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13. April 2011 | Allgemeines

Opferschutz, informationelle Selbstbestimmung und Schleichwerbung beschäftigen Presserat

Sechs Rügen und 21 Missbilligungen ausgesprochen

Um Opferschutz, informationelle Selbstbestimmung, Persönlichkeitsrecht, Schleichwerbung und Sorgfaltspflichten ging es bei den öffentlichen und nicht-öffentlichen Rügen, die der Deutsche Presserat anlässlich der Sitzungen der Beschwerdeausschüsse vom 22. bis 24. März 2011 in Berlin ausgesprochen hat.

So erhielt Bild-Online eine nicht-öffentliche Rüge aufgrund der Veröffentlichung von zwei ungepixelten Fotos zweier ermordeter Jugendli­cher. Das Selbstkontrollgremium erkannte darin einen Verstoß gegen Richtlinie 8.1 (Opferschutz) des Pressecodex. Denn „das Wissen um die Identität der Opfer sei für das Verständnis des Verbrechens unerheblich gewesen“. Ebenfalls nicht-öffentlich gerügt wurde „Bild“-Bremen für zwei Artikel über die Vorwürfe beziehungsweise die Gerichtsverhandlung gegen einen ehemali­gen Spieler der Amateurmannschaft von Werder Bremen sowie einen weiteren Verdächtigen we­gen versuchten Totschlags. Durch die in den Beiträgen erfolgten Fotos und Namens­nennungen seien beide Angeklagten identifizier­bar. „Damit verletzte die Zeitung ihr Persönlich­keitsrecht“, erklärte der Presserat.

Wegen Schleichwerbung öffentlich gerügt wur­den die Zeitschriften „tv Hören und Sehen“ sowie „Premius“. Letztere habe in „höchsten Tönen von einem Fünf-Sterne-Hotel in Portugal ge­schwärmt“. Der Beschwerdeausschuss sah in der Beistellung von Hinweisen auf spezielle Aktions­angebote des Hauses inklusive der jeweiligen Preise eine Verletzung der Richtlinie 7.2. Die Programmzeitschrift „tv Hören und Sehen“ erhielt eine Rüge für vier Beiträge über Krankheitsbilder. In jedem der Artikel wurde dabei ein Markenpro­dukt als Heilmittel genannt. Diese Hinweise wur­den als Schleichwerbung bewertet, da jeweils ein einzelnes Produkt ohne nachvollziehbaren Grund aus einer Palette ähnlicher Präparate mit glei­chen Wirkstoffen hervorgehoben worden sei.

Eine öffentliche Rüge sprach der Presserat auch gegen die „Lünepost“ aufgrund ihrer regel­mäßigen Veröffentlichung von Fotos aus, auf denen jeweils eine Szene aus dem Straßenleben gezeigt wird. Darauf ist stets eine Menschen­gruppe zu sehen. Das Gesicht einer der dort abgebildeten Personen wird von der Zeitung gelb eingekreist und damit durch einen sogenannten „Glückskreis“ hervorgehoben. Es wird ein Ein­kaufsgutschein von 25 Euro versprochen, wenn sich die umrahmte Person innerhalb von vier Wochen bei der Zeitung melde. In einem Fall wurde der vorherige Gewinner namentlich ge­nannt und geschildert, dass er seinen Gewinn bei einem Waffengeschäft eingelöst hat. Mit dieser Praxis verstößt die „Lünepost“ laut Beschwerde­ausschuss gegen das in Ziffer acht des Presse­kodex verbriefte Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die Zeitschrift „Schifffahrt Hafen Bahn und Technik“ erhielt eine öffentliche Rüge wegen Verstößen gegen die in Ziffer zwei des Pressekodex festgeschriebene journalisti­sche Sorgfaltspflicht und den in Ziffer neun defi­nierten Schutz der Ehre. Die Zeitschrift hatte in einem Beitrag über die deutsche Wasser- und Schifffahrtsverwaltung berichtet und einem Amtsleiter schwere Vorwürfe bei der Ausschrei­bung und Abwicklung von Aufträgen gemacht.

Insgesamt wurden in den drei Beschwerdeaus­schüssen 125 Beschwerden behandelt. Neben den vier öffentlichen und zwei nicht-öffentlichen Rügen gab es 21 Missbilligungen und 28 Hin­weise. In 62 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet. In sechs Fällen wurde die Beschwerde als begründet angesehen, jedoch auf eine Maßnahme verzichtet.

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