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12. Juni 2015 | Allgemeines

Presserat: Co-Pilot durfte benannt und abgebildet werden

Germanwings-Katastrophe sorgt für Beschwerde-Rekord

Themen: Pressefreiheit, Presserat

Der Co-Pilot des Germanwings-Flugs 4U9525 durfte nach Ansicht des Deutschen Presserats in den allermeisten Fällen benannt und abgebildet werden. Die Abbildung von Opfern und deren Angehörigen war jedoch in der Regel unzulässig. Zu diesem Ergebnis kamen die Beschwerdeausschüsse des Presserats. Insgesamt hat der Presserat im Juni aufgrund schwerer Verstöße acht öffentliche Rügen ausgesprochen.

430 Menschen hatten die Berichterstattung über die Flugkatstrophe beanstandet. Das ist nach Angaben des Presserats die höchste Zahl an Beschwerden zu einem einzelnen Ereignis seit Gründung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse. Insgesamt sprach der Deutsche Presse­rat im Zusammenhang mit dem Germanwings-Unglück zwei öffentliche Rügen, sechs Missbilli­gungen und neun Hinweise aus.

Das Kontrollgremium setzte sich unter anderem mit einer möglichen Vorverurteilung des Co-Pilo­ten durch die Berichterstattung auseinander. Er kam zu der Auffassung, dass die Medien ab dem Zeitpunkt der Pressekonferenz der Staatsanwalt­schaft Marseille am Mittag des 26.3.2015 davon ausgehen durften, dass der Co-Pilot das Flug­zeug absichtlich zum Absturz gebracht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten entsprechende Erkennt­nisse durch die Auswertungen des Sprachrekor­ders und weitere Ermittlungen der französischen Luftfahrtbehörde vorgelegen. Zusammen mit der Einzigartigkeit des Falls war in der Gesamtschau eine Nennung des Namens des Co-Piloten aus Sicht des Presserats zulässig. Beschäftigt hat sich das Gremium auch mit der Frage, ob das Ereignis als Suizid zu behandeln ist und deshalb besondere Zurückhaltung geboten gewesen wäre. Dieser Gesichtspunkt tritt jedoch im Hin­blick auf die 149 weiteren Todesopfer zurück

Partnerin war durch Berichterstattung identifizierbar

Eine Rüge gegen „Bild“ und „Bild Online“ sprach der Beschwerdeausschuss 2 aus, weil mehrfach Bilder und Namen von Opfern veröf­fentlicht worden waren.  Eine weitere Rüge erging gegen die „Rheinische Post“. Diese hatte über die Partnerin des Co-Piloten berichtet. Zwar wurde ihr vollständiger Name nicht genannt, jedoch waren in dem Text so viele persönliche Details über sie enthalten, dass sie für einen erweiterten Perso­nenkreis identifizierbar war.

In anderen Fällen wurden im Juni aufgrund schwerer Verstöße sechs weitere öffentliche Rü­gen ausgesprochen. „Das neue Blatt“ hatte auf ihrer Titelseite „Helene Fischer in Lebensgefahr“ geschrieben. Im Heft wurde dann lediglich be­richtet, dass eine Artistin aus Düsseldorf, die nichts mit Helene Fischer zu tun hat, sich bei der

Büh­nenshow verletzt habe. Die Darstellung auf der Titelseite wertete der Presserat als bewusst irre­führend. „Freizeit Revue und „Revue heute“ wur­den wegen einer unwahrhaftigen Berichter­stat­tung und einer Verletzung der Sorgfaltspflicht gerügt.

Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ wurde wegen der Veröffentlichung einer Polizeimeldung über einen Trickdiebstahl gerügt. Darin war ein Hin­weis enthalten, dass die Tatverdächtigen „ver­mutlich Sinti oder Roma“ seien. Der Beschwerde­ausschuss hielt die Zuschreibung für diskriminie­rend und für einen schwerwiegenden Verstoß gegen Ziffer 12 in Verbindung mit Richtlinie 12.1 des Pressekodex.

„Unangemessen sensationell“

Eine weitere Rüge sprach der Beschwerdeaus­schuss gegen „Bild Online“ wegen Verstoßes gegen die Ziffern 8 und 11 des Pressekodex aus. Das Medium hatte einen aus den USA stammen­den Mitschnitt eines Notrufs veröffentlicht. Darin berichtet die schwer verletzte Anruferin, dass sie schwanger sei und eine Frau ihr den Bauch auf­geschnitten habe. Der Ausschuss beurteilte die Veröffentlichung als unangemessen sensationell. Da die Frau auch mit Bild gezeigt wurde und sie bei dem Notruf ihren Vornamen, ihr Alter und ihre Adresse nennt, lag zudem eine Verletzung des Schutzes ihrer Persönlichkeit vor.

Wegen Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung (Ziffer 7 Pressekodex) wurde außerdem die „Märkische Allgemeine“ gerügt. Die Zeitung hatte drei Bei­träge veröffent­licht, in denen den Lesern jeweils ein bestimmtes Produkt vorgestellt wurde.  Dabei wurden Pro­duktfotos veröffentlicht und Preise genannt. Der Beschwerdeausschuss sah durch diese Angaben die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex überschritten.

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