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03. November 2003 | Allgemeines

Presse-Grosso beklagt Rückgang beim Zeitschriftenabsatz

Podium: Einzelverkauf spielt beim Absatz von Zeitungen wichtige Rolle

Die Presse-Großhändler in Deutschland verzeichnen weiterhin einen starken Rückgang beim Absatz von Zeitschriften und Zeitungen. Wie der Bundesverband Presse-Grosso am 14. Oktober 2003 anlässlich seiner Jahrestagung in Baden-Baden bekannt gab, ging der Verkauf bei den 80 Grosso-Unternehmen im ersten Halbjahr 2003 um 4,75 Prozent zurück. Der dabei erzielte Umsatz reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro.

Der Verbandsvorsitzende Werner Schiessl zeigte sich optimistisch, dass es bis Jahresende keine weitere Verschlechterung geben werde. Das Presse-Grosso sieht sich im fünften Jahr in Folge mit einer negativen Umsatzentwicklung in seinem Kerngeschäft, dem Vertrieb von Presseprodukten, konfrontiert. Der Absatz von Männermagazinen und Wirtschaftsblättern habe im ersten Halbjahr 2003 abgenommen. Das gelte auch für Computer- und Technikmagazine. Dagegen halte sich die politische Presse stabil. Der Absatz von Frauenzeitschriften, Hobby- und Kulturmagazinen sowie Sportmagazinen nehme sogar zu.

 

Schiessl führte die negative Absatzentwicklung auf die sinkende Kaufkraft der Konsumenten, einen Wandel des Freizeitverhaltens sowie eine zunehmende Nutzung von Online-Medien zurück. Auch die deutliche Forcierung des Abonnements durch die Verlage wirke sich negativ auf den Presse-Einzelverkauf aus. Zunehmend werde der Preis als Marketinginstrument zur Stabilisierung der Auflage eingesetzt, sagte Schiessl – mit deutlichen Folgen für den Presseumsatz.

 

„Wir müssen weiterhin das Verkaufsstellennetz pflegen, den Pressefachhandel qualifizieren und uns noch intensiver um den Lebensmitteleinzelhandel bemühen“, sagte Schiessl. Künftig wollen die Grosso-Unternehmen ihre Produkte beispielsweise verstärkt in Discount-Märkten anbieten, dabei aber auf Einhaltung der Preisbindung achten. Dies bestätigte auch bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zeitungen im Einzelhandel – ein Erfolgsmodell“ BDZV-Präsident Helmut Heinen. Er führte aus, dass unstreitig ein gemeinsames Interesse bestehe, mehr Verkaufsstellen zu erschließen. Aus seiner Sicht müsse dies jedoch Schritt für Schritt geschehen. Heinen erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass aufgrund veränderter Familienstrukturen die Anzahl der Singlehaushalte ständig wachse und dass gerade in diesen Haushalten nur gelegentlich zur Zeitungslektüre gegriffen werde. Vor allem für diese Leserschaft sei der Einzelverkauf von hoher Bedeutung.

 

Das Presse-Grosso muss flexibler werden und sich noch stärker für die Zeitungen engagieren, forderte Christian Nienhaus, Verlags-Geschäftsführer der „Bild“-Gruppe in Hamburg. Die „Bild“ wird ausschließlich im Einzelverkauf vertrieben, muss daher stets den Käuferströmen folgen und hat vor diesem Hintergrund größtes Interesse an einer Discounter-Belieferung, die in der Branche derzeit diskutiert wird. Nienhaus bekräftige in diesem Zusammenhang sein Vertrauen in das Grosso-System, wies aber auch darauf hin, dass die Kaufhäufigkeit entscheidend sei. Aus seiner Sicht wäre es für alle Zeitungen von Vorteil, wenn potenzielle Leser ihre Zeitung auch bei Lidl, Aldi oder Plus vorfinden würden, da ansonsten die Gefahr bestehe, dass an Einkaufstagen der Weg nicht mehr zusätzlich zum Zeitungskiosk führe.

 

Grosso-Präsident Schiessl mahnte an, den Sortimentsgedanken zu erhalten. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer in der Überzeugung, dass gut gemachte Titelseiten den Kaufanreiz im Einzelverkauf erhöhen. Darüber hinaus, forderte Schiessl, müssten die Zeitungen jedoch mehr für den Einzelverkauf werben. Dies unterstützte auch der Münchner Verleger Dr. Dirk Ippen, aus dessen Sicht die Zeitungen insgesamt mehr Geld für Marketing und Inhalte investieren sollten. Eine Investition in Inhalte, in journalistische Qualität besonders für junge Leute, forderte auch Hans Leyendecker, leitender politischer Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ in München. Dies bedeute gewiss einen hohen finanziellen Aufwand, den sich die Zeitungen jedoch leisten müssten, um die Leser und Abonnenten von morgen zu gewinnen. Die Qualität der Zeitung müsse aber auch den Lesern etwas wert sein, forderte Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, und führte zum Vergleich das mittlerweile schon sprich-wörtlich gewordene Bild von der Tasse Kaffee an, die häufig teurer verkauft werde als die gedruckte Zeitung.

 

Verleger Ippen mahnte Kontinuität in der lokalen Berichterstattung als wichtiges Mittel der Leser-Blatt-Bindung auch im Einzelverkauf an, und wurde dabei unterstützt von Christian Nienhaus, der die Aktualität und Einzigartigkeit der lokalen Berichterstattung als USP charakterisierte, der noch gestärkt werden müsse. Dabei komme es in erster Linie auf die Qualität der Inhalte und nicht auf die Optik an.

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