Presserat einen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex) fest; kritisiert wurde, wie das Selbstkontrollorgan mitteilt, "insbesondere die Aufmachung der Artikel in den Überschriften". Sie hätten jeden Zweifel am Tathergang ausgeschlossen. Damit sei die Grenze zwischen zulässiger Verdachtsberichterstattung und unzulässiger Tatsachenbehauptung überschritten. Der Beschwerde-ausschuss betont in diesem Zusammenhang, dass mit den Entscheidungen gegen einzelne Zeitungen die übrige Presse nicht entlastet sei. Er habe nur über diejenigen Veröffentlichungen beraten, gegen die beim Presserat Beschwerde erhoben wurde. Insgesamt habe es sich mit den offensichtlich falschen Berichten über die Geschehnisse in Sebnitz um einen Tiefpunkt der Medienberichterstattung gehandelt. Dabei sei ein "Mainstreameffekt" zu beobachten gewesen, der zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer zu untersuchen sei. Der Deutsche Presserat kündigte an, in einer seiner nächsten Sitzungen das Thema der journalistischen Sorgfaltspflicht grundsätzlich auch mit Hilfe von Experten zu beraten. In diesem Zusammenhang sei der "Fall Joseph" nur ein Beispiel unter vielen.

Geprüft wurden außerdem die Zeitschrift "Stern" wegen eines Verstoßes gegen den Schutz des Privatlebens und der Intimsphäre der Menschen (Ziffer 8 Pressekodex) sowie die Branchenzeitschrift "Ventil" wegen eines Verstoßes gegen den Trennungsgrundsatz (Ziffer 7 Pressekodex). Bei dem Blatt für Taxifahrer waren redaktionelle Beiträge über ein Unternehmen davon anhängig gemacht worden, dass im Gegenzug entsprechende Anzeigen geschaltet wurden. Ferner verhängte der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats zwei nicht-öffentliche Rügen, neun Missbilligungen gegen verschiedene Zeitschriften und Tageszeitungen sowie fünf Hinweise. Nur acht Beschwerden wurden als unbegründet abgewiesen.

Anlässlich der jüngsten Sitzung hat der Deutsche Presserat Manfred Protze, dpa-Redakteur in Oldenburg, zu seinem neuen Sprecher gewählt. Protze gehört als Vertreter der IG Medien dem Deutschen Presserat seit 1986 an und löst turnusgemäß nach einem Jahr den amtierenden Vorsitzenden des Gremiums, Professor Dr. Robert Schweizer (VDZ), ab. Zum stellvertretenden Sprecher wählte der Presserat Kay E. Sattelmayr (BDZV), Verlagsgeschäftsführer der "Welt"-Gruppe. Wechsel auch beim Vorsitz des Beschwerdeausschusses: Ursula Ernst-Flaskamp (DJV), Redakteurin der "Augsburger Allgemeinen" und Mitglied des Presserats seit 1995, wurde für die Dauer von zwei Jahren zur Vorsitzenden gewählt. Neue Mitglieder des Presserats sind die beiden DJV-Vertreter Hartmut Beifuß, Fotojournalist der "WAZ", und Henrik Klemm, Redaktionsleiter der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. Zum neuen Vorsitzenden des Trägervereins des Deutschen Presserats wurde Rudi Munz (IG Medien) gewählt.

 

Im Internet: www.presserat.de

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